Jamie Leweling, Lazar Jovanovic und Chris Führich (von links) kamen alle im Test gegen Celta Vigo zum Einsatz. In der Bildergalerie sehen Sie Eindrücke der Partie. Foto: Pressefoto Baumann

Auf den Außenbahnen tut sich gerade einiges beim VfB. Ein Blick auf die Konstellation und die unterschiedlichen Spielertypen.

Eine erste kleine Ansage kam von Chris Führich, noch bevor er in diesem Sommer überhaupt gegen den Ball getreten hatte. Keine verbale, aber eine optisch direkt sichtbare: Der Flügelstürmer des VfB Stuttgart nutzte die Chance und schnappte sich die prestigeträchtige Rückennummer 10, die nach dem Abgang von El Bilal Touré frei geworden war. Weshalb? „Für jeden Offensivspieler“, betont der 27-Jährige, „ist die Zehn eine besondere Nummer.“ Es bedeute ihm sehr viel, diese nun zu tragen.

 

Führich hat sich also einiges vorgenommen für die kommende Saison – aber: Ein Ausrufezeichen auf dem Platz ist der Nummern-Wahl bisher noch nicht gefolgt. Gegen Celta Vigo (2:1) wie auch in der Woche zuvor gegen die PSV Eindhoven (4:4) blieb er ohne Tor, ohne Vorlage und genau genommen auch ohne eine nennenswerte Anzahl an Offensivaktionen. Führich war zwar jeweils engagiert und eingebunden ins Spiel, aber ohne entscheidenden Einfluss in Tornähe.

Sehenswerte Treffer von Leweling und Jovanovic

Den hatten auf außen bisher andere. Neuzugang Lazar Jovanovic (18) zum Beispiel, der gegen den niederländischen Erstligisten aus Eindhoven an der Mittellinie zum Solo ansetzte und zum 4:4-Endstand traf – wenngleich sich die Gegenwehr am Ende einer kräftezehrenden Partie in besagter Szene in Grenzen hielt. Am persönlichen Erfolgserlebnis änderte das nichts, Trainer Sebastian Hoeneß attestierte dem jungen Serben im Anschluss „zwei, drei richtig gute Aktionen“ und stellte ihn gegen Celta Vigo prompt statt Führich von Beginn an auf. Gegen die Spanier setzte Jovanovic zwar weniger Akzente. Und dennoch deutet nach den ersten Trainingswochen einiges darauf hin, dass er schon in dieser Saison eine Alternative auf außen werden kann und über den Status eines Perspektiv-Talents bereits hinaus ist.

Trainer Sebastian Hoeneß (rechts) lobt Jamie Leweling. Foto: Pressefoto Baumann

Das gilt selbstredend schon lange für Jamie Leweling (24), der sich in der Vorsaison bis in die deutsche Nationalelf gespielt hatte – und nun gegen Celta Vigo für sich warb: Von der ungewohnten linken Seite zog der Rechtsfuß ins Zentrum und schlenzte die Kugel aus der Distanz platziert in die lange Ecke. Eindeutig ein Treffer aus der Kategorie sehenswert, an dem auch Innenverteidiger Jeff Chabot als Beobachter von hinten seine Freude hatte. Eine „super Aktion“ sei das gewesen: „Wir wissen, dass er es kann. Deswegen überrascht es keinen.“

Dass Leweling die nächsten Aufgaben ambitioniert angeht, hat auch sein Trainer registriert. „Er hat sich ein bisschen was vorgenommen“, sagt Sebastian Hoeneß, „das sehe ich im Training und jetzt hat er sich belohnt mit einem schönen Tor. Jamie hat gezeigt, zu was er in der Lage ist.“ Zur Wahrheit gehört an dieser Stelle zwar auch, dass die Vorbereitung noch jung ist – die bisherigen Eindrücke bilden daher erst einmal nur einen Zwischenstand. Aber einen, der zeigt, wie schnell es gehen kann. Noch im Pokalfinale gegen Arminia Bielefeld (4:2) hatte Führich in der Anfangsformation gestanden, während Leweling die kompletten 90 Minuten vergebens auf eine Einwechslung wartete.

Nun hat sich die Konstellation verändert: Mit Zugang Jovanovic und dem aufstrebenden Leweling ist eine neue Konkurrenzsituation eingetreten, ungeachtet möglicher weiterer Transfers verfügt der VfB derzeit über drei fitte Flügelstürmer. Für diese stehen zwei Positionen zur Verfügung – aber auch nur dann, wenn sich Hoeneß für ein System mit klassischen Außenspielern entscheidet und nicht (wie in der Vergangenheit auch immer mal wieder) für eine Formation mit eingerückten offensiven Mittelfeldspielern im Halbraum.

Für den Fall der Flügelstürmer-Variante, die zuletzt meist die präferierte war, bringt das Trio dabei unterschiedliche Profile mit. Führich mit seinen Dribblings auf engem Raum, Leweling mit einer stärker physischen Komponente, Jovanovic mit seinem unbekümmerten Vorwärtsdrang. Dass Führich und Leweling mit 127 respektive 110 Bundesligaspielen über einen klaren Vorteil in puncto Erfahrung verfügen und ihre Qualitäten beim VfB schon oft nachgewiesen haben, steht außer Frage. Zementiert aber, das haben die vergangenen Wochen gezeigt, ist in der Gegenwart rein gar nichts. Und der Konkurrenzkampf auf außen läuft.