In Feldgehölzen oder in einer Hecke sind die vierbeinigen Landschaftspfleger in ihrem Element. Foto: Gauggel

Die Bitzerin Friederike Wulf ist durch Zufall zu einem Schaf gekommen – heute sind es 170 Tiere, die mitunter auch einem Naturschutzauftrag nachkommen.

Bitz - Ihre Liebe zu Schafen und Ziegen begann für Friederike Wulf, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten in Bitz wohnt, vor fast zehn Jahren. Von einem Berufsschäfer hat sie ein Lamm bekommen, das von seiner Mutter kurz nach der Geburt verstoßen und daher auch nicht gesäugt wurde. "Ohne mich hätte dieses Tier wohl keine Überlebenschance gehabt", erinnert sie sich. Durch das mehrmalige Füttern am Tag mit der Flasche sei ihr das Lämmlein richtig ans Herz gewachsen.

 

Mittlerweile sind es 170 Schafe und Ziegen

Bei einem Schaf ist es daher nicht geblieben. Immer wieder wurden Wulf Flaschenkinder gebracht, sodass sich eine kleine Schafherde entwickelt hat, zu denen nach und nach auch Ziegen dazu gekommen sind. Mittlerweile gehören ihr 170 Schafe und Ziegen, die derzeit in zwei Gruppen aufgeteilt sind. Eine gemischte Schaf- und Ziegengruppe mit etwa 120 Tieren steht bei Freudenweiler und weidet auf der Wiese eines Landwirts, der sich dadurch das Mulchen erspart und zudem noch eine kostenlose natürliche Düngung seiner Fläche durch die Hinterlassenschaften der Weidetiere erhält. Ihre mit etwa 50 Tieren deutlich kleinere Herde beweidet nur wenige Kilometer nördlich davon eine Streuobstwiese der Gemeinde Bitz.

Seit 2016 betreibt die Nebenerwerbs-Schäferin über die Sommermonate hinweg mit ihren Tieren aktive Landschaftspflege und sorgt mit ihren fleißigen vierbeinigen Mitarbeitern dafür, dass besonders geschützte Magerrasen und Wacholderheiden offen blieben und nicht verbuschen.

Es gibt Landschaftspflegeverträge

Auf insgesamt etwa 20 Hektar dieser für die Alb so typischen Habitate sorgt sie an immer wieder wechselnden Standorten von Ebingen oder Tailfingen über Bitz, Harthausen, Freudenweiler und Neufra dafür, dass es Schlehen, Heckenrosen und Hartriegel nicht gelingt, diese empfindlichen Biotope völlig in Beschlag zu nehmen und die darauf angewiesene Flora und Fauna immer weiter zurück zu drängen.

"Mir ist es ein einfach ein Anliegen, dass ich meine Freude an Schafen und Ziegen mit dem Natur- und Landschaftsschutz in unserer Heimat verbinden kann", meint Wulf. Sie hat daher Landschaftspflegeverträge mit den zuständigen Naturschutzbehörden abgeschlossen und bekommt dafür auch entsprechende Subventionen. Richtig verdienen oder gar reich werden könne man davon allerdings nicht, bemerkt die engagierte Naturschützerin, zumal die Beweidung der vielen zerstreut liegenden Kleinflächen mit großem Aufwand verbunden ist.

Die Zuschüsse finanzieren das Winterfutter

Daher hätten auch die Berufs- und Wanderschäfer mit ihren großen Herden in aller Regel kein Interesse an der Pflege dieser für sie unrentablen Flächen. "Bei mir müssen meine Mitarbeiter im Sommer ihr Futter für den Winter verdienen", sagt sie lachend und meint damit, dass sie mit den erhaltenen Zuschüssen das Heufutter für die Wintermonate kaufen muss. Wenn man weiter bedenkt, dass Kosten für die Schafschur im Februar, für Weidezäune oder für notwendige Versicherungen anfallen, ist sie froh, wenn die Rechnung am Ende des Jahres Null auf Null aufgeht.

Tiere beruhigen Wulf

Friederike Wulf ist dennoch zufrieden und freut sich, wenn sie mitunter mehrmals am Tag ihre Schützlinge aufsucht und sie bei ihrer Arbeit beobachten kann. "Das hat für mich etwas Beruhigendes und Kontemplatives", versichert sie, das könne man nicht mit Geld aufwiegen.

Da in der Herde bei Freudenweiler sowohl ein Schaf- als auch ein Ziegenbock dabei ist, kann man jetzt im Herbst auch einige Lämmer ausmachen und nicht wenige der Muttertiere sind aktuell trächtig. Erst wenn eine geschlossene Schneedecke die Futtersuche im Gelände erheblich einschränkt, bringt Friederike Wulf ihre Tiere über die Wintermonate in einen angemieteten Stall beim Galthaus zwischen Bitz und Ebingen. Dort kommt dann meist im Januar der Nachwuchs zur Welt. Und auch das ist außergewöhnlich: Die Tierliebhaberin Friederike Wulf lässt ihre Tiere – meist junge Böcke – auch auf ihrem letzten Weg zum Schlachter nicht allein und begleitet sie auf dem kurzen Weg in ein nahe gelegenes Schlachthaus.