Fantasievolle Klangbilder aus dem Vibraphon machen als Alternative zu den Narrenschellen Lust auf mehr „Waldlust“-Kultur.
Eine stimmungsvolle Alternative zu den lauten Narrenschellen am Wochenende bot „Waldlust auf Kunst“ mit einem gehaltvollen Vibraphon-Konzert im Ballsaal des Kulturdenkmals Waldlust. Dort freuten sich Künstler wie der veranstaltende Denkmalfreunde-Verein über überraschend starken Besuch, der die Plätze an Tischen und auf Stuhlreihen zahlreich besetzte, um den Hauch einer Atmosphäre aus vergangenen Zeiten zu genießen.
Mit Dizzy Krisch am Vibraphon stellte Siggi Kögel von F 23 „einen der Großen des Jazz“ vor. Dizzy (Martin) Krisch, geboren 1954, stammt aus der Musikerfamilie des Franz Krisch aus Schramberg und stand schon als Zehnjähriger mit seinen beiden älteren Brüdern auf der Bühne und vor der Fernsehkamera eines Peter Frankenfelds.
Musiker und Solist in München und Tübingen
Das Krisch-Quartett belebte danach viele Jahre Jazzclubs und -keller landauf, landab. Später arbeitete Dizzy Krisch als gefragter Musiker und Solist in München und Tübingen.
Im derzeitigen Krisch-Quartett sitzt Sohn Anselm am Klavier, für die erkrankte Bassistin Karoline Höfler war Andrey Tatarinets eingesprungen, weit mehr als ein Ersatz, der mit einem fulminanten Bass-Solo glänzte, am Schlagzeug gibt Dieter Schumacher den Takt an. Ihr Programm heißt „Vibraphone Diaries“. Da blättern sich die Musiker versunken bis höchst engagiert durch die musikalischen Tagebücher der Granden aus der Jazz-Geschichte. Von Lionel Hamptons unsterblichen „Flying home“ über Milt Jackson-Songs bis zu modernen, stürmischen Kompositionen oder eigenen Werken.
Fantasievolle Klangbilder
Das erst 1916 erfundene Vibraphon überrascht immer wieder aufs Neue mit seiner Vielseitig- und Verwandlungsmöglichkeit, die Dizzy Krisch meisterhaft beherrscht. Virtuos setzt er mal zwei, mal drei, mal vier Schlägel ein, wirbelnd und aggressiv, dann wieder leise, flüsternd, am Ende des Stücks geheimnisvoll auströpfelnd. Da klöppelt Dizzy eine Ballade zum Wegträumen, malt in einem verwunschenen Blues fantasievolle Klangbilder, klöppelt mutige experimentelle Harmonien und Läufe.
Bewunderung für die Denkmalfreunde Waldlust
Die drei Musiker ergänzen den Virtuosen und sein Spiel einfühlend mit gelegentlich solistischen Interpretationen und Ausflügen, Anselm Krisch mit einem luftigen, wie schwebenden Klavierpart.
Sein Vater spielt – oder ist es ja vielleicht – den liebenswerten Chaoten, legt plötzlich seine Schlägel weg, kramt unablässig im Stapel von Notenblättern, streut mit spitzbübischem Lächeln Anekdoten von Lichtgestalten des Jazz ein.
Er passt, wie er sagte, sein Programm „diesem wundervollen Palast“ an, wie er die alte „Waldlust“ nannte: „Es ist kaum zu glauben, dass es heute noch Menschen gibt, die so etwas pflegen und sich für andere einsetzen“, bewundert er das Engagement von Siegfried Kögel und dem Verein Denkmalfreunde Waldlust, die zusammen einmal mehr einen großartigen Konzertabend beschert hatten. Das Publikum dankte ihnen und den Künstlern mit herzlichem Applaus.
Das Jahresprogramm
„Waldlust auf Kultur“
Das Jahresprogramm „Waldlust auf Kultur“ wartet noch mit einer ganzen Reihe von heraussagenden Veranstaltungen auf. Gleich am kommenden Freitag, 13. Februar, geht es weiter mit „RePot“. „Eine richtig, richtig gute Gruppe“, verspricht Siegfried Kögel. Weitere aktuelle Informationen gibt es auf der Homepage www.waldlust-denkmal.de.