Die Wahl-Balingerin Karin Sämann hat Kindertanzen beim VfL Ostdorf etabliert.
Als Karin Sämanns Tochter vier Jahre alt war, wollte sie tanzen lernen. „Erst habe ich überlegt, sie in einer Tanzschule anzumelden.“
Doch dann kam ihr eine andere Idee: Sie wandte sich an den VfL Ostdorf. Ob sie Kindertanzen im Verein anbieten könne? Die schnelle und knappe Antwort: ja.
Als Trainerin hatte Sämann bis zu diesem Zeitpunkt zwar noch keine Erfahrung, als Tänzerin aber sehr wohl. Wenn sie beginnt, von ihrer Passion zu erzählen, dann erreicht das Lächeln ihre Augen. Tanzen begleitet sie schon ihr ganzes Leben.
„Ich habe schon als kleines Mädchen getanzt.“
„Ich habe schon als kleines Mädchen getanzt.“ Neun Jahre lang hat die Wahl-Balingerin eine Ballettausbildung gemacht, später, mit 17 Jahren, hat sie Jazz und Modern getanzt. Sämann hat in ihrer Jugend an zahlreichen Wettbewerben teilgenommen.
Als sie die Kindertanzgruppe vor sechs Jahren ins Leben rief, war ihr eines von Anfang an klar: „Ich will, dass sich alle willkommen fühlen und jeder, der will, mittanzen kann. Es geht nicht um Leistung.“ Dennoch sei ihr wichtig, Kindertanzen mit Qualität anzubieten.
Sämanns Anspruch an sich selbst ist hoch. Sie machte zunächst eine C-Lizenz beim Schwäbischen Turnerbund im Bereich Kinderturnen. 120 Lerneinheiten à 45 Minuten: Praxisteile und Theorie, Pädagogik-Grundlagen, Recht und Spielkonzeptionen – Sämann zählt nur einen Bruchteil der Inhalte auf.
„Diese Lizenz bekommt man nicht an einem Wochenende.“
„Diese Lizenz bekommt man nicht an einem Wochenende. Aber es macht Spaß.“ Der Turnerbund bezuschusst die Ausbildung. „Der Verein hat mich immer unterstützt in den Weiterbildungen“, sagt Sämann.
Angefangen hat sie mit zwei Schnupperterminen. Sämann wurde beinahe überlaufen: Eigentlich habe sie mit einer Gruppe von maximal zehn Kindern zwischen vier und sechs Jahren anfangen wollen. Aufgrund der Resonanz entschied sie sich aber dazu, mit zwei Gruppen zu starten. „Ich habe mir dann auch relativ schnell Helferinnen gesucht“, sagt sie.
Eine Warteliste gab es von Anfang an. Vor zwei Jahren hat Sämann aufgrund des großen Interesses eine dritte Gruppe gegründet – diesmal für Kinder im Grundschulalter. 2025 kam eine vierte Tanzgruppe hinzu, die von Mona Holp und Isabell Letsch geleitet wird.
„Mein Ziel war es, eine Tanzkultur im Verein zu entwickeln.“
„Mein Ziel war es, eine Tanzkultur im Verein zu entwickeln“, sagt Sämann. Ihr Plan ist aufgegangen. „Werbung machen wir eigentlich gar nicht. Es ist Mund-zu-Mund-Propaganda.“
Die ältesten Mitglieder der Tanzgruppe sind mittlerweile elf Jahre alt. Ein Großteil von ihnen ist seit Beginn dabei.
„Tanzen hat viel mit Gefühlen zu tun. Du entwickelst ein Bewusstsein für deinen Körper.“ Im Zusammenspiel mit der Musik entfalte sich die volle Wirkung, ja, die Magie des Tanzens.
„Tänzer gehören auf die Bühne.“
Neben den drei Präsenzstunden die Woche arbeitet Sämann an Choreografien und sucht die Musik aus. „Manchmal kommen mir Ideen beim Joggen.“
Dieses Jahr will die Tanzlehrerin zum ersten Mal mit den älteren Tänzerinnen gemeinsam eine Choreografie erarbeiten. Die Uraufführung ist für den 14. März beim Kunsthandwerkermarkt in Ostdorf geplant. „Es ist mir wichtig, dass die Gruppen viele Auftritte haben. Tänzer gehören auf die Bühne.“
Die Kinder sollen ihre kreativen Ideen einbringen können: „Viele haben unglaublichen Spaß daran.“ Zunächst suchen sich die Tänzerinnen ein Thema aus, dann geht es an die Songauswahl. „Und erst dann gehen wir in die Bewegungsfindung.“#
„Toll und inspirierend“
Karin Sämann hat dieses Konzept im Rahmen ihrer B-Lizenz erarbeitet. Im November vergangenen Jahres hat sie die höchstmögliche Prüfung des Schwäbischen Turnerbunds im Bereich Vorführung/Choreografie erfolgreich abgeschlossen. Zahlreiche Stunden lernen, eine Woche Praxis und Theorie, Kompaktkurs in Bartholomä mit Teilnehmerinnen aus ganz Baden-Württemberg.
„Wir kamen aus ganz unterschiedlichen Bereichen, das war toll und inspirierend“, sagt Sämann. In Kleingruppen haben sie zunächst eine Choreografie erarbeitet und sie später vor den Prüferinnen vorgetanzt. Zu den Bewertungskriterien gehörten neben den Bewegungsabläufen und der Musik auch das Licht und das Bühnenbild dazu.
Alle drei Jahre muss Karin Sämann Weiterbildungen nachweisen, um die Lizenz zu behalten. Aber das mache die Tänzerin ohnehin: „Einfach, weil es mir unglaublich viel Spaß macht.“ Sie schickt mit einem Lächeln hinterher: „Ich brenne dafür. Wenn ich um 17 Uhr aus der Halle laufe, bin ich glücklich.“