Freizeit: Villingen öffnet Türme und Tore für eine noch nie dagewesene neue Stadtführung
Mit den Worten "Ich heiße Sie herzlich willkommen zu unserem neuesten Highlight", eröffnete Oberbürgermeister Jürgen Roth die erste Türme und Tore-Tour in Villingen. Die Führung, die ab Anfang Juli für jedermann frei buchbar ist, blickt hinter die Kulissen der vielen Villinger Türme und Tore.
VS-Villingen. "Es wird viele Villinger geben, die bei dem Spaß mitmachen, denn eine normale Stadtführung ist das eine, aber eine Tour durch bislang verschlossene Tore ist etwas anderes", zeigt sich der OB begeistert. Und auch Schwenninger würde sie bestimmt anziehen, denn dort gibt "es nicht so viele Türme", schmunzelt Roth. Und dann beginnt die Tour auch schon. Mit den Worten "I ben d’ Obertorwart Hironimus, Xaver, Valentin, Fidel, Engelbert Schupp, aber saget Fidel zu mir", beginnt der Türmer "Fidel", eigentlich Stadtführer Klaus Richter, die Tour.
Zunächst geht es in das Obere Tor. "Das Obere als höchster Torturm der Stadt war Teil der historischen Stadtmauer und sicherte den Zugang nach Norden", erzählt Richter leidenschaftlich. Das Besondere am Oberen Tor ist sicherlich die Arrestzelle im zweiten Stock. "Auf vier Quadratmetern waren oft zeitgleich fünf Häftlinge, die auf ihre Verurteilung gewartet haben", informiert Richter. Interessant zu sehen ist es, wie teils Jahrhunderte alte Einritzungen der Häftlinge immer noch zu sehen sind.
Nach dem Oberen Tor geht es auch schon weiter in den 39 Meter hohen Romäusturm, aus dem der berühmt berüchtigte Lokalheld Romäus 1497 ausbrach und sich so unsterblich machte. "Unvorstellbar eigentlich, wenn man in die acht Meter tiefe Zelle hineinblickt", witzelt Stadtführer Klaus Richter. Oben angelangt im Romäusturm hat man dann einen wunderschönen Blick über Villingen. "So hat man Villingen noch nicht gesehen", schwärmt der Stadtführer.
Nach dem Romäusturm geht es dann über das Pulvertürmle, welches zur Lagerung von Munition und Schießpulver genutzt wurde, in den Turm der Johanneskirche. Der Aufstieg in den Turm ist teils eine echte körperliche Meisterleistung, denn man muss streckenweise unter 1,50 Meter tiefen Decken "durchkrabbeln", um dann auf engstem Raum zwischen den Glocken des Turms zu stehen. Während der gesamten Führung erzählt "Fidel" einige interessante Geschichten und Anekdoten zu den verschiedenen Toren und Türmen.
Das man die Tour überhaupt sicherheitstechnisch durchführen kann, liegt an der aufwendigen und teuren Ertüchtigung der Türme. So wurden für 16 373,14 Euro Trittstufen und Treppengeländer eingebaut, die Holzböden wurden statisch stabilisiert, Stolperfallen wurden entfernt und Absturzsicherungen hinzugefügt. Des Weiteren wurde für 4800 Euro Taubenkot in den Türmen entfernt.
Möglich gemacht habe das alles der Förderzuschuss PS-Sparen der Sparkasse Schwarzwald-Baar in Höhe von 11 200 Euro sowie eine Sachspende der Stadtführer über 3500 Euro. Doch der ganze Aufwand lohnt sich für diese spektakuläre Tour durch die Türme Villingens.