Karl Geigers Extraschichten haben nichts gebracht: Der Routinier ist in der Qualifikation von Oberstdorf ausgeschieden. Luca Roth aus Meßstetten ist am Montag mit dabei.
Es war zu erwarten: Bei der Qualifikation zum Auftaktspringen der Vierschanzentournee (den Bericht finden Sie hier: Mit Schwabenpower vorn dabei) musste der einstige Top-Springer Karl Geiger durch die Hölle gehen: Nach einem schwachen Sprung darf der Oberstdorfer in seinem Heimatort am Montag nicht an den Start gehen.
„Das ist ziemlich bitter“, stellte sich Geiger im Ersten nach seinem Sprung leicht verwirrt den Fragen, „das muss man jetzt so hinnehmen. Da hilft nichts. Aber die schmeckt schon eher sauer, die Pille.“
Schon die Trainingsdurchgänge machten wenig Hoffnung auf Besserung. Im ersten Sprung unter Aufwindbedingungen hätte Geiger den Sprung unter die ersten 50 geschafft, aber schon im zweiten stand „Platz 53“ auf der Anzeigetafel – exakt diese Position war es dann auch nach der Qualifikation.
Selbstkritik bei Karl Geiger
„Der Sprung war halt auch sauspät. Da kommt auch wieder das eine zum anderen. Und wenn man nicht gut in Form ist, dann fehlen gleich mal zu viele Meter.“
Ein glücklicheres Gesicht gab es bei Luca Roth aus Meßstetten (Zollernalbkreis) zu sehen, der in Klingenthal und Engelberg ins Weltcup-Team gerückt war. Schon kurz nach seinem Sprung stand fest, dass er das Ziel, sich zu qualifizieren und genügend Konkurrenten hinter sich zu lassen, erreicht hat – trotz des Rückenwinds.
Luca Roth nimmt’s cool
„Skispringen funktioniert mit Aufwind und Rückenwind genau gleich“, machte es für ihn keinen Unterschied, dass „der Ski nicht so viel Druck macht und man schneller nach unten fällt.“
Bedingungen ändern sich
Für alle Springer war das größte Problem, dass beide Trainingssprünge unter Aufwind-Bedingungen stattfanden, es nach der kleinen Pause aber einen „kompletten Wechsel auf Rückenwind gab“, wie der auch schon in der Quali gescheiterte Luca Roth berichtete, der in Engelberg nach langen Jahren wieder Weltcup-Punkte gesammelt hatte. Aber er war gewappnet: „Ich glaube, ich habe das ganz gut gemacht.“
Jan Hörl der K.o.-Gegner
Sein Sprung reichte am Ende zu Platz 46. Dadurch hat er im K.o.-Modus gegen die Nummer 5 der Qualifikation anzutreten, das wird der Österreicher Jan Hörl sein, eine wohl zu große Hürde.
Philipp Raimund setzt ein Ausrufezeichen
Ganz vorne setzte Philipp Raimund unter den verschärften Anzug-Kontrollen ein Ausrufezeichen. Bis zum Sprung von Dominator Domen Prevc war er in der Leaderbox, doch der Slowene legte mit zehn Punkten Vorsprung einen Klassenunterschied zwischen sich und das Feld. „Er hat vorher schon mal den Goldadler so angesehen, als wollte er ihn gleich mitnehmen“, sagte Raimund lachend, „aber so einfach wollen wir es ihm nicht machen.“
Lockerheit ein großes Plus
Mit seiner Lockerheit punktete Raimund auch im Rückenwind, wobei er bekannte, dass ihm „Rückenwind fast lieber ist“. Er wird am Montag gegen Junshiro Kobayashi (Japan) das vorletzte Duell ausfechten.
Kulisse beeindruckt Felix Hoffmann
Der zweite verbliebene deutsche Hoffnungsträger, Felix Hoffmann, legte die Bestleistung im ersten Trainingssprung vor. Als es drauf ankam, war der 28-Jährige von der Kulisse dann doch ein wenig beeindruckt. Mit Platz 12 wird er in ein brisantes Duell gehen, denn es geht gegen das zweite deutsche Sorgenkind, Andreas Wellinger.
Der wusste nach Platz 39, dass es „auf jeden Fall in die richtige Richtung“ geht. Aber auch ihm ist klar: „Es geht auf jeden Fall nicht von jetzt auf nachher.“ Das musste – wesentlich härter – Karl Geiger erleben, der nun am Montag nur zuschauen darf. „So ein Tag wirft einen wieder um einiges zurück“, meinte der tief enttäuschte Geiger, der zwar den eingeschlagenen Weg der kleinen Schritte weiterverfolgen will, aber bekannte: „Das fällt schon schwer in einem Moment wie jetzt.“
Constantin Schmid mit unmöglicher Aufgabe
Zufrieden war Pius Paschke, der als Nummer 21 auf Robin Pedersen (Norwegen) treffen wird. Rückkehrer Constantin Schmid (Platz 44) hat mit Mitfavorit Ryoyu Kobayashi (Japan) eine wohl unmögliche Aufgabe vor sich.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels lautete die Überschrift "Chronik eines angekündigten Todes" in Anspielung auf einen berühmten Romantitel. Das sorgte für Missverständnisse, weshalb wir die Überschrift angepasst haben.