Die VHS in Rottweil bietet von Hebräisch über Kroatisch bis Japanisch zig Sprachen an. Ist Rottweil denn so sprachenaffin? Leiterin Anja Rudolf erklärt, was die Kurse besonders macht.
Zdravo, Buna ziua und Kon’nichiwa – wer in den Sommerferien in Kroatien, Rumänien oder weiter weg in Japan war, hat bestimmt vor dem Urlaub das Wort „Hallo“ in der jeweiligen Sprache gegoogelt. Im besten Fall fängt man schon Monate vorher an, die Sprache zu lernen. Es fühlt sich nämlich schon sehr cool an, beispielsweise den Busfahrer nach dem Preis für ein Busticket fragen zu können und dann sogar die Antwort zu verstehen, oder nicht?
Ein Blick auf die Webseite der Volkshochschule (VHS) in Rottweil verrät, dass sie das Sprachenlernen unterstützt. 18 Sprachkurse bieten sie in diesem Jahr in ihrem Programm an. Neben den Klassikern Englisch, Französisch, Spanisch gibt es zum Beispiel Hebräisch, Rumänisch, Thailändisch, Kroatisch, Serbisch, Japanisch und einige mehr. Zusätzlich gibt es noch Integrationskurse für Deutsch – das sind außergewöhnlich viele Sprachkurse. Anja Rudolf, Leiterin der VHS Rottweil, erzählt, woran das liegt.
Von Einzelschulungen bis Gruppenkursen
„Der Sprachenbereich der VHS in Rottweil ist seit 25 Jahren sehr gut. Dass es allerdings so viele Sprachkurse gibt, liegt an zwei Sachen. Erstens: Corona. In der Zeit wurden viele Online-Angebote eingeführt, die Furcht vor Online-Kursen haben viele dadurch abgebaut“, erklärt Rudolf. „Der zweite Grund ist durch einen früheren FSJler zustande gekommen. Er hat während seiner Zeit hier vorgeschlagen, dass Kursteilnehmer aus Integrationskursen, die Muttersprachler einer anderen Sprache sind, selbst Kurse leiten könnten – so haben wir heute Kurse für zum Beispiel Albanisch oder Russisch, die engagierte Muttersprachler geben.“
Wenn man das hört, klingt es nach einem logischen Konzept, denn wie die VHS-Leiterin selbst sagt, braucht es nicht immer einen studierten Lehrer, der die Linguistik fachsimpelt. Manchmal reicht ein Muttersprachler, der zudem die Umgangssprache und Kultur aus erster Hand nahebringen möchte.
Mittlerweile seien alle Leiter von Sprachkursen Muttersprachler. „Wir haben einen total coolen Japanischlehrer. Der gab mal einen Onlinekurs während er in Japan saß. Bei ihm war es nachts ein Uhr, bei uns fünf Uhr nachmittags“, schildert Rudolf begeistert.
Seit Corona gebe es zudem das Sonderformat der Einzelschulungen – für diejenigen, die ganz angepasst auf ihr Ziel hin lernen möchten. „Es gibt nicht mehr dieses ‚ein Kurs für alle, auch wenn jeder unterschiedliche Ambitionen hat‘.“
Duolingo und Co. sind keine Konkurrenz
Zwar hat das Interesse am Sprachenlernen zugenommen, es gibt heute aber auch mehr Möglichkeiten, teils kostenlos zu lernen. Sprachapps wie Duolingo oder Babbel, die tägliche Fünf-Minuten-Lektionen anbieten und teils wie ein Spiel aufgebaut sind, wurden in den vergangenen Jahren sehr beliebt.
Eine wirkliche Konkurrenz sieht die VHS-Leiterin darin aber nicht: „Der Vorteil von uns ist, dass wir alles individuell anpassen können. Du interessiert dich besonders für einen kulturellen Aspekt oder willst mehr zu einer bestimmten Grammatik wissen? Gut. Machen wir. Das können Apps nicht so wie wir in Präsenz.“
Besonders spannend findet Anja Rudolf, dass man nie konkret wissen könne, für welche Sprachen sich Interessierte in einem Semester anmelden. „Ein Kurs kommt bei uns immer ab fünf Teilnehmern zustande. Aktuell ist das bei zwei Drittel unserer angebotenen Sprachkurse schon der Fall. Japanisch und Kroatisch sind total beliebt geworden, da haben wir auch zwei Kurse. Wir haben auch schon sehr lange Hebräisch, den besuchen auch viele. Der neue Französischkurs läuft aber auch total gut“, gibt Rudolf Einblicke.
Selbst ist die VHS-Leiterin auch sprachenaffin. „Am kommenden Sonntag fahren wir nach Italien in unsere Nachbarstadt L’Aquila – darauf habe ich mich sprachlich vorbereitet. Sonst mache ich den Klassiker: Englisch. Selbst halte ich Kurse zur Kunstgeschichte“, verrät sie.
Neues Semester ab 22. September
Wem die Kurse nicht genug seien, der könne sich ab September durch die Präsenzbibliothek im Gymnasium stöbern.
Der VHS wurden zig Bücher gespendet, auch zu Themen, die nicht von Sprache handeln. Diese stellen sie ab September zur Verfügung. Ob man es sich in der Bibliothek gemütlich macht oder für ein paar Wochen ein Buch ausleiht, sei einem selbst überlassen. Und für Interessierte, die mal in eine neue Sprache hereinschnuppern möchten, bietet sich ein Blick in das neue Programm an. Das Semester startet am 22. September.