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Villingen-Schwenningen Alle 19 Stolpersteine haben Paten

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Am 22. Oktober 1940 wurden elf jüdische Villinger mit jeweils 50 Kilogramm Gepäck von ­Beamten in Polizeibegleitung aus ihren Wohnungen geholt und zum Bahnhof gebracht. Ihrer Deportation ins südfranzösische Gurs gedachten am Jahrestag rund 35 Menschen vor dem Mahnmal. Mitglieder des Vereins Pro-Stolpersteine VS verlesen ihre tatsächlichen Briefe und vom Vorsitzenden Friedrich Engelke geschriebene fiktive Schreiben. Gabriele Lee-Engelke entzündet ­Kerzen. Foto: Heinig Foto: Schwarzwälder Bote

Nicht müde werden die inzwischen fast 50 Mitglieder des Vereins Pro Stolpersteine VS im Kampf darum, die 19 bereits in ihrem Besitz befindlichen Stolpersteine zum Gedenken von NS-Opfern doch noch in städtisches Pflaster einzubetten.

VS-Villingen. Deutlich wurde der ungebrochene Wille auch nach zwei Ablehnungen des Kunstprojektes durch den Gemeinderat zuletzt bei der Mitgliederversammlung am Montagabend im Martin-Luther-Haus. Alle 19 Stolpersteine haben inzwischen einen Paten.

Der 75-jährige Vorsitzende Friedrich Engelke blickte auf ein aktionsreiches Jahr zurück. Kontakte mit der jüdischen Nachfahrin Silvia Aberle wurden vertieft, die noch bis 28. Oktober im Kreuzgang des Franziskaners zu sehende Ausstellung "Ich kam als Gast in euer Land gereist…" wurde konzipiert und eine neue, 52-seitige Vereinsbroschüre mit Schicksalen von NS-Opfern herausgegeben. Letztere sei allen Gemeinderäte ausgehändigt worden, berichtete Engelke.

Aufgrund eines Erbes kann sich Schatzmeister Raphael Pferrer über eine gut gefüllte Kasse freuen, die er im Berichtsjahr zudem mit einem kleinen Plus abschließen konnte. Vor den Wahlen lobte Heinz Lörcher, zusammen mit Theo Leute stellvertretender Vorsitzender, Engelkes Engagement. "Bewundernswert" sei, wie viel Zeit und Energie der Vorsitzende in die Aufarbeitung der Vergangenheit stecke. Alle vier genannten Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt.

Die Mahnwache kurz vor der Mitgliederversammlung auf dem Bahnhofsvorplatz zum Gedenken der jüdischen Villinger, die 1940 nach Gurs deportiert wurden, war der Auftakt für die jetzt wieder sonntagsabends, 19 Uhr, stattfindenden Gedenkfeiern. Am 11. November wird auf dem Münsterplatz Josef Heid gedacht. Am 18. November geht es auf dem Muslenplatz um Schwenninger Juden in der NS-Zeit und am 25. November steht auf dem Münsterplatz Marian Lewicki im Mittelpunkt.

Opfer sexueller Verfolgung

Im Dezember und Januar finden je drei weitere Mahnwachen statt: Am 2. Dezember – aufgrund des Villinger Weihnachtsmarktes auf dem Latschariplatz – wird die Geschichte der Geschwister Boss in Erinnerung gerufen, am 9. Dezember widmet sich die Mahnwache auf dem Muslenplatz den Opfern politischer Verfolgung und am 16. Dezember geht es auf dem Münsterplatz um Lothar Rothschild.

Zum ersten Mal erfährt man am 13. Januar auf dem ­Münsterplatz etwas über ­Opfer sexueller Verfolgung in dieser Zeit, am 20. Januar werden "stille Helden" aus der evangelischen Kirchengemeinde Schwenningen auf dem Muslenplatz vorgestellt, und die Zeit der Mahnwachen endet am 27. Januar auf dem Münsterplatz, am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz.

In einem Ausblick gab Friedrich Engelke zudem den Plan bekannt, wieder einmal an einen Runden Tisch zu laden und hofft dabei auf ­Zusagen aus dem Gemeinderat.

Außerdem werde er im Februar vor einem Kongress der Koordinierungsstelle Stolpersteine und dem Zentrum für Zeithistorische Forschung in Berlin einen Vortrag halten mit dem Titel "Demokratisch abgewählt – Geschichte aus der Provinz". Geplant sei außerdem in Kooperation mit dem Franziskanermuseum eine Ausstellung über den Widerstand gegen Hitler und seinen Nationalsozialismus.

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