Rund 300 Beuscher, darunter Vertreter der Nachbargemeinden, waren nach Seelbach gekommen. Foto: Kiryakova

Die Zukunft für Jung und Alt stand beim Seelbacher Frühlingsempfang im Mittelpunkt. Bürgermeister Michael Moser rief zu mehr Verantwortung auf.

„Immer wieder kommt ein neuer Frühling“ – passender hätten die Dritt- und Viertklässler vom Schulchor des Geroldsecker Bildungszentrums nicht einsteigen können. Unter der Leitung von Andreas Elsässer steckten die gut gelaunt singenden Schüler das Publikum sogleich an. Rund 300 Gäste waren am Sonntagvormittag ins Bürgerhaus gekommen. Sie erlebten ein kurzweiliges Programm, das unter einem vorherrschenden Motto stand: Verantwortung übernehmen für alle Generationen.

 

Die Ansprache: Entsprechend stieg Bürgermeister Michael Moser gleich mit seiner zentralen Botschaft ein: „Verantwortung für Generationen, dieser Gedanke prägt unser Handeln in den Städten und Gemeinden jeden Tag.“ Dies sei die Ebene, auf der Herausforderungen angepackt, Entscheidungen umgesetzt werden. Kommunen seien bereit, Verantwortung zu übernehmen, und stellten dies täglich unter Beweis Und deshalb, schickte er eine Woche nach der Landtagswahl nach Stuttgart, „brauchen die Kommunen verlässliche Rahmenbedingungen und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit“. Dieser Weg solle von der Landespolitik „mit Mut und Weitsicht begleitet“ werden.

Mit einem Beispiel, wie Verantwortung vor Ort aussieht, schlug Moser den Bogen zu Seelbach. Er erinnerte an den 2. Juni 2025 als – an selber Stelle – beim Infoabend der Caritas zur Schließung des Pflegeheims die Emotionen hochkochten. „Viele Menschen waren verunsichert, manche waren wütend, viele waren schlicht besorgt oder sogar verängstigt“, blickte Moser zurück. Dass das Pflegeheim nun eine Zukunft hat, habe bewiesen, „welche Kraft, welche Dynamik entstehen kann, wenn eine Gemeinschaft, wenn ein Dorf, ein Tal, eine Region zusammensteht“. Der Gedanke der Verantwortung habe die Menschen im Tal so eng zusammengebracht, wie man es vielleicht noch nie erlebt habe. Moser dankte dabei nicht nur seinem Amtskollegen Matthias Litterst aus der Nachbargemeinde Schuttertal, sondern der ganzen Bürgerschaft. Verantwortung für Generationen sei nämlich nicht nur politische Aufgabe, „sondern eine gemeinsame Haltung unserer ganzen Gemeinschaft“.

Seelbach investiert ins Bildungszentrum

Dass in Seelbach aber nicht nur an die Senioren, sondern auch an die Jugend gedacht wird, machte Moser zum einem mit den Investitionen ins Bildungszentrum deutlich, wo nach den Sommerferien der zweite Bauabschnitt mit der Sanierung der Grundschule startet. Zum anderen hob er das Engagements des Jugendclubs Holzwurm hervor, dessen Vertreter später noch auf die Bühne kamen. „Unsere Gemeinde profitiert und lebt vom Miteinander“, fasste der Bürgermeister zusammen. „Wir tragen gemeinsam Verantwortung für die Menschen, die hier leben und für die Menschen, die nach uns kommen. Und wir tun es mit Freude.“

Die Zukunft der Pflege: Drei Menschen, die dies vorleben, bat Moser im Anschluss auf die Bühne: Sarah Hafenstein, Jonas Kenk und Sascha Schmieder. Letzterer leitet seit zwei Wochen das Pflegeheim – und Moser wollte natürlich wissen, wie es läuft. „Es waren schöne, aber arbeitsintensive 14 Tage“, fasste Schmieder zusammen. Sie seien geprägt gewesen vom „erwartbaren Chaos“ mit vielen neuen Mitarbeitern, die erst die Abläufe einspielen müssen. Das Ziel war, dass die Bewohner so wenig wie möglich mitbekommen und dass Gewohnheiten bleiben. „Das haben wir geschafft.“ Die Stimmung sei auch durch den frischen Wind der neuen Mitarbeiter richtig gut, „wir bekommen viele tolle Rückmeldungen von den Angehörigen“.

