Fabian Wohlgemuth (li.) und Alexander Wehrle. Wohlgemuth versucht den Druck auf die Spieler zu erhöhen. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Die sportliche Misere beim VfB Stuttgart zog eine Sitzung des Aufsichtsrats nach sich. Miteinbezogen wurden dabei auch der Vorstandsvorsitzende sowie der Sportdirektor. Es herrscht Alarmstimmung im weiß-roten Haus.

Die 0:1-Pleite des VfB Stuttgart gegen den VfL Wolfsburg kurz vor der Länderspielpause kam einem Offenbarungseid gleich. Groß waren die Hoffnungen im Vorfeld gewesen. Auf einen guten Auftritt, möglicherweise einen Sieg und damit auch auf etwas Rückenwind und Ruhe für die letzte Phase vor dem Liga-Endspurt, in der man noch einmal ein wenig Luft hätte holen können. Denn schließlich steht jetzt mit dem Spiel beim 1. FC Union Berlin und den darauffolgenden beiden Auswärtsspielen in Nürnberg (DFB-Pokal) und Bochum eine englische Woche an, die den restlichen Saisonverlauf maßgeblich beeinflussen kann.

 

Doch eingetreten ist das Gegenteil. Der Auftritt war mehr als ernüchternd. Die Enttäuschung bei Verantwortlichen und Fans war beinahe mit Händen zu greifen. Und der Absturz an das Tabellenende zog entsprechende Konsequenzen nach sich. Noch am Morgen nach der Partie wackelten bei einer Brandrede von Fabian Wohlgemuth die Kabinenwände. Der AG-Aufsichtsrat entschloss sich ebenfalls zum Handeln und berief am Mittwoch, den 22. März, eine virtuelle Sitzung des Gremiums ein. Mit dabei: Alexander Wehrle, Vorstandsvorsitzender der AG sowie Vorstand Sport in Personalunion und Fabian Wohlgemuth, der Sportdirektor des Clubs.

Mussten Wehrle und Wohlgemuth zum Rapport?

Wurden die beiden Entscheider zum Rapport bestellt? Zu internen Sitzungen werde man keine Details bekannt geben, lässt der Club auf Nachfrage verlauten. Doch eine Conclusio gibt es: „Wir sind uns alle darüber einig, dass mit Zusammenhalt und der Unterstützung für die sportlich Verantwortlichen alles getan werden muss, um unser Ziel, den Klassenerhalt, zu erreichen“, sagt Claus Vogt, VfB-Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender der AG. Er hatte das nicht turnusmäßige Treffen initiiert.

Auf der Tagesordnung stand nach Informationen unserer Redaktion eine schonungslose Analyse des Ist-Zustands. Wo liegen die größten Problemfelder? Welche kurzfristigen Maßnahmen versprechen Abhilfe? Was kann getan werden, um sich der Situation zu stellen? Für welche Szenarien hat man entsprechende Pläne in der Hinterhand? Und, die wichtigste aller Fragen: Wie soll es gelingen, aus dem Schlamassel herauszukommen, um das Ziel Klassenverbleib noch irgendwie zu erreichen? Kurzum: Ein durchaus kritischer Umgang mit dem bisherigen Handeln der beiden sportlichen Top-Entscheider bei den Weiß-Roten.

Alles dem Ziel Klassenerhalt unterordnen

Man müsse nun dem Ziel Klassenerhalt „alles, aber auch wirklich alles andere“ unterordnen, denn der „Verein, seine Menschen und unsere Fans haben es verdient, dass sie auf und neben dem Platz eine Mannschaft und ein Team sehen, in dem jeder alles für unseren VfB Stuttgart gibt“, so Vogt. Sportchef Wohlgemuth versucht daher den Fokus auf diejenigen zu lenken, die die Kohlen aus dem Feuer holen müssen. „Die Spieler stehen in der Verantwortung, jetzt den Hebel umzulegen. Bei der Suche nach den Gründen für den andauernden Misserfolg dürfen wir es uns nicht zu einfach machen“, sagte der 43-Jährige, der „Sportbild“.

Bruno Labbadia nimmt er – noch – ein Stück weit aus. Obwohl dieser mit nur zwei Siegen aus elf Pflichtspielen bei drei Remis und sechs Niederlagen (Punkteschnitt 0,82, den DFB-Pokal mitgerechnet) eine äußerst dürftige Bilanz vorzuweisen hat. „Der Trainer ist nicht allein verantwortlich“, sagt Wohlgemuth. Unwidersprochen ist, dass die kommende Woche mit den drei Auswärtsspielen immense Bedeutung hat. Auch für Labbadia – der jetzt liefern muss, wenn er bis zum Saisonfinale auf seinem Posten bleiben will. Punktetechnisch, für das Erreichen des Ziels. Denn noch sind es nur zwei Punkte bis zum rettenden Ufer bei neun verbleibenden Spielen. „Das ist möglich“, sagt Vogt. Wohlwissend, dass man intern längst auch mit der Variante rechnet, die noch elf Partien beinhaltet.

Die Konsequenzen eines VfB-Abstiegs wären verheerend

Und auch bilanztechnisch. Schließlich drohen bei Abstieg schmerzende Einbußen. Allein das deutlich verringerte TV-Geld in der zweiten Liga würde den VfB dazu zwingen, den Etat entsprechend senken zu müssen. „Die Konsequenzen eines Abstiegs wären verheerend“, so Wohlgemuth und auch Vogt lässt wenig Interpretationsspielraum: „Klar ist, dass wir unsere sportlichen Ziele erreichen müssen“, so der Aufsichtsratsvorsitzende.

Fazit: Es herrscht Alarmstufe Rot beim VfB Stuttgart. Die Verantwortlichen ziehen die die Zügel erneut an. Fraglich bleibt, welche Wirkung die Maßnahmen erzielen werden und ob es gelingt, aus einer Mannschaft, bei der Teile bereits mit dem Kopf ganz woanders scheinen, Höchstleistung herauszukitzeln. Denn die braucht es, um das gesteckte Ziel zu erreichen.