Mundart: Bärbel Brüderle erklärt den Villinger Dialekt

VS-Villingen. "Dialekt macht nicht nur Spaß, er ist auch für was gut." Bärbel Brüderle, Vorsitzende der Muettersproch-G’sellschaft Villingen, bricht eine Lanze für die Mundart und der Schwarz­wälder Bote hilft ihr dabei. Wir erklären in unregelmäßigen Abständen Villinger Ausdrücke.

In der 69. Folge dieser Serie geht es um Höflichkeitsformeln und -floskeln.

Schon früher gab es einige Höflichkeitsformeln für verschiedene Lebenslagen. Heute sieht man besonders bei kleinen Missgeschicken eher davon ab, man ignoriert sie, nimmt sie somit gar nicht erst zur Kenntnis.

Scherben bringen Glück

Musste jemand niesen, sagte man zum Beispiel Wohl bekomms!, Gesundheit! oder aber auch mal Helf dr Gott in e Rehfiddle, no kunnsch im ganze Wald umenand!

Ließ man etwas fallen, das womöglich dann zu Bruch ging, hieß es zum Trost: Das macht doch nichts, Scherben bringen Glück!, oder eher spöttisch: Loss liege, des tritt sich fescht! Sollte mal eine Blähung entweichen, wurde manchmal Martin Luther zitiert: Ja, ja, aus einem verzagten Arsch fährt kein fröhlicher Furz!

Furt demit, wa ko Miiete zahlt!, könnte man aber auch hören. In Coronazeiten ist so ein Darmwind aber inzwischen ein guter Abstandhalter, zum Beispiel im Bau-, oder Supermarkt, wie mir mein Enkel erklärte: Weisch Oma, wenn mer des rieche kann, dann steht mer zu eng in de Reihe, wenn mer des höre kann, aber au!

Im Gedränge jemanden ­anrempeln, kommt ja zur Zeit auch eher selten vor. Da heißt es dann zum Beispiel: Oh Pardon!, oder Ich bitte um Entschuldigung! Hab ich ihnen weh getan?

Mein Spruch in diesem Fall ist: Nu ko Angscht, bi mir gits jedefalls kone blaue Flecke! Etwas sollte man mittlerweile nie vergessen, beim Abschied immer sagen: Also Adjö, un blieb mer au gsund!