Menschen spendeten fleißig fürs Pflegeheim

Geschäftsführer Jonas Kenk dankte den Menschen für ihre Unterstützung, denn sie hätten für die Übernahme fleißig Schränke, Spiegel, Bilder und mehr gespendet. „Ich habe kurz überlegt, die Caritas anzurufen und zu fragen, ob wir noch ein Pflegeheim übernehmen können. So viel Zeug hatten wir“, scherzte er. Von Moser auf die Zukunft der Pflege angesprochen, wurde er wieder ernst: „Der Personalmangel wird uns beschäftigen. Wir brauchen ein verpflichtendes soziales Jahr“, wandte er sich an den SPD-Bundestagsangeordneten Johannes Fechner. Fast alle seiner Ü 40-Kollegen seien über den Zivildienst im Berufsfeld hängengeblieben. Schmieder erklärte, zeigen zu wollen, wie „cool“ ein Job in der Pflege sein kann. Man müsse junge Menschen ansprechen – einen Teilerfolg vermeldete er gleich. Zwei Praktikantinnen in Seelbach hätten angefragt, ob sie länger bleiben können und ob das Pflegeheim Ferienjobs anbietet. Kenk machen aber auch „unsinnige bauliche Forderungen“ Sorgen: In seinen Einrichtungen gebe es 17 Ehepaare, die aufgrund der Einzelzimmerpflicht getrennt schlafen müssen. Auch Demenzkranke bräuchten Gesellschaft.

Nachbarschaftshilfe zieht in Räume des Pflegeheims

Ein weiteres Beispiel für Verantwortung ist Sarah Hafenstein. Die Einsatzleiterin der Nachbarschaftshilfe berichtete, dass immer mehr Menschen Unterstützung benötigen, man Anfragen ablehnen müsse, weil man nicht genug Helfer habe. „Es gibt eine Aufwandsentschädigung, man bekommt immer ein Dankeschön in Form eines Lächelns“, warb sie um mehr Unterstützung. Jonas Kenk verkündete, Synergien zu nutzen: Die Nachbarschaftshilfe erhält – gratis – ein Büro und einem Besprechungsraum im Pflegeheim.

Die Zukunft des Jugendclubs: „Eine lebendige Gemeinde“, so Moser, brauche jedoch nicht nur einen Ort für Senioren, sondern auch einen für Heranwachsende. Für diesen sorgen Matteo Micillo, Philipp Glatz und Ella Wingert vom Vorstand des Jugendclubs Holzwurm. Der Jugendclub, lange Zeit eine Institution in Seelbach, in dem auch der Bürgermeister viele Stunden seiner Jugend verbracht hat, wurde 2025 nach Jahren der Pause als Verein neu gegründet. Vorsitzender Micillo verkündete den nächsten Schritt: Ab dem 1. April dürfen sie die Räumlichkeiten im Pfarrheim St. Franziskus ganz offiziell als Treffpunkt nutzen.

16-Jährige wird Schriftführerin

„Es ist wichtig, dass die Jugendlichen im Ort ihre Bekanntschaften machen, hier aufwachsen, sich weiterentwickeln, Zusammenhalt finden, und auch lernen, was es heißt, wenn man mitanpacken muss“ beschrieb Glatz, stellvertretender Vorsitzender, die Bedeutung. Wingert, erst 16 und künftig Schriftführerin, begründete ihr Engagement: „Zu Hause sind immer meine Eltern, meine Schwester da. Hier habe ich einen Ort für mich. Ich habe gerne Verantwortung und kann in meiner Gemeinde etwas aufbauen.“ Moser freute sich sehr darüber, dass der Jugendclub eine Zukunft hat. „Es ist ein Ort, an dem Jugendliche lernen, Verantwortung zu übernehmen“, schloss er im Bezug auf das Motto den Kreis.

Villa „Sorgenfrei“

Die Gesprächsrunde zum Thema Pflege endete mit großem Applaus. Bürgermeister Michael Moser hatte noch eine Anekdote aus dem Buch „Bevor’s rum isch“ von Heinrich Bohnert parat. Darin wird beschrieben, dass dort, wo heute das Pflegeheim steht, einst ein Gebäude beheimatet war, das im Volksmund "Villa Sorgenfrei" genannt wurde. „Das passt“, so Moser an Kenk, Schmieder und Hafenstein gewandt, „das Haus soll für euch die ,Villa Sorgenfrei’ sein.“