Die Stadt will die Villa Schierenberg und die Tennisanlage mit einer Konzeptvergabe entwickeln. Im Gemeinderat entstand eine Diskussion darüber, ob „Tafelsilber“ verscherbelt wird.
Oberbürgermeister Adrian Sonder wiederholte es gebetsmühlenartig: „Was heute hier in diesem Beschlussvorschlag steht, ist kein Ergebnis. Wir wollen uns auf den Weg machen.“ Gemeinderätin Anita Zirz (SPD) sah darin nur eine Floskel. „Die Stadt will das Gelände verkaufen. Das ist Fakt. Sonst brauche ich keine Konzeptvergabe.“
Worum es geht: Die Stadt will nach Jahren endlich Bewegung in die Entwicklung ihrer Liegenschaft Schierenberg in der Lauterbadstraße/Palmenwaldstraße bringen – mit einer Konzeptvergabe, die die Villa Schierenberg samt der Flächen inklusive Tennisanlage beinhaltet.
Das Gelände beschäftigt die Stadt schon lange. „Das war schon vor meiner und Herr Sonders Zeit auf dem Tableau“, sagte Thomas Gärtner, Leiter des Amts für Stadtentwicklung, der aber wusste: „Das Gebäude hat hier in Freudenstadt eine ganz besondere Bedeutung.“
Zirz erinnerte an den Begriff „Tafelsilber“, der in der Vergangenheit von Gemeinderäten für das Haus verwendet worden sei – und die Formulierung: „Tafelsilber verscherbelt man nicht.“ Von Sonder wollte sie wissen, ob die Konzeptvergabe mit einem Verkauf verbunden sei.
„Ich denke, es ist gut, dass Presse dabei ist“
Der OB wollte sich zum Begriff „Tafelsilber“ in Bezug auf das Gebäude bedeckt halten. „Tafelsilber sind für mich auch Schulen.“ Auf Zirz’ Frage antwortete er, was er bereits anfangs betont hatte: „Wir definieren heute kein Ergebnis. Wir machen heute keinen Beschlussvorschlag für einen Verkauf. Punkt.“ Zirz sagte daraufhin: „Ich denke, es ist gut, dass Presse dabei ist.“
Die Presse zitiert aus der Sitzungsvorlage: „Bei der Konzeptvergabe werden die Immobilien nicht an den Meistbietenden vergeben, sondern es wird ein ‚Wettbewerb der Ideen‘ initiiert, an dem sich verschiedene Akteure beteiligen können. Ein Bewertungsausschuss wählt aus den eingereichten Bewerbungen das beste Projekt aus, das zuständige Gremium beschließt die Vergabe.“
Die Liegenschaft werde nicht sofort verkauft, sondern der obsiegende Bewerber erhalte auf Basis seines Konzeptes und des Preisangebotes eine zeitlich begrenzte Reservierung. Mit der Konzeptvergabe würden die Leitlinien zur Veräußerung vordefiniert, heißt es weiter.
Architekturbüro betreut Verfahren
Die Verfahrensbetreuung der Konzeptvergabe übernimmt das Architekturbüro Thiele aus Freiburg. Hierfür plant die Stadt mit Kosten von 20 137 Euro. Friedrich Wolf (FWV) bat darum, den Gemeinderat zu informieren, wenn der Kostenrahmen gesprengt werde, was Sonder zusagte. Stefan Langrehr (CDU) erinnerte daran, dass ein Gestaltungsbeirat gegründet worden sei, der allerdings noch nie zusammengefunden habe. Er bat darum, diesen einzubeziehen, was Sonder ebenfalls aufnahm.
Frieder Schuler (FWV) regte an, auch eine getrennte Nutzung von Haus und Gelände nicht auszuschließen. Elisabeth Gebele (BA-Grüne) konnte sich mit dem Beschlussvorschlag gut abfinden. Eine Ausgewogenheit von Nähe und Distanz sei wichtig – während sie bei der Nähe Ur-Freudenstädter und den Tennisclub nannte, sah sie Distanz auch durch den OB gewährleistet, der „noch nicht so lange“ am Projekt dran sei. Wichtig sei ihr, dass der Gemeinderat die Karten in der Hand habe: „Die Entscheidung nimmt uns keiner ab.“
Auf der Suche nach einer Definition
Am Ende der Diskussion kam Zirz noch mal auf das „Tafelsilber“ zurück. Schon vor drei Jahren habe ihre Fraktion gefordert, der Gemeinderat solle den Begriff konkretisieren, da er inflationär verwendet werde. „Wir haben ja noch ein bisschen Zeit in der Legislaturperiode, uns auf eine Definition zu einigen“, antwortete Sonder.
Bei zwei Enthaltungen stimmte der Gemeinderat für den Beschlussvorschlag, das Architektenbüro mit der Verfahrensbetreuung der Konzeptvergabe zu betrauen.