Vintage-Trikots liegen im Trend – auch rund um den VfB Stuttgart. Foto: pma

Vintage-Trikots liegen im Trend. Wer etwas auf sich hält, hat mindestens ein gutes Stück im Schrank. Auch die VfB-Fans. Für die gibt es nun zwei neue Anlaufstellen.

Wer aufmerksam durch die Straßen läuft, in und an Schulen genau hinschaut und auch in Clubs und Bars das Publikum genauer in Augenschein nimmt, dem muss in letzter Zeit aufgefallen sein, dass modebewusste Personen immer mehr zum Fußballtrikot greifen. Was früher allenfalls zum Sport und im Stadion getragen wurde, ist in der Alltagsmode angekommen. Doch es sind längst nicht mehr die aktuellen Trikots mit den großen Namen wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi, die ziehen. Sondern oft ältere, wertigere Teile.

 

Vintage-Trikots sind der große Hype, insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Online-Shops schießen seit Jahren wie Pilze aus dem Boden, seit einiger Zeit schwappt der Trend aus dem britischen und dem Benelux-Raum nun auch nach Deutschland. Dazu gibt es Vintage-Trikot-Börsen – Interessierte treffen und vernetzen sich dort, kaufen und tauschen, oft auch nicht nur Trikots, auch Sammelkarten und Memorabilia jeglicher Art gehen gut – Hauptsache Fußball-Kontext. So findet in Stuttgart demnächst mit der „Card Connex“ (22. – 24. Mai, Carl-Benz-Arena, https://cardconnex.eu/ ) eine der größten Messen im deutschsprachigen Raum in Stuttgart statt.

Mit Online-Shops kennt sich auch Uwe Düding gut aus. Der Pleidelsheimer hat mit seiner Schwester Sonja in den letzten Monaten einen gut gehenden virtuellen Marktplatz geschaffen. „Joga Bonito“, das schöne Spiel, heißt ihr Shop. Dort wird ein vierstelliger Umsatz pro Monat generiert, dazu sind die beiden auf Instagram sehr aktiv. Doch in den letzten Wochen beschäftigte die Geschwister ein anderes Projekt. Sie haben mitten in Freiberg/Neckar einen stationären Handel für Vintage-Trikots eröffnet.

Allein 30 000 Euro an Warenwert haben die beiden investiert, dazu einen ehemaligen Schreibwarenladen in Eigenregie renoviert und umgebaut. „Wir wollen mehr als nur ein Shop für Trikots sein. Bei uns soll man sich treffen und eine gute Zeit verbringen können“, sagt Düding, der zukünftig auch Events in seinem Laden anbieten will.

Einen anderen Ansatz verfolgt Murat Kara. Der Stuttgarter hat, seitdem er denken kann, eine Leidenschaft für Fußball und über die Jahre eine große Sammelleidenschaft für Trikots und Teambekleidung entwickelt – mit großem Fokus auf den VfB Stuttgart. Kara hat einen textilen Hintergrund, führt auf der Tübinger Straße eine Schneiderei („Atelier Kara“) und stellt dort auch seine große Sammlung aus.

VfB-CEO Alex Wehrle in der Ausstellung „Ein Trikot schreibt Geschichte“ Foto: Baumann

Viele Teile stehen zudem zum Verkauf. Karas Fundus ist stark auf die neunziger Jahre fixiert. Bei ihm findet man hochwertige Originale, die entsprechend ihren Preis haben. Unter dem Label „Karadona“ ist er neuerdings auch auf Instagram aktiv. „Bei mir finden sich viele VfB-Artikel aus der Adidas-Epoche, die ich bis heute als die beste Zeit des Clubs ansehe, gerade auch bezogen auf Qualität und Ausarbeitung der Stücke“, sagt Kara.

Den großen Hype um Vintage-Trikots erklärt sich der ehemalige Amateur-Kicker (u. a. SV Vaihingen) so: „Ich denke, bei vielen ist es einfach ein Nostalgie-Thema. Die Menschen verbinden mit den Trikots Erinnerungen. Die wollen sie wieder lebendig werden lassen“, sagt Kara. Düding sieht es ähnlich und bringt einen aus seiner Sicht noch wichtigen Aspekt mit ein mit Blick auf jüngere Käuferschichten, die beispielsweise die Neunziger gar nicht selbst erlebt haben: Zeitgeist.

„Wenn große internationale Stars sich mit Vintage-Trikots zeigen oder diese bei ihren Auftritten tragen, dann verfängt das natürlich“, so Düding. Beispiele dafür gibt es viele. Zum Beispiel Rapper Snoop Dogg, der sich gern in Fußballtrikots zeigt. Oder Basketballer LeBron James, der bekennender Fans der Reds des Liverpool FC ist.

Neben den beiden Läden gibt es in Stuttgart aber aktuell noch eine Anlaufstelle für Liebhaber von Retro- und Vintage-Trikots: das Schauspielhaus Stuttgart. Wie das zusammenpasst? Der VfB Stuttgart und die Macher aus dem Kulturbereich haben sich zusammengetan und gemeinsam die Ausstellung „100 Jahre Brustring – Ein Trikot schreibt Geschichte“ geschaffen. Dort können Besucher auf einen Streifzug durch die Clubgeschichte gehen, die auch anhand von Trikots erzählt wird.

Viele einzigartige Ausstellungsstücke und so manches Kuriosum gibt es dort zu sehen. Viele der Exponate stammen dabei nicht aus Clubbeständen – sondern aus dem Fundus von Matthias Vafai. Der Gastronom gilt als einer der größten Trikotsammler rund um den VfB, unter anderem von knapp 700 sogenannten Matchworn-Trikots – also von Trikots, die tatsächlich im Einsatz waren und von Spielern getragen wurden. Seine Sammlung lässt sich auch unter www.vfbtrikot.de bestaunen. Die Ausstellung hingegen ist von Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet sowie samstags von 10 bis 14 Uhr. Noch vier Tage kann sie besucht werden, sie endet am 10. Mai.