Der Kirchenraum als Lebensmittellager: Doris Maier, Barbara Klaiber und Renate Schäfer-Tatan (von links) befüllen am Samstag noch einmal große Vespertüten. Foto: Trenkle Foto: Schwarzwälder Bote

Soziales: Evangelisch-methodistische Gemeinde zieht positives Fazit nach Vespertütenaktion

"Wir sind froh, dass alles so geklappt hat, wie wir uns das im Januar vorstellten", bilanziert Hans-Ulrich Hofmann. Der leitende Pastor der evangelisch-methodistischen Kirche Schwenningen zieht ein positives Fazit zum Abschluss der "Vespertütenaktion" vom 23. Januar bis zum 13. Februar.

VS-Schwenningen. Ohne das Coronavirus wäre die kleine Pauluskirche der evangelischen Kirchengemeinde Schwenningen in dieser Zeit wieder zu einem Mittelpunkt der Unterstützung für bedürftige Menschen geworden. Für tausende sozial Schwache hätte es im ausgeräumten Kirchenschiff ein warmes Mittagessen und anschließend Kaffee und Kuchen gegeben. Vermutlich auch wieder ein Kulturprogramm.

Doch die 18. Vesperkirche musste abgesagt werden. Mit einem feierlichen Abschlussgottesdienst in der evangelischen Stadtkirche, in welcher seit 7. Februar wieder Präsenz-Gottesdienste stattfinden dürfen, konnte am Sonntag dennoch die diesjährige Vesperkirchen-Aktion beendet werden. Denn sie fiel nicht ganz aus: Die evangelisch-methodistische Kirche bot mit einer vierwöchigen fantasievollen Hilfsaktion einen Ausgleich mit anderen Mitteln.

Rund 45 Helferinnen und Helfer waren wöchentlich im Einsatz

Auch ehrenamtliche Unterstützer der evangelischen Kirche halfen in der Friedenskirche mit. "Wir sind froh, dass wir uns gemeinsam im Spätherbst durch die wieder steigenden Infektionszahlen entschieden haben, die Vesperkirche in ihrer gewohnten Form ausfallen zu lassen", so Hans-Ulrich Hofmann. Stattdessen keimte die Idee auf, die sonst für einen symbolischen Euro servierten Essen durch Vespertüten zu ersetzen, welche von hilfsbedürftigen Menschen in der Friedenskirche abgeholt oder zu diesen nach Hause gebracht würden.

Der Einfall konnte sehr gut umgesetzt werden: Vier Wochen lang an jedem Samstag waren rund 45 Helferinnen und Helfer im Einsatz. Coronaregelkonform hielten sie Abstand und teilten sich die notwendige Arbeit auf. Manche gingen in einem nahegelegenen Discounter einkaufen und brachten große Mengen an Grundnahrungsmitteln in den Kirchenraum der August-Reitz-Straße 22. Andere verpackten diese ausgewogen in große Taschen.

Wiederum weitere Ehrenamtliche fuhren sie im Raum Villingen-Schwenningen zu den bedürftigen Menschen und stellten ihnen die rund acht bis zehn Kilogramm schweren Geschenke mit einem Wert von jeweils rund 15 bis 20 Euro mit einem herzlichen Gruß vor die Türe. Um das Ganze überhaupt zu ermöglichen, bedurfte es auch ehrenamtlichen Kräften, welche Anrufe von hilfebedürftigen Einzelpersonen oder ganzen Familien entgegen nahmen. Und: Es brauchte Geld. Erst die zahlreichen Spender ermöglichten die Umsetzung der Idee.

Die Summe, welche auf dem eingerichteten Spendenkonto der Gemeinde einging, ermöglichte den Kauf der Lebensmittel. Zwar unterstützte der Discounter durch Vorsortierung den Einkauf, billiger erhielt die Aktion allerdings die Nahrungsmittel nicht. Nur Bad Dürrheimer Mineralbrunnen unterstützte das Projekt durch eine große Menge kostenloser Getränke. Eine besonders eindrückliche Spende erhielt die Gemeinde durch den aus Syrien stammenden Schneider Samo aus der Alleenstraße. Er fertigte kostenlos inzwischen rund 200 der stabilen Textiltaschen, mit welchen Plastiktüten des Discounters ersetzt werden konnten.

Vesperkirche-Plus bleibt als Tüte bestehen

"Die bedürftigen Menschen sind so dankbar", erläutert die ehrenamtliche Helferin Cornelia Knappik im Gespräch mit unserer Zeitung, während sie eine weitere dieser großen Taschen füllt. Die Menschen freuten sich merklich über das Geschenk einer persönlich vorbeigebrachten Tasche voller Nahrungsmittel hinaus durch eine, in der Corona-Isolation besonders auch persönlichen Ansprache – die Abstandsregeln bremsten dies nicht aus. "Wir achten darauf", so Pastor Hans-Ulrich Hofmann, "dass meist die gleichen Helfenden die Menschen besuchen" und so auch eine kleine persönliche Bindung entstehe.

Am 13. Februar und damit am letzten Samstag der Vespertüten-Aktion verteilten die Ehrenamtlichen mit Unterstützung der Vesperkirchen-Helfer aus der Pauluskirche 114 Vespertüten. Damit kamen nunmehr im Gesamten 360 Tüten zusammen. Der Begriff ist eigentlich untertreibend irreführend, denn die "Tüten" sind ausgewachsene, eng befüllte, durchaus schwer zu schleppende Taschen.

Ganz beendet wird die Vesperkirchen-Aktion wie in jedem Jahr auch diesmal nicht sein. Denn die "Vesperkirche-Plus" wird weiter existieren. Entstanden ist sie 2014 aus der Zusammenarbeit der evangelischen und evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde der Vesperkirche. Die Idee stammte einst von Pastor Hans-Ulrich Hofmann: Jeden letzten Samstag im Monat gibt es in der Friedenskirche ein Essen für Bedürftige. Bis zu 150 Menschen kommen da jeweils zusammen und können zum Preis von einem Euro essen, wenn der Geldbeutel leer ist. Unterstützung findet das Projekt, wie in der Vesperkirche auch, durch sogenannte "Solidar-Esser", welche mit dabei sind und mindestens fünf Euro zahlen oder das Projekt anderweitig unterstützen. Vorerst ist coronabedingt das gemeinsame Essen nicht möglich, wohl aber die weitere Ausgabe von Essenstüten.

Über das ganze Jahr hinweg wird es in der evangelisch-methodistischen Friedenskirche wieder die "Vesperkirche-Plus" geben. Vorerst kann coronabedingt aber nur eine Vespertüte ausgegeben werden. Um Hilfe zu erhalten, ist ein Anruf beim Kontakt-Telefon unter der Nummer 0157/38 14 50 04 der Vesperkirche-Plus notwendig. Dort muss Name, Adresse und Telefonnummer hinterlassen werden. Unterstützen kann man die Aktion durch Spenden mit dem Hinweis "Vesperkirche-Plus" über die Bankverbindung der evangelisch-methodistischen Kirche.

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