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Villingen-Schwenningen "Alternative VHS" für alle Technikbegeisterten

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Vereinsmitglieder Michael Castano (von links), Max Noppel und Damian Jesionek heißen jeden Dienstag auch Nicht-Mitglieder im vspace.one willkommen. Foto: Marull Foto: Schwarzwälder-Bote

Es surrt, im Hintergrund hört man das klappernde Geräusch von Tastaturen, aus den Boxen tönt leise elektronische Musik, bunte LEDs sorgen für eine angenehme Atmosphäre – es ist Dienstagabend und die Anzeige des Maker- und Hackerspace "vspace.one" auf dem alten Kienzle-Areal wechselt auf "Raumstatus: Open".

Seit Anfang Juni existiert der Maker- und Hackerspace in der Wilhelm-Binder-Straße 19 – seit Mitte Juni der dazugehörende Verein, mit mittlerweile neun Mitgliedern. Mehr als 20 Nicht-Mitglieder besuchen die Räumlichkeiten regelmäßig. Für sie sind die zwei Räume, "Maschinenraum" und "Brücke" genannt, jeden Dienstag ab 19 Uhr geöffnet. Vereinsmitglieder besitzen das Privileg, unbegrenzten Zugang zum "space" zu haben. Der Villinger Maker- und Hackerspace ist einer von mehreren Hundert in ganz Deutschland und unzähligen auf der ganzen Welt. Vorbild für die Villinger war der Hackerspace "shackspace" in Stuttgart, den die Gründungsmitglieder öfters besucht haben und mit dem man auch heute noch im Austausch steht. Im Kern geht es bei Hacker- und Makerspaces darum, eine lokale, nicht-kommerzielle Plattform für Programmierer, Bastler und anderweitig technisch Interessierte zu bieten. In den meisten Fällen sind es gemeinnützige Vereine, die Räume und die dazugehörige Infrastruktur bereitstellen.

"Businessboxx" ein Glücksfall

Oft gestaltet sich vor allem die Suche nach geeigneten Räumen eher schwierig. In Villingen hatte man Glück. Ralf Gropengießer, Eigentümer der "Businessboxx", wollte selbst eine Art offene Werkstatt in seinem Gebäude einrichten, erfuhr von "vspace.one" und stellte ihnen die Räume zur Verfügung. Von ihm stammen auch viele der Maschinen und Werkzeuge die zur Benutzung bereitstehen. Neben einem 3D-Drucker, stehen Standbohrmaschinen, eine Fräse, ein Oszilloskop und Lötkolben zur Benutzung bereit. Demnächst wird der "Maschinenraum" um eine CNC-Fräse erweitert. Auch für Materialien ist ausreichend gesorgt. Labels in verschiedenen Farbabstufungen zeigen an, welche Gerätschaften und Materialien der Allgemeinheit zugänglich sind und welche nur vom jeweiligen Besitzer benutzt werden dürfen. Je mehr grüne Aufkleber, die eine freie Nutzung signalisieren, umso besser sei das für den Maker- und Hackerspace, denn "wenn jeder nur zum privaten Schrauben hier her kommt, macht ›vspace.one‹ keinen Sinn", beschreibt Max Noppel, der sich im Vorstand des Vereins engagiert, den demokratischen Grundgedanken der Einrichtung.

Dass sich diese Herangehensweise herumgesprochen hat, merkt man auch an den vielen Sachspenden die dem Verein zur Verfügung gestellt werden. "Immer wieder bringen Leute etwa Router, Firewalls und verschiedene Bauteile vorbei, weil sie wissen, dass wir sie hier nutzen. Ansonsten würden die meisten Sachen einfach irgendwo verstauben", meint Michael Castano, eines der Gründungsmitglieder des Vereins. Auch ein freier Internetzugang für Gäste, "Freifunk" genannt, verdeutlicht, dass man möglichst allen, die zu "vspace.one" kommen, die gleichen Voraussetzungen bieten will.

