Wie viel Geld im Sommer für Neuzugänge zur Verfügung steht, hängt auch vom Ausgang der laufenden Saison ab. Ein Blick auf die vier unterschiedlichen Szenarien und die Summen.
Acht Spiele noch. Die Saison in der Fußball-Bundesliga biegt auf die Zielgerade ein, wobei die Ausgangslage für den VfB Stuttgart eine eindeutige ist: Es braucht eine Aufholjagd, wenn die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb noch gelingen soll. Platz vier und die Champions League sind schon acht Zähler entfernt – ein stattlicher Abstand. Auf die Ränge fünf und sechs und damit die Europa League und die Conference League fehlen jeweils fünf Punkte – schon eher in Reichweite, aber ebenfalls ein gutes Stück entfernt. Bliebe der Gewinn des DFB-Pokals, der direkt in die Europa League führen würde, wobei sich hier mit RB Leipzig und Bayer Leverkusen noch namhafte Konkurrenz im Wettbewerb befindet. Noch also ist viel Konjunktiv im Spiel. Und eben dieser beeinflusst auch die Planungen für die nächste Saison.
Denn: Ob sich der VfB für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert (und falls ja, für welchen), hat direkte Auswirkungen auf den finanziellen Spielraum für das kommende Transferfenster. Vier Pläne für die vier verschiedenen Szenarien liegen deshalb in der Schublade: für den Fall eines Verpassens des Europapokals sowie jeweils für die Teilnahme an einem der drei unterschiedlich lukrativen Wettbewerbe.
Vorneweg: Spielt der VfB nächste Saison nicht europäisch, dreht sich in Bad Cannstatt das Rad dennoch weiter. In der Basisplanung sind Zusatzeinnahmen durch internationale Auftritte nicht enthalten – selbst dann müssten die Stuttgarter keine Transferüberschüsse erzielen und könnten in jedem Fall ausgeben, was sie einnehmen. Und dass es in diesem Sommer wie eigentlich immer Bewegung auf der Zu- wie Abgangsseite geben wird, ist sehr wahrscheinlich.
Uefa-Prämien und Ticket-Einnahmen variieren je nach Wettbewerb
Im Fall von Enzo Millot zum Beispiel würde bei einem Abschied niemand an der Mercedesstraße aus allen Wolken fallen. Der Franzose hat seine Wechselbereitschaft mehrfach bekundet und verfügt über eine Ausstiegsklausel – deren Höhe von knapp 20 Millionen Euro niedrig genug ist, um ihn für andere Vereine interessant zu machen. Sowieso entstehen oft kurzfristig Dynamiken auf dem Transfermarkt, auf dem der VfB wiederum Ausschau nach druckresistenten Spielern hält. Die vorneweg gehen, das Spiel stabilisieren, schwankende Phasen wie zuletzt kurz halten.
Wie viel Geld hierfür zur Verfügung steht, hängt aber nicht nur von potenziellen Abgängen ab – sondern auch von einer möglichen Qualifikation für das internationale Geschäft. Denn auch wenn diese nicht in der Basisplanung enthalten ist, wäre sie natürlich alles andere als irrelevant. In jedem der drei Wettbewerbe lässt sich durch die Prämien des europäischen Fußballverbandes Uefa und durch Zuschauereinnahmen gutes Geld verdienen. Abgestuft und in unterschiedlicher Höhe.
Am meisten, klar, in der Champions League. Rund 40 bis 45 Millionen Euro sicherer Gewinn stehen hier in Aussicht – konservativ gerechnet und ein Ausscheiden nach der Hauptrunde angenommen. In der Europa League sinkt diese Summe auf 15 bis 20 Millionen Euro, in der Conference League auf zehn Millionen Euro. Aufgrund geringerer Prämien, aber auch wegen der niedrigeren Ticketpreise.
Diese Zusatzeinnahmen würden nach Informationen unserer Redaktion nicht komplett, aber jeweils rund zur Hälfte in die Mannschaft fließen. Das bedeutet: Falls es der VfB doch noch in die Champions League schafft, stünden im Sommer-Transferfenster im Vorausgriff auf die zu erwartenden Einnahmen zusätzlich gut 20 Millionen Euro zur Verfügung. Bei einer Europa-League-Teilnahme wären es immerhin knapp zehn Millionen, in der Conference League rund fünf.
Im Hier und Jetzt sind die Stuttgarter von diesen Geldtöpfen ein gutes Stück entfernt – haben aber jüngst ein Zeichen gesetzt mit der Vertragsverlängerung von Trainer Sebastian Hoeneß, der dabei für die Zukunft europäische Ambitionen formulierte: „Wir wollen dauerhaft den Anspruch erheben können, mit dem VfB im internationalen Wettbewerb vertreten zu sein.“
Ob das in der laufenden Saison noch gelingt, ist nach zuletzt nur fünf Punkten aus den vergangenen acht Bundesliga-Spielen offen. Die nächste Aufgabe? Ebenso anspruchsvoll wie richtungsweisend. Es geht zum Tabellenvierten Eintracht Frankfurt (Samstag/18.30 Uhr), der acht Punkte mehr auf dem Konto hat und sich fast die gesamte Saison schon dort aufhält, wo der VfB auch wieder hinmöchte. Im vorderen Tabellendrittel und den europäischen Startplätzen.