Sandro Abruscia kann den Abstieg des VfR Aalen kaum fassen, möchte mit dem Noch-Regionalligisten aber auf alle Fälle noch den WFV-Pokal gewinnen. Foto: IMAGO/Eibner/IMAGO/EIBNER/Michael Schmidt

Sandro Abruscia machte zwei Abstiege mit den Stuttgarter Kickers mit. Jetzt erwischte es den Mittelfeldspieler mit dem VfR Aalen. Was sind seine Pläne? Wie geht es für den VfR in der Oberliga weiter, bei dem ein aktueller Kickers-Spieler im Gespräch ist?

Natürlich hat Alessandro „Sandro“ Abruscia auch schöne Momente im Gazi-Stadion erlebt, ganz oben auf der Hitliste steht dabei der Drittliga-Aufstieg 2012 mit den Stuttgarter Kickers. Aber die 0:1-Niederlage mit dem VfR Aalen am vergangenen Sonntag beim VfB Stuttgart II reihte sich in die großen Enttäuschungen für den Mittelfeldspieler auf der Waldau ein. Sie bedeutete schon zwei Spieltage vor Regionalliga-Saisonende den Abstieg in die Fußball-Oberliga. „Das ist ein Brett und immer noch nicht einfach zu verarbeiten“, sagte Abruscia Mitte der Woche.

 

Tiefschläge auf der Waldau

2016 war er mit den Stuttgarter Kickers nach dem 0:1 gegen den Chemnitzer FC im Gazi-Stadion in die Regionalliga abgestiegen. 2017 folgte an gleicher Stelle die Blamage im WFV-Pokal-Finale gegen den damaligen Landesligisten SF Dorfmerkingen. Und ein Jahr später stand trotz eines 3:1 gegen den FSV Frankfurt der Absturz der Kickers in die Oberliga fest. Immer mit dabei: Sandro Abruscia. Er ging stets voran, kämpfte, konnte diese Tiefpunkte der Vereinsgeschichte aber nicht verhindern und verließ die Blauen. 2018.

Über die Stationen TSV 1860 München und SSV Ulm 1846 wechselte der gebürtige Waiblinger 2020 zum VfR Aalen. Der Club von der Ostalb spielte 2013 bis 2015 sogar noch in der zweiten Liga. Nun geht es in die Niederungen der Oberliga. Die Gründe? „Die Tabelle lügt nicht, und wir hatten Defizite, klar. Das Tückische war aber, dass wir viele gute Spiele machten, uns jedoch zu selten mit Punkten belohnten“, sagt Abruscia.

Beben bringt keine Wende

Auch zwei Trainerwechsel halfen nichts: Erst musste Anfang Dezember Tobias Cramer gehen, sein Nachfolger Markus Pflanz bekam dann am 23. April die Kündigung. Gleichzeitig machten Präsidiumssprecher Michael Weißkopf und der Sportliche Berater Marco Grüttner den Weg frei für einen Neustart. Dieses Beben führte aber auch nicht zur Wende, sondern unter dem bisherigen Co-Trainer Petar Kosturkov als Chefcoach zum Abstieg. Die Ursachen – da sind sich die Kenner der Branche einig – liegen in weiten Teilen an der fehlenden sportlichen Expertise in den Führungsgremien.

Wie es jetzt weitergeht? Zunächst einmal mit zwei Regionalligaspielen gegen den FC-Astoria Walldorf (11. Mai) und beim SGV Freiberg (18. Mai, jeweils 14 Uhr), bei denen es für den VfR um nichts mehr geht. Danach mit einem WFV-Pokal-Finale, in dem es am 25. Mai (15.45 Uhr) in Großaspach gegen Oberligist SG Sonnenhof um ungemein viel geht: um die DFB-Pokal-Teilnahme und damit verbundene Einnahmen von über 200 000 Euro. Geld, das der klamme VfR für einen Start in der Oberliga dringend nötig hat.

Abruscias Zukunft offen

Kosturkov soll in Liga fünf Chefcoach bleiben, Torwarttrainer Tobias Linse hat ebenfalls zugesagt. Doch Anfang dieser Woche hatte noch kein einziger Spieler einen gültigen Vertrag für die Oberliga. Auch Abruscia hatte nur für den Fall des Klassenverbleibs seinen Kontrakt verlängert. Ob er auch in der Oberliga beim VfR am Ball bleibt, ist offen. „Es gab Gespräche mit dem Verein, es gibt auch Alternativen. Ich muss jetzt schauen, was für mich und meine Familie am besten ist. Ich fühle mich jedenfalls noch sehr fit“, sagt der 33-jährige Vater von zwei Kindern.

Als Neuzugang wird beim VfR für die neue Saison Mittelfeldspieler Luigi Campagna gehandelt. Sein am Saisonende bei Regionalligist Stuttgarter Kickers auslaufender Vertrag wird nicht verlängert. Der 34-Jährige kennt Kosturkov aus seiner Zeit beim TSV Crailsheim und beim VfR Aalen II.