"Eine Art alternative Volkshochschule"

Dazu gehört auch der stetige Austausch untereinander. "Wir sehen uns als eine Art alternative Volkshochschule", beschreibt Max Noppel, die Grundidee des Vereins. Man wolle ein Treffpunkt sein, in dem man sich austauschen, an Projekten arbeiten und vor allem von einander lernen könne. "Ich habe schon früh mit dem Programmieren begonnen und mir alles selbst beigebracht. Schnell bin ich aber an meine Grenzen gestoßen – auch weil ich niemanden hatte, der mir hätte weiterhelfen können. Der Wissenstransfer über den Austausch im Space oder auch über Workshops sehe ich als eine der wichtigsten Aufgaben des Vereins", meint Noppel. Deshalb sei der Raum auch jeden Dienstagabend für alle, die Interesse haben, geöffnet. "Wichtig ist eigentlich nur, dass man Eigeninitiative zeigt und Dinge verstehen will", meint Michael Castano. Dienstleister ist man hingegen auf keinen Fall: "Wenn jemand kommt und seinen kaputten Laptop auf den Tisch stellt und meint, dass ihm jemand einfach so hilft, der hat die Idee des Space nicht verstanden", meint Max Noppel, der regelmäßig Anfragen zur Computerreparatur ablehnt. Vor allem neue Dinge zu lernen und an kreativen Lösungen zu arbeiten, treibt viele an, die in die Vereinsräume kommen. "Als es den Raum noch nicht gab, habe ich alleine Zuhause vor mich hin gebastelt. Oft habe ich Projekte einfach unfertig liegen lassen. Hier habe ich den Antrieb, Dinge fertig zu stellen, vor allem auch, weil ein fertiges Projekt hier auf jeden Fall wertgeschätzt wird," nennt Michael Castano einen der Gründe für die Vereinsgründung. Eines dieser Projekte ist beispielsweise eine, über das Netzwerk steuerbare Beleuchtung. Per virtuellem Schieberegler lassen sich so Farbe und verschiedene Farbwechsel-Modi einstellen. Das Projekt zeige auch, was die Arbeit im "vspace.one" ausmache. "Ich bin Medieninformatiker. An der Beleuchtung musste aber deutlich mehr getan werden, als nur zu programmieren. Ich habe die Steuerung und die LEDs gelötet und das Logo per Laser ausgeschnitten", skizziert Michael Castano, die verschiedenen technischen Bereiche, die er mit dem Projekt abgedeckt hat.

Hacker-Begriff immer noch negativ besetzt

Im "vspace.one" könne man so einen Ausgleich zu Arbeit oder Studium finden. "Ich sitze als Softwareentwickler eigentlich den ganzen Tag am PC, da ist es notwendig, mich abends auch mal mit ganz anderen Dingen zu beschäftigen", meint Max Noppel. Dass der Begriff Hacker in der Öffentlichkeit immer noch eine negative Konnotation besitzt, ist den Initiatoren von "vspace.one" durchaus bewusst: "Nicht ohne Grund haben wir den ›Maker‹ vor den ›Hacker‹ gestellt," stellt Noppel die Überlegungen bei der Bezeichnung der Räumlichkeiten dar. Das Bild des Hackers in der Öffentlichkeit sei aber in weiten Teilen falsch. "Für mich ist ein Hacker jemand, der bereits existierende Dinge auf kreative Art und Weise einem neuen, nicht dafür vorgesehenen Zweck zuführt. Das ist erstmal nichts Negatives. Im Kern geht es darum, zu verstehen wie Technologien funktionieren", beschreibt Noppel seine Sicht auf das Thema. Hacker würden sich grundsätzlich nicht nur auf Software beschränken, sondern auch beispielsweise Alltagsgegenstände entfremden und umfunktionieren. Ein Maker hingegen sei jemand, der Neues von Grund auf erschaffe.

Das nächste große Projekt des Vereins ist ein neuer Schließmechanismus, der das Öffnen der Eingangstüre unter anderem per App ermöglichen soll. Bis eine passende Lösung dafür gefunden ist, wird man sich wahrscheinlich noch die ein oder andere Nacht im diffusen Licht der LEDs um die Ohren schlagen.

Weitere Informationen: www.vspace.one twitter.com/vspaceone

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Cornelia Spitz

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