Die beiden deutschen Vorspringer Philipp Raimund (li.) und Felix Hoffmann. Foto: Imago/Oryk HAIST

Die Krise der Altmeister bei der Vierschanzentournee verschärft nach Meinung unseres Autors Jochen Klingovsky das Dilemma des deutschen Skispringens: Es fehlt an Top-Talenten.

Fans, die länger dabei sind, werden sich erinnern: Es gab bei der Vierschanzentournee auch mal deutsche Helden-Geschichten. Die beiden letzten Kapitel handeln von Jens Weißflog, der 1996 zum ersten Vierfach-Sieger wurde, und Sven Hannawald, der als Erster auf allen vier Schanzen triumphierte – das ist fast ein Vierteljahrhundert her. Die schlechte Nachricht: Bis zur Fortschreibung des Epos könnte viel Zeit vergehen.

 

Dem deutschen Skispringen fehlte es zuletzt nicht an Erfolgen: Andreas Wellinger wurde Olympiasieger (2018), Markus Eisenbichler Dreifach-Weltmeister (2019), Karl Geiger Skiflug-Weltmeister (2020). Dazu kamen etliche Team-Titel, die zeigten: Es gab immer mehr als nur einen oder zwei Weltklasse-Athleten. Das hat sich nun geändert.

Es gibt keinen deutschen Siegspringer

Auf der großen Tournee-Bühne spielten andere die Hauptrolle. Der famose Sieger Domen Prevc (Slowenien) und Ren Nikaido (Japan), der in Innsbruck siegte. Oder die Österreicher um Bischofshofen-Tagessieger Daniel Tschofenig und Garmisch-Schanzenrekordler Stephan Embacher. Die Deutschen Felix Hoffmann (6.) und Philipp Raimund (8.) haben das Schauspiel mit starken Auftritten bereichert. Siegspringer sind sie weiterhin nicht – dafür zwei Athleten, die die ganze Last tragen.

Pius Paschke, Andreas Wellinger, Karl Geiger (v. li.): Reicht es für den zweiten Durchgang? Foto: Imago/Sven Simon

Für Andreas Wellinger, Karl Geiger und Pius Paschke ist es aktuell schon ein großer Erfolg, wenn sie sich für den zweiten Durchgang qualifizieren. Auch weil die neuen Anzüge, deren Maße nun schärfer kontrolliert werden, weniger Auftrieb bieten, stürzen die Altmeister regelmäßig ab. Ob das Trio noch einmal die Kurve kriegt? Ist offen. Wie auch die Antwort auf die Frage, wer in einem Monat bei den Olympischen Spielen startet.

Denn zugleich gibt es in der zweiten Reihe niemanden, der einspringen könnte. Der akute Mangel an Top-Talenten ist schon länger bekannt, nun wird er mehr und mehr zum Problem. Und eines offensichtlich: Ein neuer deutscher Skisprung-Held ist nicht in Sicht.