Unsere Redakteurin probiert das Spiel aus. Soll sie die Fahndung vorlesen oder nicht? Das ist hier die Frage. Foto: Holderied

Elena Bauer aus Altensteig hat für das Computerspiel „Join the comfort zone“ den pädagogischen Medienpreis gewonnen. Unsere Redakteurin hat das Game getestet.

Für das Spiel „Join the comfort zone“ hat die Berneckerin Elena Bauer einen Preis erhalten. Probieren wir es aus!

 

Das „Visual Novel“-Spiel – eine Art interaktives Buch – wirft mich in eine comichafte Schwarz-Weiß-Welt, in der seit zwölf Jahren eine Militärregierung an der Macht ist. Grundlegend ist ein „Social Credit“-System. Verhalte ich mich staatstreu, bekomme ich Punkte. Verhalte ich mich dagegen, werden mir Punkte abgezogen. Die Punkte haben Einfluss darauf, was mir der Staat zugesteht: Datenvolumen, Reisefreiheit und Priorität im Krankenhaus gehören dazu.

Verrate ich meine eigene Schwester?

Meine Figur heißt Khan – ein Moderator im Staatsfernsehen. Nur: seine/meine kleine Schwester Kira ist alles andere als regimetreu. Gleich zu Anfang besucht mich ein Polizist und sucht nach ihr. Richtig in Fahrt kommt die Geschichte, als ich aufgefordert werde, eine Fahndung nach ihr im landesweiten Fernsehen vorzulesen. Tue ich es? Würde ich es tun, wenn es wirklich um meinen jüngeren Bruder ginge?

Die Konsequenzen meiner Wahl lassen nicht lange auf sich warten. Verlese ich die Meldung, ist der Staat stolz auf mich. Dafür wenden sich Familie und Freunde von mir ab. Meine Entscheidung hat mir Sozialpunkte gebracht – und mich zum sozialen Außenseiter degradiert. Weigere ich mich, bekomme ich den Zorn des Staates zu spüren– aber dafür liebt meine Schwester mich für meine Treue.

Im Fernsehstudio fällt eine wesentliche Entscheidung. Foto: Elena Bauer/JointheComfortZone

Das Spiel bringt den Reiz einer Visual-Novel mit: Verschiedene Enden und Handlungsverläufe. Neugierig probiere ich aus. Was passiert, wenn ich bei jeder Gelegenheit rebelliere? Oder was, wenn ich mich absolut staatstreu verhalte? Ich helfe der Polizei bei der Suche nach Kira, verhafte eigenhändig meine Verwandten, zwischendurch verpfeife ich noch schnell ein paar Leute.

Doch dann kommt die Stelle, an der ich ins Taumeln gerate. Unter Zeitdruck muss ich zwischen zwei Übeln entscheiden. Ich wähle und bleibe mehr zufällig staatstreu. Mit der Höchstpunktzahl von 385 schließe ich ab und erhalte alle Annehmlichkeiten – allerdings zu einem extremen Preis.

Mit fortschreitendem Spiel erfahre ich immer mehr über Khans und Kiras Geschichte und werde mit Khans Überlegungen, seinen Zweifeln, und guten wie schmerzhaften Erinnerungen konfrontiert. Und ich lerne andere Figuren und Schicksale kennen. Manche sind mir sympathischer als andere. Die versuche ich zu retten – ich scheitere mehrfach, die Geschichte hat andere Pläne.

Meine Schwester ist wegen eines Gedichts ins Fadenkreuz geraten. Worüber soll ich mit ihr sprechen? (Screenshot) Foto: Jansen/Elena Bauer/JointheComfortZone

Der Kitsch, dass die Rebellion gegen das Unrecht auf jeden Fall zum Sieg führt, geht diesem Spiel ab. Das Spiel erweist sich als unerwartet unberechenbar. Das macht es auch für Spieler ansprechend, die Tragik am Ende zu schätzen wissen. Das Spiel zeigt eine Sache sehr deutlich: Jede Entscheidung hat Konsequenzen, gute wie schlechte. Und manchmal bleibt eine Entscheidung langfristig folgenlos – denn es kommt auf anderen Wegen trotzdem zum gleichen Ende.

Kurz und mit hohem Wiederholungswert

Fazit: Ein Spiel, das sich dank der kurzen Spielzeit für Zwischendurch eignet und durch die verschiedenen Möglichkeiten einen hohen Wiederholungswert hat. Dadurch, dass die Geschichte stets der gleichen groben Linie folgt, empfiehlt es sich aber, Zeit dazwischen vergehen zu lassen – sonst kommt nach einigen Durchgängen Langeweile auf.

In einer Bar kann ich mehrere Personen ansprechen – und anzeigen. (Screenshot) Foto: Jansen/Elena Bauer/JointheComfortZone

Nach dem Spiel habe ich jedenfalls Rede- und Diskussionsbedarf. Welche Bücher passen dazu? Welche realen Entwicklungen? Dazu begeistern mich die verschiedenen Enden und unerwarteten Wendungen. Gut möglich, dass ich es noch öfter spiele, um die anderen Wege auszutesten.

Das Spiel

Das Spiel ist auf Deutsch und Englisch verfügbar und kann frei im Internet gespielt werden. Dazu gibt es ein Paket mit Unterrichtsmaterialien. Gespielt werden kann es im Browser, am Handy und am Tablet.