In der Innenstadt herrscht inzwischen hinter etlichen Schaufenstern gähnende Leere. Foto: Buck

Immer mehr Schaufenster in der Lederstraße bleiben leer. Allein in den vergangenen Monaten haben knapp eine Handvoll Geschäfte dichtgemacht. Weitere werden folgen. Doch die Stadtverwaltung will gegensteuern.

Calw - Vom Fass, das Modegeschäft nebenan, Tally Wejil, das Café Montagnola – die Liste der Betriebe allein im Bereich der Lederstraße, die in den vergangenen Monaten ihre Pforten für immer geschlossen haben, ist lang. Und wohl noch nicht vollständig. Weitere Unternehmen haben bereits verkündet, den Rückzug antreten zu wollen. Darunter die Spielerei und das Eiscafé Adria. Wobei es bei letzterer so etwas wie Entwarnung gibt. Aber dazu später.

 

Stadtverwaltung schmiedet Pläne

Auch der Stadtverwaltung Calw bleibt es nicht verborgen, dass der Leerstand zunimmt. Nicht nur in der Innenstadt, sondern auch in den Ortsteilen, so Carina Reck, Persönliche Referentin des Oberbürgermeisters und Wirtschaftsförderin. Um sich einen Überblick zu verschaffen habe die Verwaltung einen Leerstandskataster erstellt – wobei es natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Aktualität gebe, fügt Reck an. Immerhin kann sich in diesen Dingen sehr schnell etwas ändern.

Damit diese Entwicklung nicht weiter ins Negative rutscht, schmiedet die Stadtverwaltung emsig Pläne. Einer davon: Fördergelder akquierieren, um den Leerstand zu bekämpfen. Beispielsweise aus Förderprogrammen für Innenstädte. Des Weiteren "werden wir auf jeden Fall einen Immobiliengipfel" einberufen, sagt Reck. Bei diesem wolle sich die Verwaltung mit den Vermietern der Ladengeschäfte und Gastronomiebetriebe an einen Tisch setzen um zu klären, wie man das Problem angehen könne. "Wir können den Leerstand nur gemeinsam beseitigen", ist Reck überzeugt.

Daher sei die Stadt auch nicht abgeneigt, den Betreibern von Geschäften und Gastronomiebetrieben in der Innenstadt einen Mietzuschuss zu gewähren – nach dem Vorbild von Bad Wildbad. Seit etwas mehr als zwei Jahren können Betriebe, die sich in der Fußgängerzone der dortigen Wilhelmstraße neu ansiedeln, einen städtischen Mietzuschuss für das erste Jahr beantragen. Dieser beträgt vier Euro pro Quadratmeter für die Verkehrsfläche im Innenraum (wir berichteten).

In Bad Wildbad scheint dieses Modell zu funktionieren: Acht Anträge seien seit der Einführung des Förderprogramms gestellt, sechs Leerstände beseitigt worden. "Da ist viel mehr Leben drin, das merkt man", hatte Marina Lahmann vom Innenstadtmarketng in Bad Wildbad unlängst im Gespräch mit unserer Zeitung gemeint.

Aber woran liegt es überhaupt, dass immer mehr Ladengeschäfte schließen müssen? Reck nennt die zunehmende Digitalisierung als einen nicht zu unterschätzenden Grund, das boomende Online-Geschäft. Und natürlich die Corona-Krise.

Gerücht hält sich hartnäckig

Die war es auch, die für Florentin Vögele, Betreiber von "Vom Fass", das Aus bedeutete, wie er damals im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt hatte. Die Kunden seien verunsichert gewesen und nicht mehr gekommen. So dürfte es vielen gehen. "Das ist schlimm", findet Reck. Corona sei wie ein Brennglas gewesen, habe viele Probleme, die ohnehin schon da waren, verschärft. Dabei "brauchen wir Läden in der Innenstadt", bekräftigt sie.

Zumindest was einen Gastronomiebetrieb in der Lederstraße anbelangt, gibt es aber gute Nachrichten: Dort, wo das Eiscafé Adria ist, wird in den kommenden Monaten kein Leerstand einkehren. Auch wenn sich dieses Gerücht in der Stadt hartnäckig hält.

"Wir hören zum Jahresende auf", sagt Betreiber Michelangelo Giuliano auf Nachfrage unserer Zeitung. Aber: Er sucht einen Nachfolger. "Die Adria bleibt bestehen", beruhigt er. Schon etliche Interessenten haben sich gemeldet, doch bisher sei noch nicht der Richtige dabei gewesen, verrät Giuliano. Sollte sich das bis zum Jahresende nicht geändert haben, "machen wir weiter", sagt er. Und zwar so lange, bis ein passender Nachfolger gefunden ist. Mit Leerstand ist in diesem Fall also nicht zu rechnen.

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Giuliano und seine Familie möchten nach 16 Jahren in Calw etwas Neues wagen. Sie haben eine neapolitanische Pizzeria im Zentrum von Stuttgart eröffnet. Hinzu kam der Personalmangel durch die Corona-Pandemie, der schließlich den Entschluss hat reifen lassen, das Eiscafé aufzugeben.

Wegen des Personalmangels wird das Angebot der "Adria" nun auf den Straßenverkauf reduziert. Ein Teil der Terrasse bleibt offen, so Giuliano. Wenn auch nur zum Verzehr der "To go"-Produkte. Ohnehin beschränke sich das Hauptgeschäft für dieses Jahr nur noch auf den September. Nun noch neues Personal zu suchen, lohne also kaum.