Ein Blick über den westlichen Dinkelberg: Die Siedlung Rührberg ist beispielsweise ein Unikum. Politisch zu Grenzach-Wyhlen gehörend liegt sie teilweise auf der Gemarkung von Rheinfelden. Foto: Rolf Reißmann

Wer macht sich im Alltag schon Gedanken über die Besonderheiten des Dinkelbergs? Ein informativer Vortrag dürfte da als Augenöffner gewirkt haben.

Der Referent, Vorsitzender des Lörracher Museumsvereins und langjähriger Leiter des Dreiländermuseum, ging zunächst der Frage nach, ob es sich beim Dinkelberg um ein Gebirge handelt. Äußerlich gesehen ja, weil er sich deutlich aus der Umgebung hervorhebt. Dennoch bleibt diese Zuordnung strittig, denn selbst am steilen Südhang sind es nur etwa 240 Meter Höhenunterschied zwischen Tal und Gipfeln, vom Wiesental her betrachtet ist der Unterschied noch geringer.

 

Dennoch: Der Dinkelberg ist als eigenständige Landschaftsform ausgebildet. Große Orte liegen ihm zu Füßen, auf den Hochflächen sind es nur kleine, beschrieb der Referent.

Besondere Geologie

Ausführlich behandelte Möhring die Geologie, die die Besonderheit des Höhenzuges ausmacht. Vor rund 250 Millionen Jahren setzten sich riesige Mengen Muschelkalk ab – ein Prozess, der etwa acht Millionen Jahre dauerte. Heute ist allein die obere Muschelkalkschicht bis zu 80 Meter mächtig, weitere Schichten folgen in der Tiefe. Weniger häufig bedeckt Keuper die Oberflächen; am Südhang, etwa in Degerfelden, kommt auch Buntsandstein in größeren Mengen vor. So eignete sich der Dinkelberg auch zum Steinlieferant für die Umgegend.

Die Senkung des Oberrheingrabens begann vor etwa 50 Millionen Jahren. So erlangte der Dinkelberg seine exponierte Position.

In der Geologie sind denn auch etliche Besonderheiten des Dinkelbergs begründet: Dolinen und Klüfte markieren die Oberfläche, Trockentäler durchziehen die Hochflächen. Bekannt sind die Höhlen wie Tschamber- und Erdmannshöhle.

Naturwunder Eichener See

Als regelrechtes Naturwunder gilt der Eichener See. Nur unregelmäßig überflutet er die Senke beim gleichnamigen Dorf. Manchmal bleibt einen Monat, manchmal auch ein halbes Jahr. Mal füllt er sich im Jahresrhythmus, mal gibt es mehrere Jahre Pause. Eine echte Besonderheit sind auch seine Bewohner. Die kleinen urzeitlichen Krebse blieben auf dem Stand von vor 350 Millionen Jahren stehen. Ihre Larven überleben im Boden auch mehrjährige Trockenperioden, in den sich der See nicht füllt.

Über die Besiedlungsgeschichte des Dinkelberg kam Möhring auf die Vielfältigkeit der politischen und religiösen Zugehörigkeiten der hiesigen Bevölkerung zu sprechen. Während der Nordwesten des Dinkelbergs schnell von der Reformation erfasst wurde, weil es zum späteren badischen Großherzogtum gehörte, blieb der Südwesten unter den österreichischen Herrschern katholisch. Als wichtigster Patron im Westteil des Dinkelbergs tritt der Heilige Fridolin auf, der die Gegend auf seinem Weg von Irland in den Glarus durchquert haben soll.

200 Grenzsteine als Zeugen

Regionale Herrscher waren die Sausenberger, die Rötteler oder auch die Basler Fürstbischöfe. Inzlingen nahm unter den Herren von Reichenstein eine Sonderstellung ein.

Die Vielfalt der Zugehörigkeiten ist noch heute an den rund 200 Grenzsteine zwischen Weil, Dinkelberg und Grenzach mit ihren unterschiedlichen Wappen zu erkennen. Markant, so hob Möhring hervor, ist der seit 500 Jahren weitestgehend unveränderte Grenzverlauf – zu verdanken dem Umstand, dass es am Westrand des Dinkelbergs keine kriegerischen Auseinandersetzungen gab.

Möhring verwies in seinem Vortrag auf viele im Alltag oft übersehene oder schlicht unbekannte Besonderheiten des Dinkelbergs – und so mancher Zuhörer dürfte dadurch künftig mit etwas anderen Augen auf die vermeintlich altbekannte Landschaft blicken, wenn er an den Hängen unterwegs ist.