Ein Sieg fehlt noch zur Rettung. Verteidiger Waldemar Anton und der VfB wollen ihn am Samstag einfahren. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Voller Fokus auf den letzten Schritt: Der VfB blendet vor dem Finale im Abstiegskampf gegen die TSG Hoffenheim alle Nebengeräusche aus. Wie ist der Ablauf der Woche?

Bloß nicht nachlassen. Jedem Druckabfall entgegenwirken. Das ist der Modus, in den der VfB Stuttgart vor dem Saisonfinale im Abstiegskampf geschaltet hat. Und das praktisch mit Abpfiff nach dem 4:1-Sieg beim FSV Mainz 05 am vorletzten Spieltag, als Trainer Sebastian Hoeneß seine Mannschaft noch in den Katakomben der Arena auf die abschließende Partie am Samstag (15.30 Uhr) gegen die TSG Hoffenheim einschwor. Sein Credo, das er in Mainz mehrfach wiederholte: „Wir brauchen jetzt Fokus und Konzentration.“

 

Woher rührt der weit erhobene mahnende Zeigefinger des Trainers? Völlig aus der Luft gegriffen ist die Sorge vor einem Spannungsabfall in jedem Fall nicht. Denn es war schon ein riesiger Druck, der vor dem Mainz-Spiel auf dem VfB lastete – und danach auch abgefallen ist. Von Platz 17 ging es hoch auf Platz 15, alles ist nun in der eigenen Hand, dazu hat man die vermeintlich einfachste Aufgabe am letzten Spieltag. Während der VfB mit den eigenen Fans im Rücken die bereits geretteten Hoffenheimer empfängt, treffen die Konkurrenten VfL Bochum (Platz 16, gegen Bayer Leverkusen) und FC Schalke 04 (Platz 17, bei RB Leipzig) auf Teams aus dem oberen Tabellendrittel.

Den Konkurrenten des VfB ist eine Überraschung zuzutrauen

Aber: Das Gefühl der Sicherheit könnte trügen. Denn darauf, dass der VfB ohne eigenes Zutun dank Niederlagen der Konkurrenz in jedem Fall direkt in der Liga bleibt, kann und will sich in Bad Cannstatt niemand verlassen. Überraschungssiege der Kellerkinder sind durchaus im Bereich des Vorstellbaren.

Schalke? Hat in den vergangenen Wochen schon oft Moral beweisen und unerwartet gepunktet, Gegner Leipzig ist zudem schon sicher für die Champions League qualifiziert und damit vom Zugzwang befreit. Und Bochum? Hat 23 seiner 32 Punkte zu Hause im Ruhrstadion geholt, weshalb Trainer Thomas Letsch schon mal für Samstag prognostiziert: „Die Hütte wird brennen, es wird eine unfassbare Atmosphäre.“ Und das gegen ein Team aus Leverkusen, das wahrlich nicht in der Form seines Lebens ist und seit sechs Pflichtspielen auf einen Sieg wartet. Sollten Schalke (31 Punkte) oder Bochum (32 Punkte) tatsächlich gewinnen, braucht auch der VfB einen Dreier. Sonst sind Platz 15 und die direkte Rettung futsch. Siegen beide Kontrahenten, droht den Stuttgartern gar der direkte Abstieg.

Die Folgerung aus VfB-Sicht ist simpel: kein Blick nach links oder rechts, ab in den Tunnel mit dem vollen Fokus auf die eigene Aufgabe. „Es ist jetzt ganz wichtig, die Spannung aufrechtzuerhalten“, fordert der Stuttgarter Sportdirektor Fabian Wohlgemuth, „denn noch haben wir nichts erreicht.“ Der Sieg in Mainz? Werde eben nur dann veredelt, wenn man jetzt auch gegen Hoffenheim nachlege: „Es wurde erst mal nur die halbe Miete bezahlt“, sagt Wohlgemuth, „jetzt in der Woche erarbeiten wir uns die zweite Hälfte.“

Kein öffentliches Training mehr vor dem Hoffenheim-Spiel

Wie diese Woche aussehen soll? Nicht komplett anders als andere Wochen, aber schon mit einigen Auffälligkeiten – vor allem mit Blick auf das Ausschalten möglicher Störgeräusche und Ablenkungen. Interviewanfragen werden vorerst abgelehnt, auch ein öffentliches Training findet vor Samstag nicht mehr statt. Das ist zwar kein Novum in dieser Saison, aber doch eher unüblich. In der Regel war zumindest eine Einheit pro Woche für die Öffentlichkeit zugänglich. Entweder direkt am Tag nach dem Spiel oder in der Mitte der Woche. Dieses Mal nicht: Nach einem freien Dienstag starten die VfB-Profis am Mittwoch in die Vorbereitung auf das Saisonfinale – in dem übrigens nicht das Trikot für die neue Saison präsentiert wird, wie es in der Vergangenheit schon mal der Fall gewesen war. Volle Konzentration eben auf das Hier und Jetzt.

Was zur Frage führt, was am Samstag ab 15.30 Uhr eigentlich zu erwarten ist. Könnten die Hoffenheimer angesichts des feststehenden Klassenverbleibs nicht mit letzter Energie auflaufen? Darauf will sich der frühere TSG-Coach Hoeneß nicht verlassen: „Das wird eine große Herausforderung. Ich bin mir sicher, dass die Hoffenheimer einen guten Abschluss wollen.“ Im Gegenzug sieht er aber sein Team ebenso gerüstet. Auch aufgrund der Erfahrungen der Vorsaison, als der VfB ebenfalls am letzten Spieltag in einem Heimspiel dem Druck standhielt und mit einem 2:1-Sieg gegen den 1. FC Köln Platz 15 sicherte. „Die Erfahrungen, die die Jungs letztes Jahr gemacht haben, werden sicher nicht schaden“, sagt Hoeneß, „sie haben da schon einmal eine sehr schwierige Situation gemeinsam bewältigt.“

Der feste Glaube an eine Wiederholung ist da. „Wenn wir alles auf den Platz bringen, werden wir den letzten Schritt auch packen“, sagt Hoeneß. Klar ist: Die Chancen stehen so gut wie lange nicht in dieser Saison – ein Sieg fehlt noch, die Ziellinie ist in Sicht. Darüber gehen muss der VfB aber noch.