Die Elzhalle in Wittenweier war voll besetzt. Foto: Boller/

Bei der Infoveranstaltung in der Elzhalle rund um das Problem der Manganbelastung im Trinkwasser in der Gemeinde Schwanau war der Andrang groß. Die Bürger machten ihren Ärger über die Richtlinien des Gesundheitsamts deutlich kund – teils auch mit lautstarken Zwischenrufen.

Das Problem der Belastung des Trinkwassers durch Mangan ist seit Jahrzehnten in Schwanau bekannt. In regelmäßigen Abständen werden deswegen die Rohre durchgespült, um die Ablagerungen des Spurenelements zumindest zeitweise zu beseitigen.

 

Allerdings machte Schwanaus Tiefbauamtsleiter Achim Rehm deutlich, dass er dies für keine auf Dauer annehmbare Maßnahme hält. Es sei deswegen höchste Zeit, die Versäumnisse „der vergangenen 50, 60 Jahre“ nachzuholen und eine zentrale Wasserversorgung in der gesamten Schwanauer Gemeinde sicherzustellen.

Das ist bisher nicht der Fall. Die Situation in den den vier Teilorten Allmannsweier, Nonnenweier, Ottenheim und Wittenweier ist eine besondere: Eine große Zahl an Haushalten ist jeweils mit einer eigenen Hauswasserversorgungsanlage ausgestattet und nur Teile sind an die zentrale Trinkwasserversorgung des Wasserversorgungsverbands Ried angeschlossen.

Zentrale Wasserversorgung ist das Ziel

In den nächsten Jahren sind drei Baumaßnahmen geplant, die den Ringschluss der Wasserleitungen in der Gemeinde zum Ziel haben. Für zwei der drei Maßnahmen liegt bereits eine Bewilligung zur Förderung von 80 Prozent durch öffentliches Geld vor, die Bewilligung für die dritte Maßnahme, der Trasse über die Wittenweierer Hauptstraße, steht noch aus.

Bereits bei der Darlegung der geplanten Bau- und Modernisierungsmaßnahmen für das Trinkwassernetz war zu spüren, dass viele Schwanauer Bürger unzufrieden und verunsichert sind. Das galt allerdings weniger für die von Jürgen Mair, Amtsleiter für Wasserwirtschaft und Bodenschutz, vorgestellten baulichen Maßnahmen – es ist vor allem die Durchsetzung bei der Überschreitung der Mangan-Richtwerte durch die Behörden, die die Bürger Schwanaus in Rage versetzt.

Laut Trinkwasserverordnung ist eine Überschreitung des Grenzwertes von 0,05 Milligramm pro Liter nicht zulässig. Genau das ist aber bei 18 Prozent der Trinkwasserquellen in Schwanau der Fall. Deswegen verlangt das Gesundheitsamt Ortenau von den Brunnen-Eigentümern entsprechende Gegenmaßnahmen – innerhalb einer Frist von sechs Monaten. Die dabei entstehenden Kosten müssen die Besitzer selbst tragen.

„Wir müssen die Bevölkerung mitnehmen“, hatte Nonnenweiers Ortsvorsteherin Dagmar Frenk (SPD) im September in einer Gemeinderatssitzung zur Lage erklärt. Mangelndes Interesse konnte der Schwanauer Bevölkerung am Donnerstagabend in der Wittenweierer Elzhalle nicht nachgesagt werden. Die Halle war brechend voll. Kein Stuhl blieb unbesetzt und an den Rändern standen diejenigen, die keinen Sitzplatz mehr ergattern konnten.

Bürgermeister Marco Gutmann ruft die Bürger zur Mäßigung auf

Die Stimmung war angespannt. Insbesondere der Vortrag von Uschi Klein, Ärztin für Umwelt- und Infektionshygiene des Gesundheitsamts, wurde lautstark kommentiert und mit Gelächter bedacht. Zwischenzeitlich musste Schwanaus Bürgermeister Marco Gutmann intervenieren und die Bürger bitten, ihre Wortmeldungen für den Diskussionsteil im Anschluss an die Vorträge aufzusparen.

Der Medizinerin gelang es kaum, die Skepsis im Publikum gegenüber den Gefahren von Mangan zu zerstreuen. Klein gab zu, dass das Wissen über das Spurenelement nicht valide sei – allerdings stellte sie grundsätzlich klar: „Die chronische Aufnahme von Mangan birgt gesundheitliche Risiken.“

Bei der abschließenden Diskussionsrunde boten die Ausführungen zu den Gesundheitsgefahren einer übermäßigen Konzentration von Mangan im Trinkwasser den Hauptangriffspunkt des Publikums: Der Ärztin wurde vorgeworfen, Angst zu schüren. Immer wieder wurde die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen angezweifelt, die Klein mit dem Appell, das Problem nicht zu bagatellisieren, vehement verteidigte.

Die Schluss-Rednerin, Katinka Mangei, Sachgebietsleiterin Trinkwasserschutz beim Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz, benannte die konkreten Maßnahmen, die bei einer erhöhten Mangankonzentration im Trinkwasser den Eigentümern der Brunnen zur Verfügung stünden.

Neben dem in Schwanau problematischen Anschluss an die öffentliche Trinkwasserversorgung sei auf technischer Seite auch der Einbau einer Aufbereitungsanlage in der Hausinstallation eine Option. Die ist allerdings kostspielig – einen vierstelligen Betrag müssten Betroffene dafür einplanen. Als nichttechnische Möglichkeit nannte Mangei die Nutzungseinschränkung des Wassers: Kochen, putzen, waschen sei dann weiterhin möglich, als Trinkwasser käme das belastete Wasser dann aber nicht mehr in Frage.

Mangei verwies auf die hohe Verantwortung gegenüber Dritten (Minderjährige und eventuelle Mieter), die damit einherginge: „Ich bin ehrlich, das wird von den Behörden nicht favorisiert.“

Mangan in der Nahrung

Mangan spielt laut Verbraucherzentrale eine wichtige Rolle für den Aufbau von Bindegewebe, Knorpeln und Knochen. Allerdings liegt der Fokus auf möglichen toxikologischen Wirkungen, zum Beispiel durch kontaminiertes Trinkwasser. Die sichere tägliche Höchstmenge für Mangan liegt laut Verbraucherzentrale bei acht Milligramm. Ein Mangel hingegen ist nicht bekannt.