Der VfB Stuttgart hat den ersten Abschnitt seiner Saisonvorbereitung hinter sich und einen ersten Härtetest absolviert. Zeit für eine Bestandsaufnahme.
Saisonvorbereitungen von Profifußball-Mannschaften laufen immer nach einem bestimmten Muster ab. Rund um den Auftakt werden Leistungsdaten erhoben, beim ersten Aufgalopp geht es noch recht verhalten zu. Dann folgt meist ein Ballyhoo mit den Fans und in einem ersten Testspiel gegen einen meist unterklassigen Gegner lockert man sich die Beine und trifft im Idealfall knapp zweistellig ins Netz. Danach folgt meist ein athletischer Schwerpunkt und zu dessen Abschluss steht ein erster Härtetest gegen einen Gegner an, der schon etwas weiter als man selbst ist.
Genau da steht der VfB Stuttgart nach nun zehn vollen Tagen Vorbereitung. Das 0:0 (0:0) gegen den FC Luzern, der seinerseits am kommenden Sonntag den Pflichtspielauftakt gegen Servette Genf vor sich hat, war genau dieser gewünschte Härtest. Und der VfB hat ihn bestanden. Zeit also für eine etwas tiefer blickende Bestandsaufnahme.
Gegner und Gegenwehr
Die knapp 6000 Zuschauer in der Luzerner Arena wurden nicht gerade Zeuge von fußballerischen Leckerbissen. Insbesondere der Auftritt ihrer Mannschaft dürfte dem einen oder anderen Sorgenfalte auf die Stirn treiben. Nicht so bei Luzerns Trainer Mario Frick. Der zeigte sich etwas überraschend ganz zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft, die bieder wirkte und im eigenen Stadion keine 30 Prozent Ballbesitz aufweisen konnte gegen einen Gegner, der sichtbar schwere Beine und aufgrund der vielen Neuzugänge auch gut Sand im Getriebe hatte. Dennoch, und das ist das Positive, der VfB ließ sich nicht hängen, leistete stabile Gegenwehr und blieb nur in einem Punkt den Nachweis der bekannten Qualität schuldig: der Offensive. „Ich bin einverstanden, aber nicht mit allem zufrieden. Es war sehr chancenarm. Wir haben wenig zugelassen, was gut ist. Aber uns hat in der Offensive Dynamik und Tiefe gefehlt, um hinter die Kette zu kommen. Daran müssen wir arbeiten“, bilanzierte Trainer Sebastian Hoeneß punktgenau, um gleich noch mehr ins Detail zu gehen. „Gerade in der Offensive ist es wichtig, sich zu kennen. Das hat nicht rund ausgesehen. Was allerdings nicht nur an den Neuen lag, sondern auch an denen, die schon länger da sind“, so Hoeneß weiter.
Spielplan und Philosophie
Grundsätzlich ließ sich in Luzern feststellen, dass der Trainer in der Sommerpause offenbar nicht an den ganz großen Stellschrauben zu drehen gedenkt. Spielplan und Spielphilosophie scheinen unverändert. Der VfB will weiter mutig, offensiv, ballbesitzorientiert auftreten. Trotz fehlenden Punch im letzten Drittel konnte man sehen, dass man weiterhin einen spielerisch anspruchsvollen Ansatz pflegt. Der VfB bleibt eine Mannschaft, die mit Ball agieren und nicht gegen Ball und Gegner reagieren will. „Was man schon sehen konnte, war, dass wir an die hohen Ballbesitzphasen aus der vergangenen Saison anknüpfen wollen und auch können“, zog Sportvorstand Fabian Wohlgemuth ein wohlwollendes Fazit, hatte aber auch gesehen, dass „die harte Trainingswoche in den Knochen steckt. Dennoch war es so, dass wir hier die Kontrolle hatten. Wir hätten hier und da mehr Präzision und Tiefe gebraucht, um das gute Spiel, das wir gezeigt haben, mit Toren zu belohnen.“
Die Neuzugänge
Der VfB begann in Luzern mit drei Neuzugängen in der Startformation: Jeff Chabot, Frans Krätzig und Nick Woltemade. Und er wechselte bereits früh einen weiteren ein. Silas musste angeschlagen vom Feld, Justin Diehl ersetzte ihn (41.). Es war nicht zu übersehen, dass noch nicht alles rund lief zwischen den neuen Kollegen. „Es müssen sich gewisse Dinge noch einruckeln“, sagte Wohlgemuth. „Nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz. Die Hierarchie wird neu sortiert. Abläufe entwickeln sich neu. Da sind wir mittendrin“, so der Sportvorstand weiter. Grundsätzlich zeigten sich er und Hoeneß dennoch zufrieden, auch mit dem Auftritt im zweiten Durchgang.
Die Youngster
Der VfB hatte in der Spitze sieben Spieler auf dem Feld, die aus der eigenen Jugend kommen. Thomas Kastanaras, Alexandre Azevedo, Samuele Di Benedetto, Maximilian Herwerth, Christopher Olivier, Luca Raimund und Raul Paula machten ihre Sache ordentlich. „Ich war sehr zufrieden. Sie haben es gut gemacht. Die Jungs sollen die Zeit nutzen und das haben sie getan. Ich habe viele erfrischende Dinge gesehen“, ließ Hoeneß sich Lob entlocken. Insbesondere Paula und Raimund sorgten für offensive Akzente, im zentralen Mittelfeld ging Samuele Di Benedetto so auffallend unerschrocken zu Werke, als wäre er schon ein alter Hase im Geschäft und nicht gerade erst 18 und kürzlich von einem Wadenbeinbruch genesen. Entsprechend fiel auch Wohlgemuths Fazit aus: „Es freut mich sehr, dass wir so viele Eigengewächse in der zweiten Spielhälfte auf dem Platz hatten. Es wurde zwar etwas wilder, aber es war schön mitanzusehen, wie die Jungs hier aufgetreten sind.“
Gute Voraussetzungen also für die kommenden Wochen. Da stehen noch diverse weitere Aufgaben an. Am kommenden Samstag (14 Uhr, Heilbronner Frankenstadion) wartet Fortuna Sittard, wenige Tage später geht der VfB-Tross auf Japan-Exkursion inklusive Testspielen gegen Kyoto Sanga FC (28. Juli, Uhrzeit offen) und Sanfrecce Hiroshima (1. August, Uhrzeit offen), zwei J-League-Spitzenteams.