Schon im ersten Relegationsspiel gegen den TSV Weilimdorf folgten dem VfR Heilbronn viele Fans nach Neckarsulm. Foto: Eibner-Pressefoto/Bernd Leitner

In der zweiten Runde der Aufstiegsrelegation trifft der VfL Nagold auf den VfR Heilbronn. Ein Verein, der in Württemberg eine echte Besonderheit ist.

Am Samstag fährt der VfL Nagold nach Neckarsulm, wo er ab 15.30 Uhr in der zweiten Relegationsrunde um den Aufstieg in die Fußball-Verbandsliga auf den VfR Heilbronn trifft. Der Verein stellte in der Saison 2019/20 einen neuen deutschen Besucherrekord für die Kreisliga A auf, als 1000 Zuschauer zu einem seiner Heimspiele ins Frankenstadion kamen. Daran wird deutlich: Den VfL Nagold erwartet kein gewöhnlicher Gegner.

 

Jugend gewinnt DFB-Pokal

Der neue VfR Heilbronn nimmt Bezug auf den 2003 aufgelösten gleichnamigen Verein, der vor der Gründung der 2. Bundesliga lange Zeit zweitklassig war und stellenweise einen Schnitt von 10 000 Zuschauern hatte. 1970 schmiss der VfR den Titelverteidiger Kickers Offenbach aus dem DFB-Pokal und rückte bis ins Viertelfinale vor, in dem er an Schalke 04 scheiterte. In der Premierensaison 1974/75 gehörten die Heilbronner zur 2. Bundesliga, stiegen jedoch ab und kehrten nicht zurück. Bundesweit auf sich aufmerksam machen konnte der VfR noch einmal 1996, als seine A-Jugend im Finale gegen Energie Cottbus den DFB-Pokal gewann.

Fans kehren den Rücken

2002 meldete der VfR Insolvenz an und fusionierte ein Jahr später mit der Heilbronner Spvgg zum FC Heilbronn. Dieser fusionierte 2012 mit dem einstigen Erzrivalen Union Böckingen zum FC Union Heilbronn, dem viele eingefleischte VfR-Fans den Rücken kehrten. Aus dem Jahrgang der A-Jugend-Pokalsieger von 1996 heraus entstand daraufhin eine Initiative, die 2018 zur Neugründung des VfR Heilbronn unter altem Namen führte.

Der musste ganz unten in der Kreisliga B anfangen – und knackt seitdem sämtliche Zuschauerrekorde. Dreistellige Besucherzahlen waren schon in der Kreisliga B an der Tagesordnung. Als in der Saison 2022/23 der VfR Heilbronn und der FC Union Heilbronn in der Landesliga aufeinandertrafen, kamen 1730 Zuschauer ins Frankenstadion.

Fast jedes Jahr ein Aufstieg

Sportlich konnte den VfR Heilbronn auf seinem Weg zurück in die oberen Ligen bislang nur die Corona-Pandemie ernsthaft ausbremsen. Ansonsten feierte der neugegründete Verein bislang fast jedes Jahr einen Aufstieg. In dieser Saison jedoch wurde der VfR Heilbronn, der aktuell einen Heimschnitt von 400 Zuschauern hat, in der Staffel 1 der Landesliga vom TSV Heimerdingen abgefangen. Dass es somit statt dem direkten Aufstieg nur die Relegation wurde, passte den VfR-Verantwortlichen rund um ihren Vorsitzenden Onur Celik (Spieler der A-Jugend-Pokalsieger von 1996) so gar nicht: Sie feuerten direkt nach dem letzten Liga-Spiel Trainer Pascal Marche. Zdenko Juric übernahm und siegte mit dem VfR in der ersten Relegationsrunde in Neckarsulm gegen den TSV Weilimdorf mit 1:0. Dass auch das zweite Relegationsspiel in Neckarsulm und damit vor den Toren von Heilbronn stattfindet, ist mit Blick auf die große Zahl an VfR-Fans nicht gerade ein Vorteil für den VfL Nagold.