Für die kommenden Olympischen Spiele wird Michael Jung auf ein neues Pferd in der Vielseitigkeit setzen müssen.
Michael Jung ist nicht nur der erfolgreichste Vielseitigkeitsreiter aufgrund seines reiterlichen Talents, sondern auch, weil er ein besonderes Händchen für seine Pferde bewiesen hat. Neben seinem bekanntesten Pferd „Sam“ und seinem aktuellen „fischerChipmunk“, mit dem er 2024 die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Paris gewann, überzeugten beispielsweise auch „fischerRocana“ und sein Springpferd „fischerChelsea“. Doch wie gelingt es, immer wieder solche Talente heranzuziehen?
Wir haben mit Michael Jungs Vater, selbst einst vierfacher Landesmeister im Vielseitigkeitsreiten, über die Herausforderungen in Sachen Pferdekauf gesprochen und Einblicke in die komplizierte Ausbildung erhalten.
„Grundsätzlich kann man sagen, dass man zehn Pferde kauft und davon schafft es eins auf Topniveau“, erklärt Jung. Insgesamt gibt es dabei unterschiedliche Herangehensweisen. Manche Reiter kaufen ihre Pferde noch ganz jung und achten rein auf die Abstammung; andere investieren lieber etwas mehr und kaufen Tiere, die bereits weiter sind. „Ideal ist es, wenn die Pferde schon mal einen Sattel getragen haben und locker geritten wurden und vier bis fünf Jahre alt sind“, sagt Jung. Bei Pferden, die noch nicht eingeritten sind, geht es bei etwa 15.000 Euro los, „und nach oben gibt es keine Grenzen“.
Vollblutanteil
Während es schwierig ist, hier bei Springpferden immer die richtigen Entscheidungen zu treffen, ist es bei Vielseitigkeitspferden noch viel komplizierter. „Hier müssen alle Bereiche passen. Es muss besonders gesund sein, der größten Beanspruchung standhalten – und braucht auch den gewissen Vollblutanteil fürs Gelände“, erklärt Jung. Hinzu kommt, dass auch Charakter und Einstellung passen müssen. Viel hänge aber auch von der Ausbildung ab. „Auch Sam war kein einfaches Pferd.“
Nachwuchs hat es schwer
Rund zehn Pferde pro Disziplin hat Michael Jung im Stall in Altheim stehen. „Besonders für junge Reiter ist das schwierig, denn die nötige finanzielle Unterstützung erhält man erst, wenn man oben steht.“
Vier bis fünf Jahre dauert die Ausbildung der Tiere, um sie auf oberstes Wettkampfniveau zu bringen. Gleichzeitig gibt es immer das Risiko, dass selbst das am besten ausgebildete Turnierpferd sich verletzen kann. „Es kann sein, dass man morgens die Box öffnet und es ist etwas passiert. Es gibt viele Unwägbarkeiten.“ Auch vor dem Kauf werden die Pferde von einem Tierarzt auf Herz und Nieren durchgecheckt. „Viele fallen hier schon durch.“
Klar ist: „Man kauft viel Hoffnung mit.“ Denn selbst bei einem derzeit aufstrebenden Kandidat wie „fischerHeros“ weiß niemand, ob er den letzten Schritt, auf Topniveau zu kommen und Turniere auch als Erster zu beenden, schaffen wird. Allerdings ist der neunjährige Wallach, den die Familie Jung bei einer Auktion in den Niederlanden gekauft hatten, auf dem besten Weg im Springen und muss weiter bei den großen Prüfungen Erfahrungen sammeln.
Perspektivkader
Dazu wird „fischerHeros“ in den kommenden Monaten Gelegenheit haben, wenn große Springturniere wie der Mannheimer Maimarkt stattfinden. Zudem hat die gute Leistung von Jung und seinem starken Springpferd die beiden auch in den Perspektivkader für das deutsche Spring-Team gebracht – obwohl Michael Jung eigentlich vor allemdurch die Vielseitigkeit bekannt und dort auch Teil des Olympiakaders ist. So bleibt zu hoffen, dass von diesem starken Duo auch künftig noch viel zu sehen sein wird.