Der VfB beklagt vor dem Bochum-Spiel am Samstag acht verletzte Spieler, darunter Deniz Undav und Angelo Stiller. „Jetzt haben andere Jungs die Möglichkeit, zu zeigen, was sie drauf haben“, sagt Trainer Hoeneß.
Wenn Sebastian Hoeneß im Vorlauf der Spiele des VfB seine obligatorische Pressekonferenz beginnt, dann läutet der Trainer die Runde mit den Journalisten stets mit einem Blick auf das Personal ein. Vor der Heimpartie an diesem Samstag (15.30 Uhr) gegen den VfL Bochum musste sich der 42-Jährige nun deutlich mehr Zeit nehmen als sonst üblich. Denn die Liste der Ausfälle ist lang – oder um es bildlich auszudrücken: Noch ehe das erste von acht Pflichtspielen binnen 28 Tagen zum Jahresausklang in Bundesliga, Pokal und Königsklasse absolviert ist, geht der VfB bereits personell am Stock.
„Manch einer, der zuletzt ein bisschen hinten dran war, wird jetzt mehr Spielzeit kriegen“, sagte Hoeneß und probierte dennoch, den Dreh ins Positive hinzubekommen. Generell ließ sich der Trainer die Zuversicht nicht nehmen, obwohl es für ihn und den Club in dem Bestreben, in der Bundesliga möglichst rasch Rang elf in Richtung des oberen Tabellendrittels zu verlassen, nun diverse bittere Personalpillen zu schlucken gibt. Und dies zu einer Zeit, in der das Trio Dan-Axel Zagadou, Jamie Leweling und Luca Raimund ohnehin schon länger ausfällt.
Besonders bitter wiegt in der neuen Welle der Ausfall von Deniz Undav, dem Rekordtransfer des Clubs, der sich als Torschütze, Ankurbler auf und abseits des Platzes sowie als Fanliebling gleich mehrere wichtige Rollen erarbeitet hat. Undav hatte wegen Muskelproblemen im hinteren, linken Oberschenkel aus der Champions-League-Partie gegen Atalanta Bergamo vorsorglich auf die Reise zur Nationalelf verzichtet. Als der Offensivspieler noch Mitte der vergangenen Woche mit schwarzer Zipfelmütze auf dem Kopf allein seine Runde am Rande des Platzes drehte, da schien er auf einem guten Weg.
Nun hat sich Undav im Training wieder am Muskel verletzt. „Es ist dieselbe Stelle, ob es dieselbe Verletzung ist, müssen wir noch klären“, sagte Trainer Hoeneß. Doch klar ist: Undav wird in diesem Jahr nicht mehr spielen können.
Da sind die Perspektiven beim zweiten, ganz wichtigen Führungsspieler des VfB schon ein wenig rosiger: Angelo Stiller war seinerseits noch vor dem ersten Länderspiel der DFB-Elf gegen Bosnien (7:0) nach Stuttgart abgereist, ist aber weiterhin nicht richtig fit. „Bei ihm wird es sehr eng“, sagte Hoeneß mit Blick auf den Lenker des VfB-Spiels, der auf dem Platz sein verlängerter Arm ist. Kann Stiller (Muskelbeschwerden) gegen Bochum nicht spielen, was eher wahrscheinlich ist, dann dürfte Enzo Millot neben Atakan Karazor auf der Doppel-Sechs spielen.
Der Kapitän der französischen U-21-Nationalelf war mit Knieproblemen ebenfalls frühzeitig zurück zum VfB gereist, ist nun wieder fit – und Hoeneß sagte: „Immer wenn wir Enzo im defensiven Mittelfeld eingesetzt haben, dann hat er mir gut gefallen.“
Damit nicht genug der Ausfälle: So hat sich Stürmer El Bilal Touré im Länderspieleinsatz für Mali eine Verletzung am Mittelfuß zugezogen, musste in der 40. Minute des Spiels gegen Eswatini (6:0), dem früheren Swasiland, ausgewechselt werden. „Wir gehen von einer eher schwereren Verletzung aus“, sagte der VfB-Chefcoach, der noch nichts Genaues weiß, weil sich Touré am Freitag noch auf der Rückreise befand.
Und auch in der Abwehr gibt es Probleme: So hat sich Youngster Anrie Chase in der vergangenen Trainingswoche eine Muskelverletzung zugezogen, die er noch nicht auskuriert hat. Weil der 20-Jährige ausfällt, wäre Neuzugang Ameen Al-Dakhil eigentlich eine logische Alternative in der Innenverteidigung. Zumal der Neuzugang vom FC Burnley Anfang der Woche für das Nationalteam Belgiens beim 0:1 in Israel sein erstes Spiel in dieser Saison über 90 Minuten absolviert hat. Doch Al-Dakhil ist mit einem Infekt krank zurückgekehrt, kann ebenfalls nicht spielen.
„Jetzt haben einige andere Jungs die Möglichkeit, zu zeigen, was sie drauf haben – und das ist eine Menge“, sagte Hoeneß, der gegen das bisher sieglose Schlusslicht aus Bochum aus der Not eine Tugend machen will. Penibel hatte der 42-Jährige zuletzt darauf geachtet, dass jeder Spieler bei der Flut an Spielen seine Auszeit bekommt. So wurde der Begriff „Belastungssteuerung“ zur viel zitierten Hoeneß-Vokabel.
„Dennoch haben wir jetzt einen Höhepunkt erreicht, was die Muskelverletzungen angeht“, sagt der Trainer, der auf diverse Alternativen in seinem Kader verweist. Dabei sollen beim VfB nun verstärkt Spieler wie Ermedin Demirovic, Chris Führich, Fabian Rieder, Nick Woltemade oder der wiedergenesene Justin Diehl in den Fokus rücken. Vom VfB II wird Stürmer-Talent Jarzinho Malanga, 18, ins Bundesligateam aufrücken. Auch der Ex-Freiburger Yannik Keitel, der bisher noch gar nicht in Erscheinung getreten ist, dürfte nun gefordert sein.
Zuletzt waren unter Hoeneß meist acht der elf Startplätze fest vergeben. Durch die Flut an Verletzungen wird sich dies ändern. Der VfB-Kader wird jetzt in seiner Breite geprüft.