Einstimmig hat der Haslacher Gemeinderat den kommunalen Wärmeplan beschlossen. Er zeigt Wege auf, wie Heizen in der Stadt künftig klimafreundlicher werden.
Ohne Diskussion und einstimmig hat der Haslacher Gemeinderat den kommunalen Wärmeplan beschlossen. Damit legt die Stadt die Grundlage für den Weg zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung bis zum Jahr 2040. Mit dem kommunalen Wärmeplan will Haslach frühzeitig Antworten auf die Frage finden, wie Gebäude künftig beheizt werden können, wenn Öl und Erdgas schrittweise wegfallen.
Der Plan zeigt zum Beispiel auf, wie hoch der heutige Wärmeverbrauch ist, wo Einsparmöglichkeiten liegen und welche erneuerbaren Energiequellen vor Ort genutzt werden können. Er dient als langfristiger Orientierungsrahmen für Verwaltung, Politik, Betriebe und Hauseigentümer.
Erarbeitet wurde der Wärmeplan im Auftrag der Stadt von Badenova Netze. Marc Krecher von dem Energieunternehmen stellte die Ergebnisse in der Sitzung vor. Der Wärmebedarf in Haslach sei derzeit noch stark von fossilen Energieträgern geprägt. Der größte Teil der Wärme in Wohnhäusern, Betrieben und öffentlichen Gebäuden stamme aus Erdgas und Heizöl. Zusammen machten diese beiden Energieträger rund zwei Drittel der gesamten Wärmeversorgung aus. Erneuerbare Energien wie Holz, Solarthermie oder Wärmepumpen spielten zwar bereits eine Rolle, deckten aber bislang nur etwas mehr als ein Drittel des Wärmebedarfs.
Hoher Energieverbrauch durch viele alte Gebäude
Besonders deutlich wird dies beim Gebäudebestand. Viele Häuser in Haslach sind alt: Rund drei Viertel der Wohngebäude wurden vor 1984 gebaut, also zu einer Zeit, als Wärmedämmung noch kaum eine Rolle spielte. Entsprechend hoch ist der Energieverbrauch. Gleichzeitig sind auch viele Heizungen in die Jahre gekommen. Mehr als ein Viertel der Heizungsanlagen ist älter als 30 Jahre, so dass in den kommenden Jahren voraussichtlich viele Anlagen ausgetauscht werden. Diesen Moment gelte es zu nutzen.
Der jährliche Wärmeverbrauch in Haslach lag im Bezugsjahr 2022 bei rund 73 000 Megawattstunden. Den größten Anteil daran haben die privaten Haushalte, gefolgt von Gewerbe und Industrie. kKommunalen Gebäude wie Schulen, Hallen oder Verwaltungsgebäude machen nur einen vergleichsweise kleinen Teil des Gesamtverbrauchs aus.
Das Gutachten zeigt aber auch: Haslach hat ein großes Einsparpotenzial. Allein durch energetische Sanierungen – also bessere Dämmung, neue Fenster oder moderne Heiztechnik – ließe sich der Wärmebedarf der Wohngebäude um etwa die Hälfte senken.
Positiv sei, dass es in Haslach bereits mehrere kleinere Wärmenetze gibt, etwa bei größeren Gebäudekomplexen oder sozialen Einrichtungen. Insgesamt sind rund 60 Gebäude an solche Netze angeschlossen. Der Anteil der zentralen Wärmeversorgung liegt derzeit bei etwa 13 Prozent. Diese Netze werden aber teilweise noch mit Erdgas betrieben und müssen langfristig auf erneuerbare Energien umgestellt werden.
Ein großer Teil der Versorgung kommt über Wärmepumpen und Holz
Wärmepumpen und Solarthermie machen noch einen relativ kleinen Anteil aus. Das Gutachten zeigt jedoch, dass Haslach gute geologische Voraussetzungen für Erd- und Umweltwärme hat. Besonders in locker bebauten Wohngebieten könnten künftig mehr Wärmepumpen eingesetzt werden, wenn Gebäude entsprechend vorbereitet sind. Auch bei Solarenergie bestehe noch Ausbaupotenzial, vor allem auf Dachflächen. Nach Berechnungen wird auch in Zukunft ein großer Teil der Wärmeversorgung dezentral erfolgen, etwa über Wärmepumpen oder Holzheizungen.
Gleichzeitig sieht der Plan vor, dass der Anteil von Wärmenetzen bis 2040 deutlich steigen kann. Der Wärmeplan sei keine Verpflichtung, sondern Orientierung und Hilfe, um Investitionen vorausschauend zu planen. Mit dem Beschluss erkennt der Gemeinderat den kommunalen Wärmeplan als strategische Grundlage für die Zukunft an und legte konkrete erste Schritte fest, die bis 2031 begonnen werden sollen (siehe Info).
Fünf verschiedene Maßnahmen im neuen Haslacher Wärmeplan
Klimaneutrale Stadtwerke:
Die bestehenden Wärmenetze und Erzeugungsanlagen der Haslacher Stadtwerke sollen schrittweise auf eine klimaneutrale Wärmeversorgung umgestellt werden. Grundlage dafür ist ein Transformationsplan, der vorsieht, fossile Energieträger durch erneuerbare Wärmequellen zu ersetzen und die Netze effizienter und zukunftsfähig zu betreiben.
Ausbau und neue Heizzentrale Josef-Rau-Straße:
Das Wärmenetz soll erneuert und per-spektivisch erweitert werden. Dabei soll geprüft werden, ob angrenzende Wohngebiete wie In der Schmelze oder der Holderweg an das Netz angeschlossen werden können, was den Neubau oder die Erweiterung einer zentralen Heizzentrale erforderlich macht.
PV-Freifläche Vulkan:
Auf der Deponie Vulkan soll eine Photovoltaik-Freiflächenanlage errichtet werden, um die Erzeugung von erneuerbarem Strom deutlich zu erhöhen.
Untersuchungen Batteriegroßspeicher Bollenbach:
Ein solcher Speicher könnte helfen, Strom aus erneuerbaren Energien besser zu nutzen, Lastspitzen auszugleichen und die Stabilität des Stromnetzes zu verbessern.
Flächensondierung für mögliche Wärmenetze:
Vorgesehen ist eine systematische Suche nach geeigneten Standorten für neue Heizzentralen. In Bereichen wie der Altstadt, dem Klosterareal, dem Bildungszentrum und dem Alfred-Behr-Sozialzentrum sollen mögliche Flächen identifiziert und gesichert werden, um den späteren Ausbau weiterer Wärmenetze planerisch vorzubereiten und zu beschleunigen.