Der VfB hält am offiziellen Saisonziel Klassenverbleib fest – wobei inzwischen auch der Ehrgeiz für mehr durchklingt. Und der Blick zurück zeigt, dass die derzeitige Ausbeute nie in den Abstiegskampf mündete. Im Gegenteil.
Vom Fast-Absteiger zum Tabellendritten: Der VfB Stuttgart hat in den vergangenen Monaten eine steile Entwicklung genommen und zählt nach elf Spieltagen zu den positiven Überraschungen der Bundesliga-Saison. Eine Sache aber hat der Höhenflug nicht einen Hauch beeinflusst: die offizielle Zielsetzung. Eine sorgenfreie Saison soll es sein, mit einem stets komfortablen Abstand zur Abstiegszone. Nach wie vor. Von höchster Stelle wurde das Ganze auch nach dem 2:1-Sieg gegen den amtierenden Vizemeister Borussia Dortmund nochmals bekräftigt. „Wenn wir den Klassenverbleib geschafft haben, können wir über andere Ziele nachdenken“, sagte der Stuttgarter Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle am Sonntag bei Sky. Vorher nicht.
Rein rechnerisch ist dieses Ziel natürlich noch längst nicht eingetütet, dafür stehen noch viel zu viele Spiele aus. Aber: Der Abstiegskampf ist alleine beim Blick auf die Zahlen weit entfernt für den VfB. Sehr weit. Den drittletzten Platz belegt momentan der FSV Mainz 05 mit sieben Punkten. Ginge es mit diesem Schnitt weiter, würden am Saisonende 22 Zähler für die Teilnahme an der Relegation reichen – der VfB hat schon jetzt zwei Punkte mehr auf dem Konto. Hinzu kommt abseits aller Rechenspiele: Wie ein Abstiegskandidat tritt der VfB Stuttgart in dieser Saison beileibe nicht auf, vielmehr mit breiter Brust und einem spielerisch-dominanten Ansatz mit viel Ballbesitz.
Waldemar Anton: „Wir haben uns oben festgesetzt“
Seit einigen Wochen spiegelt sich das Selbstvertrauen auf dem Platz auch in den Aussagen. Etwa nach der 0:2-Niederlage beim 1. FC Heidenheim – einem der wenigen schwachen Spiele dieser Spielzeit – haderte der Stuttgarter Trainer Sebastian Hoeneß sehr: Man habe „eine Riesenchance verpasst“. Einen Abstiegskandidaten zu distanzieren? Nein. Eine Chance, so Hoeneß, „uns festzusetzen“. In den oberen Tabellenregionen, in denen der VfB schon seit Monaten unterwegs ist.
In die gleiche Kerbe schlug Kapitän Waldemar Anton am vergangenen Wochenende, als er das hochambitionierte Borussia Dortmund als „direkten Konkurrenten“ bezeichnete – was beim Blick auf die Tabelle auch schlicht nicht von der Hand zu weisen ist, der VfB liegt sogar zwei Plätze vor dem BVB. „Wir haben uns oben festgesetzt über die Länderspielpause“, betonte Anton, „das wollten wir unbedingt erreichen.“
Die Stuttgarter fühlen sich also pudelwohl in den oberen Tabellenregionen – auch ohne eine bestimmte Platzierung als neues Ziel ausgegeben zu haben. Genau mit dieser Maxime ist die Mannschaft ja bislang auch bestens gefahren. Ohne die Bürde einer konkreten Messlatte, die Woche für Woche abgeglichen werden könnte. Stattdessen immer mit dem Fokus auf den Erfolg im nächsten Spiel. „Wir wollen weiterhin gute Leistungen zeigen und gute Resultate erzielen“, sagt Hoeneß und betont: „Das ist das Ziel.“
Wohin das führen kann? In der Vergangenheit war die Stuttgarter Zwischenbilanz jedenfalls immer eine stabile Grundlage für eine gute Abschlussplatzierung. Wer nach elf Partien wie der VfB jetzt mindestens 24 Zähler hatte, beendete die Saison seit der Einführung der Drei-Punkte-Regel stets in der oberen Tabellenhälfte. Seit 2010 reichte die derzeitige VfB-Punktzahl am Schluss sogar jedes Mal für den Einzug in den internationalen Wettbewerb. Selbst, wenn die Mannschaften ihren starken Punkteschnitt des ersten Saisondrittels nicht ganz halten konnten.
Davor ist natürlich auch der VfB nicht gefeit. Ob man ein Spitzenteam sei, so Anton, könne man zum jetzigen Zeitpunkt trotz Tabellenplatz drei noch nicht sagen: „Das sieht man am Ende der Saison.“ Bis dahin stehen noch große Herausforderungen an – gerade in der näheren Zukunft. Erst im Dezember, wenn es zu Hause gegen den bärenstarken Bundesliga-Tabellenführer Bayer Leverkusen (10. Dezember, 15.30 Uhr) und eine Woche später zum Rekordmeister FC Bayern (17. Dezember, 19.30 Uhr) geht. Dann, im Januar, wenn das Fehlen von Toptorjäger Serhou Guirassy während des Afrika-Cups in mehreren Bundesliga-Partien aufgefangen werden muss. Ohne Frage allesamt knifflige Aufgaben – die der VfB aber ambitioniert und selbstbewusst angehen dürfte. Auch ohne korrigiertes Saisonziel.