Karl Geiger: Was bringt die Tournee? Foto: Imago/Newspix

Der Skispringer hat nach seinem Absturz beim Weltcup in Wisla eine dreiwöchige Trainingsphase eingelegt – und will nun in Oberstdorf den Weg aus der Krise finden.

Es gab sicher schon Presserunden, die Karl Geiger (32) mehr Spaß gemacht haben. Denn am Samstagabend ging es im Hotel Sonnenbichl in Fischen, wo die deutschen Skispringer vor dem Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf untergebracht sind, nicht um Sieg- oder Podestchancen des fünfmaligen Weltmeisters. Sondern um eine ganz andere Herausforderung.

 

Vor drei Wochen beim Weltcup im polnischen Wisla erlebte Karl Geiger den Tiefpunkt einer schon bis dahin schlechten Saison. In der Qualifikation landete er auf Rang 56 – und verpasste den Sprung in den Wettbewerb. „Das“, sagte er, „war desaströs.“ Anschließend gab es nur einen Ausweg: raus aus dem Weltcup, zurück ins Training.

Karl Geiger springt mit Langlaufskiern

Drei Wochen lang hat Karl Geiger alles probiert: Sprünge mit Langlaufskiern auf einer Mini-Schanze und Einheiten mit Inlineskates oder Alpinskiern. Dann nahm er einen neuen Anlauf auf den kleinen Schanzen in Oberstdorf und Predazzo sowie auf der großen Anlage in Planica. „Der Schritt war richtig und wichtig“, erklärte Karl Geiger, „meine Basis war einfach zu schlecht. Deshalb ging es darum, das System komplett aufzubrechen, wieder ein Gespür fürs Springen zu entwickeln. Es waren intensive und lehrreiche Tage.“ Mit offenem Ausgang.

Karl Geiger: „ES ging darum, das System komplett aufzubrechen.“ Foto: Imago/NurPhoto

In die Qualifikation an diesem Sonntag (16.30 Uhr) geht Karl Geiger mit einem guten Gefühl. Weil es seine Heimschanze ist. Weil die Stimmung dort „zu den besten im Jahr“ gehört. Weil das Wetter top zu werden verspricht. Aber auch, weil er sein System neu justiert hat. „Manchmal braucht es so eine Packung, wie ich sie in Wisla kassiert habe“, meinte er, „ich denke, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Aber sicher bin ich mir natürlich nicht.“ Denn ein Problem lässt sich nicht so einfach beheben.

Karl Geiger und die Nöte mit den neuen Anzügen

Vor dieser Saison wurde nach dem Betrugsskandal, den das norwegische Team bei der Heim-WM in Trondheim ausgelöst hatte, nicht nur die Zahl der Anzüge pro Springer reglementiert, sie sind nun auch wesentlicher enger geschnitten. Damit haben vor allem größere Athleten wie Karl Geiger oder Andreas Wellinger schwer zu kämpfen. Als Karl Geiger gefragt wurde, ob auch das Material für seinen Absturz verantwortlich gewesen sei, antwortete er offen und ehrlich: „Es spielt definitiv eine Rolle. Wir haben ein komplett neues Setup vor den Latz geknallt bekommen. Ich bin da im Sommer irgendwo falsch abgebogen, das hat das Ganze nicht effektiver gemacht.“ Zur Realität gehöre allerdings auch, „dass andere zeigen, wie es geht. Ich muss meine Technik anpassen – und genau das habe ich gemacht.“

Unklar ist, ob und – wenn ja – wann dies zu besseren Resultaten führt. Für Stefan Horngacher ist klar, dass sein einstiger Überflieger noch Zeit brauchen wird. „Karl Geiger hat in den letzten drei Wochen sehr hart gearbeitet, viele Sprünge auf vielen Schanzen absolviert und dabei einen super Job gemacht“, erklärte der Bundestrainer, „er hat sich wieder rangekämpft. Ich wäre zufrieden, wenn er bei der Tournee den Anschluss schafft und die Grundlagen für die Skiflug-WM im Januar und die Olympischen Spiele im Februar legt.“

Was eines ganz klar zeigt: Zu viel sollte von Karl Geiger bei der Tournee, deren erstes Springen an diesem Montag (16.30 Uhr) in Oberstdorf ansteht, niemand erwarten. Den Medien werden diesmal wohl andere Athleten gut gelaunt die Sieger-Interviews geben.