Unternehmen, die ausbilden wollen, müssen sich stärker um Nachwuchs bemühen als früher. Diese Erfahrung machen auch Arbeitgeber in der Region Lahr. Doch der verstärkte Einsatz lohnt sich.
Zahlreiche Unternehmen leiden unter akutem Azubi-Mangel, wie eine aktuelle Umfrage der IHK Südlicher Oberrhein gezeigt hat (siehe Info). Deshalb werben die Arbeitgeber engagierter denn je um Nachwuchs. Im Raum Lahr durchaus mit Erfolg, wie Nachfragen unserer Region bei bekannten Betrieben gezeigt haben.
Wagner System: Der Lahrer Hersteller von Möbelkomponenten ist zufrieden. Das Unternehmen geht voraussichtlich mit sechs neuen Azubis in das Ausbildungsjahr. „Eine Stelle können wir noch besetzten“, erklärt Mitarbeiterin Sandra Andris.
Da aber schon mehrere Azubis auf der Position ausgebildet werden, sei eine Nichtbesetzung kein Problem. Bei der Stelle geht es um eine Ausbildung zum Kunststoff- und Kautschuktechnologen. „Der Beruf ist nicht so bekannt“, erklärt Andris. Sie sieht darin einen Grund dafür, dass sich dafür noch niemand gefunden hat. Azubis für den kaufmännischen Bereich oder als Fachinformatiker zu finden, sei dagegen „überhaupt kein Problem“. Schwerer sei es bei Schichtarbeit. „Da ist die Bereitschaft geringer geworden“, berichtet sie.
Von Aktionen wie der „Job-Expedition“ ist Wagner System überzeugt. So gewann das Unternehmen schon Azubis, die bei früheren „Job-Expeditionen“ dabei waren. Was sich laut Andris etabliert hat: ein kürzerer Bewerbungszeitrahmen. „Ein Jahr vor Ausbildungsstart gibt es eigentlich nicht mehr“, berichtet sie. Etwa ein halbes Jahr vor Start sei inzwischen üblich.
Eichner-Bau: Das Baugewerbe sieht sich oft mit einem Mangel an Bewerbern konfrontiert. Bei dem Lahrer Unternehmen Eichner-Bau ist man daher froh, mit drei neuen Azubis voll besetzt starten zu können, so Dominik Kopf. Er ist für das Personal zuständig und weiß: „Der Bewerbungszulauf geht zurück.“ Daher müssten Unternehmen aktiver sein. „Es reicht nicht, nur über die Vorteile der Stelle zu reden“, so Kopf. Es sei wichtig, den Beruf zu zeigen.
Dafür böten sich Praktika an. Bei der „Job-Expedition“ war Eichner-Bau schon zum fünften Mal dabei – für den Betrieb eine wichtige Adresse, um Praktikanten und damit mögliche Azubis zu finden. Kopf hebt hervor, dass sich der Beruf gewandelt habe. Technik erleichtere die körperliche Arbeit deutlich. „Es ist ein sehr interessanter Beruf geworden“, findet er mit Blick auf die Lehrstellen – etwa als Maurer.
Auch wenn das Unternehmen hauptsächlich auf Nachwuchs aus der Region setze, geht Eichner auch neue Wege. „Wir beteiligen uns an einem Projekt der Handwerkskammer mit indischen Azubis“, so Kopf. Er habe viel Positives darüber gehört. Zum 1. September soll ein indischer Azubi bei Eichner-Bau in Lahr starten.
Herrenknecht: Der Tunnelbohrmaschinenhersteller ist einer der größten lokalen Ausbilder. „Herrenknecht hatte 72 Ausbildungsplätze für 2024 ausgeschrieben“, sagt Unternehmenssprecher Thomas Glanzmann. 66 Lehrstellen seien schon besetzt. Offen seien noch zwei Plätze als Zerspanungsmechaniker, zwei als Fachkraft für Lagerlogistik, ein „Studium-Plus“-Elektrotechnik und ein Duales Hochschulstudium „BWL-Industrie“. Das Schwanauer Unternehmen hat eine Entwicklung erkannt: „Die Bewerberzahlen sind gegenüber 2023 leicht angestiegen und wir haben den Eindruck, dass sich die Lage weiter positiv entwickelt“, so Glanzmann.
