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Villingen-Schwenningen 56-Jähriger steht nach Brand vor dem Nichts

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Inmitten der Unordnung seiner zerstörten Einrichtung versucht Mieter Axel Kluge seine derzeitige Situation zu realisieren. Die Fachfirma hat bereits erste Trocknungsgeräte in der Wohnung platziert. Foto: Eich

Villingen-Schwenningen - Eine Woche nach dem Brand in dem Mehrfamilienhaus in der Dattenbergstraße in Villingen beginnen dort die Aufräumarbeiten. Dabei wird klar: Die fünfköpfige Familie ist längst nicht das einzige Opfer. Warum ein 56-jähriger Mieter vermutlich auf dem Schaden sitzen bleibt, lesen Sie in unserem (Schwabo plus)-Artikel.

Es ist der siebte Tag nach dem Brand an Neujahr, als Axel Kluge das erste Mal seine Wohnung im Erdgeschoss des Villinger Mehrfamilienhauses betritt. Ein Stockwerk darüber war kurz vor Mitternacht ein Feuer ausgebrochen, der die Bleibe einer fünfköpfigen Familie größtenteils zerstörte.

Der 56-Jährige wagt zunächst einen vorsichtigen Blick in das Wohnzimmer, in dem sich der aufgequillte Boden wällt. Sein Blick gleitet über die Decke, die vom Löschwasser angegriffen wurde, teilweise bröckelt von dort der Putz. Die Einrichtung ist sowohl von Rauch als auch von Wasser durchsetzt.

Neujahrstag nichtsahnend in Klinik verbracht

Schnell wird klar: Das meiste hier drin ist unbrauchbar geworden. "Das wird wohl alles im Müll verschwinden", sagt er schnaufend – schwer gezeichnet von seiner Lungenkrankheit. Axel Kluge setzt sich an seinen Schreibtisch, fängt zunächst an, zu rettende Habseligkeiten auszusortieren – dann bricht die Verzweiflung aus ihm heraus. "Das ist mein Leben, jetzt ist alles am Arsch", sagt er unter Tränen.

Zeitsprung. Es ist Silvester, als der Alleinstehende in seiner Wohnung plötzlich einen starken Asthmaanfall und eine Panikattacke bekommt. "Ich habe gedacht, es ist vorbei", dachte der 56-Jährige – ohne zu wissen, dass der Anfall ihn möglicherweise vor etwas Schlimmeren bewahrte.­ Kluge kommt mit dem Rettungsdienst ins Klinikum, wird in die Lungenfachabteilung nach Donaueschingen verlegt. Nichtsahnend verbringt er dort den Neujahrstag, als er am Tag darauf von dem Brand in seinem Haus erfährt und sofort seinen Bruder Lutz Kluge informiert.

Es tropft von der Decke

Dieser geht daraufhin in die Wohnung, um zumindest wichtige Unterlagen daraus zu holen. "Plötzlich tropfte es von der Decke", berichtet der Bruder im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Immer mehr Wasser dringt von der darüberliegenden Brandwohnung durch die Decke und zerstört die Einrichtung von Axel Kluge. "Ich hatte Angst, dass mir die Decke auf den Kopf fällt und bin dann gleich wieder ins Treppenhaus geflüchtet." Zumindest einige Unterlagen und eine bedeutsame Plattensammlung kann er noch retten.

Jetzt, einige Tage später, ist der Großteil der Einrichtung und er persönlichen Gegenstände aufgrund der Rauchbelastung und des Wassers nicht mehr zu gebrauchen. Gemeinsam mit dem Besitzer des Hauses und einer Spezialfirma, die sich um die ersten Nottrocknungs- und Reinigungsmaßnahmen kümmert, besprechen die Brüder die Situation. "Das muss man alles wegschmeißen", so Lutz ­Kluge.

Kommt Versicherung für Schäden auf?

Sein Bruder muss derweil die Frage, ob er denn eine Hausratversicherung habe, die für solche Schäden aufkommt, verneinen. "Im Januar wollte ich eigentlich eine abschließen", sagt der 56-Jährige. Jetzt, so befürchtet er, wird er auf dem Schaden sitzen bleiben – sofern die Haftpflichtversicherung der Familie, in der der Brand ausgebrochen ist, nicht einspringt.

Und wie sieht es mit einer Bleibe aus? "Momentan bin ich noch im Krankenhaus, dann muss ich ein paar Tage bei meiner Mutter überbrücken", so Axel Kluge. Anschließend werde es für ihn in Reha gehen. Dies dürfte ein fast glücklicher Umstand sein, muss sich der lungenkranke Mann doch nicht gleich um eine Unterkunft kümmern. Wie es anschließend weiter geht, steht bislang aber noch in den Sternen.

Zwar versichert der Eigentümer im Gespräch vor Ort, dass er unverzüglich mit den Sanierungsarbeiten beginnt – doch wann diese beendet werden können, ist bislang nicht absehbar. Denn auch die Versicherung muss in dieser Sache noch ein Wörtchen mitreden.

Blick in ungewisse Zukunft

Axel Kluge blickt deshalb zunächst in eine ungewisse Zukunft – schließlich gibt es die Wohnung inklusive Einrichtung, in der er seit über 25 Jahren lebt, in dieser Form nicht mehr. "Aber das wird schon wieder werden", sagt der 56-Jährige – nun wieder gefasst. Denn der Mieter des Mehrfamilienhauses will sich auch nicht ausmalen, was gewesen wäre, wenn er zum Zeitpunkt des Brandausbruchs daheim gewesen wäre. Insbesondere angesichts seiner gesundheitlichen Lage.

Jetzt aber möchte er nach vorne blicken. Noch während er einige Dinge aus der Wohnung schafft, stellen Handwerker die Trocknungsgeräte auf. In den kommenden Wochen muss Kluge schauen, wie er die Wohnung wieder eingerichtet bekommt. "Ich habe ja noch ein bisschen Zeit, Rom hat man auch nicht an einem Tag erbaut."

Die polizeilichen Ermittlungen zu der Brandursache sind derweil nach Angaben von Polizeisprecher Dieter Popp abgeschlossen, nachdem am Dienstag die Kriminaltechnik nochmals die betroffene Wohnung untersucht hatte. Hierbei habe sich der Anfangsverdacht bestätigt. Demnach hat eine defekte Weihnachtsbeleuchtung im Fenster des Wohnzimmers zunächst die Gardine in Brand gesetzt. Das Feuer griff anschließend schnell auf weitere Teile der Inneneinrichtung über und sorgte so für großen Sachschaden.

Derzeit ist die Brandwohnung und sowohl die darunterliegende Wohnung von Axel Kluge, als auch die darüberliegende Wohnung, die derzeit leer ist, nicht mehr bewohnbar. Die betroffene fünfköpfige Familie lebt momentan in einer Notunterkunft. Der DRK-Ortsverein nimmt Spenden für die Familie entgegen.

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