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Villingen-Schwenningen Alleinerziehende lebt Tür an Tür mit Drogendealern

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Es war der zeitliche Druck und die Tatsache, dass Laura von Hartz IV lebt, die dazu führten, dass sie ihre heutige Wohnung bei Ebay-Kleinanzeigen fand. (Symbolfoto) Foto: DedMityay, Jacob Lund – stock.adobe.com

Villingen-Schwenningen - Du bist 32 Jahre alt, hast eine zweieinhalb Jahre junge Tochter, eine abgeschlossene Berufsausbildung und stehst dennoch am Rande der Gesellschaft. So geht es momentan einer Frau aus Schwenningen, deren verzweifelte Wohnungssuche in der Nachbarschaft von Drogendealern und Kriminellen endete. Die ganze Geschichte lesen Sie in unserem (Schwabo plus)-Artikel.

Es ist morgens 8 Uhr, der süßliche Geruch von Marihuana zieht über den Etagenflur eines Wohnblocks und durch den schmalen Spalt unter der Tür in die Wohnung von Laura (Name von der Redaktion geändert).­ Die 32-Jährige lebt seit Dezember gemeinsam mit ihrer zweieinhalb Jahre jungen Tochter in der 30 Quadratmeter kleinen Ein-Zimmer-Wohnung. Ohne eigene Küche, ohne eigenes Bad und ohne eigene Toilette. Dafür aber Tür an Tür mit einem Drogendealer.

Die gelernte Restaurantfachfrau lebt seit 2016 in Schwenningen, arbeitete zuletzt jedoch im Büro eines ortsansässigen Unternehmens. Bis zur Trennung vom Vater ihrer Tochter im vergangenen September lebte die dreiköpfige Familie in einer gemeinsamen Wohnung. Zum 1. Dezember hatte Laura dann die neue Bleibe für sie und ihre Tochter gefunden.

Es war der zeitliche Druck und die Tatsache, dass Laura von Hartz IV lebt, die dazu führten, dass sie ihre heutige Wohnung bei Ebay-Kleinanzeigen fand. Nach nicht einmal mehr zwei Monaten weiß sie: "Das war ein Fehler. Aber ich habe nichts anderes gefunden, was ich mir leisten kann." Sie berichtet von zahlreichen Polizeieinsätzen wegen Gewalt, Brutalität und Drogen. "Bei uns gehen die Drogenkonsumenten ein und aus – zu jeder Tages- und Nachtzeit." Der Dealer, dessen Kunden offenbar zu jeder Zeit ins Gebäude gelangen können, wohnt direkt neben an.

Bereits Anzeige erstattet

Sie selbst habe schon eine Anzeige erstattet, das Delikt: "Beleidigung auf sexueller Grundlage nach Paragraf 185 Strafgesetzbuch". So ist es auf dem Dokument des Polizeireviers Schwenningen zu lesen, das sie uns vorlegt. Die Folge: Drohungen sämtlicher Bewohner des vierstöckigen Gebäudes und jüngst eine eingetretene Wohnungstür. Auch sie selbst sei schon zweimal angezeigt worden – "weil meine Tochter zu laut gelacht hat und sich ein anderer Mieter gestört fühlte", erzählt sie kopfschüttelnd.

Eigentlich ist es eher ein Wunder als eine Lärmbelästigung, dass die kleine Hanna (Name von der Redaktion geändert) überhaupt lachen kann. Denn das Umfeld, in dem das Mädchen momentan aufwächst, ist alles andere als kindgerecht. "Wir können die Gemeinschaftsküche auf der Etage überhaupt nicht nutzen. Ich traue mich nicht, mich dort mit meiner Tochter länger aufzuhalten." Eine Sondergenehmigung des Vermieters ermögliche es ihr, auf zwei Elektroherdplatten die Mahlzeiten für sich und ihre Tochter zuzubereiten.

Ein anderes Problem ist die Hygiene: Die Gemeinschaftstoilette und der Duschraum sind außerhalb des Gebäudes. Duschen könne sie dort nicht und wenn sie nachts zur Toilette muss, muss sie nicht nur die Wohnung, sondern auch das Haus verlassen, um in den Sanitärtrakt zu gelangen. "Wir haben das Glück, dass ich bei meiner Tante hier in Schwenningen duschen kann. So wie es bei uns aussieht, geh ich da nicht rein."

Laura betont immer wieder, dass sie aus einem geregelten Elternhaus kommt, aus ihrer Sicht unverschuldet in diese furchtbare Situation gerutscht ist und große Angst hat, dort nicht mehr so schnell raus zu kommen. Die junge Mutter ist mit der Situation und den drohenden Zukunftsaussichten sichtlich überfordert.

Bis Juli, so berichtet sie, sei sie noch in Elternzeit. Danach endet ihr bisheriger Arbeitsvertrag. Es droht weiterhin Hartz IV. "Die Kleine hat bis 2022 einen Platz zwischen 8 und 13.30 Uhr in einer Tagespflege. In dieser Zeit kann ich also arbeiten." Das Problem sei nur, dass das in ihrem gelernten Beruf nahezu aussichtslos ist. "Die regulären Schichten und die grundsätzlichen Arbeitszeiten in der Gastronomie passen nicht." Selbst bei Bäckern, bei denen sie sich um eine Anstellung als Verkäuferin beworben hat, kollidieren die unterschiedlichen Zeiten. "Wenn das so weitergeht, bin ich ab Juli arbeits- und wohnungslos."

Voller Verzweiflung

Denn für Laura ist klar: In dieser Unterkunft kann sie keinesfalls auf Dauer mit Hanna wohnen bleiben. "Eine Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnung mit etwa 60 Quadratmetern würde uns vollkommen ausreichen." Das sei auch das, was das Jobcenter der Tabelle nach finanziere. Beim Blick auf die besagte Tabelle ist jedoch zu lesen, dass sie 398 Euro Kaltmiete plus Nebenkosten von 67 bis 84 Euro –­ je nach Heizungsart – bezahlt bekommt. "Eine Wohnung für zwei Personen für weniger als 500 Euro Warmmiete ist momentan nicht zu bekommen", wirkt Laura ratlos.

In ihrer Verzweiflung hat sich die 32-Jährige auch an die Stadt Villingen-Schwenningen gewandt, ist bei der Wohnungsbaugesellschaft und beim Familienheim als wohnungssuchend registriert. Doch wie dem Schriftverkehr mit der Pressestelle der Stadt zu entnehmen ist, hat die Stadt "keinen eigenen Wohnraum mehr zur Verfügung" und kann deshalb momentan nicht helfen. Bekanntlich entsteht neuer, sozialer Wohnraum, wie zum Beispiel auf dem Gelände der Alten Ziegelei oder auch im Neubaugebiet Eschelen in Schwenningen. Doch diese Projekte sind eben noch in der Bauphase und keine kurzfristige Lösung für die Mutter und ihre Tochter.

Deshalb hofft Laura, dass sie so schnell wie möglich eine neue Unterkunft findet. Eine Wohnung in einer Umgebung, in der die junge Mutter und vor allem ihre Tochter nicht tagtäglich Gewalt, Brutalität und Kriminalität ausgesetzt sind. Das ist momentan ihr größter Wunsch.

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