Das Seniorenkino erlebt in Bad Wildbad eine Neuauflage. Den Auftakt machte der Film „Toni und Helene“. Am 12. Mai geht’s im KiWi-Kino weiter.
„Das war schon mal Tradition, jetzt heben wir es neu aus der Taufe.“ Mit diesen Worten eröffnete die Vorsitzende des Seniorenrats Oberes Enztal, Claudia Ollenhauer, den ersten von vier geplanten Seniorenkinonachmittagen im KiWi-Kino in Bad Wildbad.
„Toni und Helene“ Auf Initiative von Brita Näser, die sich sowohl im Seniorenrat als auch im Förderverein des beschaulichen Kinos in der Bäderstadt engagiert, wurde dieses Angebot für Senioren wiederbelebt. Den Auftakt machte „Toni und Helene“, ein deutsch-österreichischer Film aus dem Jahr 2024. Der ursprüngliche Titel „80 Plus“ weist auf die beiden Protagonistinnen hin, die unterschiedlicher nicht sein können. Da ist zum einen die ehemalige Schauspielerin Helene, die ihren Lebensabend in einem Seniorenheim verbringt und sich für die Sterbehilfe in der Schweiz angemeldet hat. Ihr ganzes Leben ist bestimmt von exakter Planung. Dann kommt Toni ins Pflegeheim. Die ehemalige Pflegerin soll sich dort von einem Sturz erholen. Sie ist spontan, chaotisch, trinkt sowie raucht zu viel und ist somit das totale Gegenteil der stets beherrschten Helene.
Das totale Gegenteil
Das Schicksal bringt die zwei älteren Frauen zusammen, als sie sich gemeinsam in die Sterbeklinik nach Zürich aufmachen. Humorvoll behandelt der Film ernste Themen wie die Selbstbestimmung am Lebensende, Vorurteile gegenüber alte Menschen, die „diskriminiert“ werden, nur, weil sie alt sind.
„Irgendwann haben die Leute in mir nicht mehr die Schauspielerin gesehen, sondern nur noch die alte Frau“, stellt Helene traurig fest. Auf die Frage von Toni, warum sie denn keine Freunde suche, meint Helene, dass die Menschen Angst davor hätten, dass Alte schwierig seien und nur über Krankheiten redeten.
Auf leise Zwischentöne achten
Der Film regt zum Nachdenken an über das Leben und das Sterben, über Schubladendenken, über Freundschaft, über die Erkenntnis, „den Augenblick zu genießen“ und dass man „im Leben nur das bereut, was man nicht gemacht hat“.
Die berührende Entstehung der Freundschaft der beiden so unterschiedlichen Frauen wird von Margarete Tiesel (Toni) und Christine Ostermayer (Helene) großartig in Szene gesetzt. Frank Rieg, der Vorsitzende des Fördervereins KiWi-Kino, gab den Tipp, auf die leisen Zwischentöne im Film zu achten.
Gespräche Nach der Vorführung hätten sich Claudia Ollenhauer und Brita Näser gewünscht, wenn es mit den 25 Kinobesuchern noch Gespräche zum Film gegeben hätte.
Vielleicht klappt es ja beim nächsten Seniorenkinonachmittag, der am Dienstag, 12. Mai, mit „Liebesbriefe aus Nizza“ die neu gewonnene Tradition fortführen wird.
Dringliche Fragen Der Seniorenrat unter der Telefonnummer 07085/9 24 40 18 und der Hospizdienst Oberes Enztal unter 07081/95 56 99 stehen für dringliche Fragen zum Thema zur Verfügung.