Um Bewerber anzusprechen, werde auf eine Kombination verschiedener Möglichkeiten gesetzt. Dazu gehörten auch Jobmessen in der Region. Darüber hinaus bietet die Herrenknecht-Lehrwerkstatt eigene Veranstaltungen an, zum Beispiel den „Ausbildungstag“. Auch bei Schulbesuchen wirbt das Unternehmen für sich. „In der heutigen Zeit ist außerdem die Präsenz in den sozialen Medien wichtig“, ergänzt Glanzmann. Bei der Rekrutierung neuer Kräfte setzt auch Herrenknecht zudem teils auf das Ausland. „Wir freuen uns über immer mehr Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich“, so Glanzmann. Auch ein IHK-Projekt für Azubis aus Marokko trage Früchte: „Im September beginnen auch fünf Azubis aus Marokko ihre Ausbildung bei Herrenknecht“, erklärt der Sprecher.
Stadt Lahr: Die Stadtverwaltung vergibt in diesem Jahr 20 Ausbildungsplätze und drei Studienplätze. „Weitere 13 Praktikumsplätze und knapp 30 FSJ-Stellen konnten wir besetzen“, erklärt Pressesprecher Nicolas Scherger unserer Redaktion. Ein Ausbildungsplatz zum Geomatiker sei noch frei.
Aus Stadt-Sicht erfreulich: gestiegene Bewerberzahlen. „Durch die Messeauftritte und unsere aktive Werbung an Schulen haben wir eine deutlich höhere Zahl an Bewerbungen erhalten“, berichtet Scherger. Auf die Frage, welches Mittel besonders geeignet sei, neue Azubis zu gewinnen, hat die Stadtverwaltung eine klare Antwort: Schülerpraktika und die Empfehlungen von eigenen Azubis und Mitarbeitern seien die besten Wege.
Schaeffler: Der Automobilzulieferer hat bereits alle 17 neuen Azubi-Stellen in Lahr besetzt. Darunter sind Industriemechaniker, Maschinen- und Anlagenführer sowie Elektroniker für Betriebstechnik. Trotz der erfolgreichen Nachwuchs-Suche hat das Unternehmen eine Entwicklung bemerkt. „Grundsätzlich beobachten wir in den vergangenen Jahren sinkende Bewerberzahlen“, berichtet Pressesprecher Steffen Nieländer.
Die Maßnahmen zur Gewinnung von Auszubildenden würden dementsprechend zunehmen. Etwa Kampagnen in Sozialen Netzwerken, im Radio oder Kinos. Aber auch die Vorstellung des Unternehmens in Schulen oder auf Fach- und Karrieremessen sei Teil der Strategie.
„Gleichzeitig organisieren wir eigene Veranstaltungen, zum Beispiel die „Nacht der Ausbildung“, so Nieländer. Nicht zu unterschätzen seien auch Praktika. „ Sie sind wichtig bei der Gewinnung von Auszubildenden, weil wir aus dem Kreis der Praktikanten natürlich einen gewissen Teil rekrutieren.“
Die Umfrage der IHK
Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt bleibt angespannt. So sieht die Industrie und Handelskammer Südlicher Oberrhein laut einer hauseigenen Umfrage Probleme bei der Besetzung der Azubi-Stellen. Die Mehrheit der Unternehmen im Kammerbezirk könne nicht alle Plätze besetzen. Besonders betroffen sei auch die Ortenau mit 56 Prozent unbesetzter Lehrstellen. Die größten Nachwuchssorgen bestünden in der Industrie, Gastronomie und dem Transportgewerbe.