Bei der Sanierung der Stadtmauer ist noch kein Ende in Sicht. Villingens größtes Denkmal wird die Verwaltung mindestens bis in das Jahr 2037 beschäftigen. Die Stadträte haben nun Arbeiten für die zunächst dringendsten Abschnitte abgesegnet.
Mehrere Abschnitte der Villinger Stadtmauer – eine der best erhaltenen Wehranlagen in Süddeutschland – sind bereits saniert worden. Doch ein Ende der dringend notwendigen Maßnahmen ist noch nicht in Sicht. Die Stadträte haben die Priorisierung für weitere Sanierungsabschnitte festgelegt.
Nachdem im Jahr 2011 ein erstes Gutachten den Auftakt der umfangreichen Arbeiten markierte, zeigte ein neuerlicher Rundgang 2020, dass sich der Zustand in mehreren Abschnitten weiter drastisch verschlechtert hat. Bröckelnder Mörtel und lockere Steine, Schäden durch Feuchtigkeit sowie Bewuchs und darüber hinaus drohende Mauereinstürze sorgen für Handlungsbedarf. Schnelligkeit ist insbesondere in stark frequentierten Bereichen geboten.
Zwölf Abschnitte sind bereits saniert worden, weitere elf sind nun von der Stadtverwaltung für die geplanten Arbeiten bis 2037 priorisiert worden – mit Gesamtkosten von rund 3,7 Millionen Euro. In diesem Jahr soll zunächst der Abschnitt im Bereich des Gymnasiums am Romäusring beendet werden.
An der Klosterringschule geht’s weiter
Im kommenden Jahr sollen weitere Arbeiten an der Klosterringschule stattfinden. Dort sind starke Feuchtigkeitsschäden festgestellt worden. Aufgrund einer möglichen Gefahr für die Schüler will man hier schnell handeln. 2027 soll rund um das Franziskanermuseum saniert werden, 2028 ist der Klosterring dran (Abschnitt Nordost), im Bereich der Turnhalle der Karl-Brachat-Realschule finden 2029 Maßnahmen statt, der Spitalgarten ist 2030 dran und am Kaiserring – Bereich Pulverturm und Sparkasse – sollen die Arbeiten 2031 in Angriff genommen werden.
Weiter gehen soll es 2032 südlich des Kaiserturms, im darauffolgenden Jahr im Bereich des ehemaligen Landratsamtes, dann am Zeughaus, 2036 am Foyer des Franziskanermuseums und 2037 steht der Abschnitt an der Pforte des Romäusturms auf dem Plan.
Langfristige Planung wegen Fördermitteln
Dass die Stadtverwaltung schon jetzt so weit im Voraus plant, hängt auch mit den Zuschüssen aus Denkmalförderprogrammen des Landes sowie der Deutschen Denkmal-Stiftung zusammen. Diese Mittel sind nach Angaben der Verwaltung aber an die kontinuierliche und planmäßige Durchführung der Restaurierungen gebunden.
Sollte das Projekt nicht mit der nötigen Konsequenz umgesetzt werden, könnte die Stadt zukünftige Förderungen verlieren. Ein frühzeitiger Beschluss ist daher entscheidend, um die Sanierung nicht allein aus kommunalen Haushaltsmitteln stemmen zu müssen.
Zustimmung von allen Fraktionen
Die geplante Sanierung der Stadtmauer stieß bei allen Fraktionen im Gemeinderat auf breite Zustimmung. Dietmar Wildi (CDU) betonte, wie wichtig es sei, dass die Sanierung fortgesetzt werde: „Es ist wichtig, dass die Mauer saniert wird und dass wir dranbleiben.“ Auch eine Beleuchtung der Mauer bringe sowohl optisch als auch funktionell einen großen Mehrwert. Innerhalb seiner Fraktion sei lediglich diskutiert worden, ob sich das Projekt nicht haushalterisch etwas strecken ließe.
Andreas Flöß (Freie Wähler) sprach von einer „Riesen-Erfolgsgeschichte“. Die gewählte Herangehensweise habe dazu beigetragen, einen Sanierungsstau zu vermeiden. Auch wenn sich das Projekt über viele Jahre ziehe, sei das aus seiner Sicht zweitrangig: „Es dauert zwar 13, 14 Jahre, aber das ist eigentlich egal.“ Martin Rothweiler (AfD) erklärte, seine Fraktion vertraue darauf, dass die Prioritäten bei der Sanierung sachgerecht gesetzt würden: „Wir verlassen uns darauf, dass die Prioritäten so gesetzt werden, wie es notwendig ist.“
Ulrike Salat (Grüne) unterstrich den identitätsstiftenden Wert der Stadtmauer: „Wir sind alle stolz auf unsere Stadtmauer.“ Was man habe, müsse man auch bewahren. Auch Bernd Lohmiller (SPD) zeigte Vertrauen in die Expertise der Fachleute und betonte, dass diese am besten wüssten, wie die Priorisierung erfolgen solle. Michael Steiger (FDP) hob die repräsentative Wirkung hervor: „Man kann schon zeigen, was man hat.“ Die Anlage sei zudem ein „schöner Blickfang“.