Sechs Mann auf der Bank – und doch nur ein Teil des Trainerteams des VfB Stuttgart. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Das Team hinter dem Team wächst immer mehr – auch beim VfB Stuttgart. Wer sind die Spezialisten rund um die Mannschaft des Fußball-Bundesligisten?

Stuttgart - An helfenden Händen fehlt es nicht, als es im Koasastadion von St. Johann gilt, die Spuren des einwöchigen Sommertrainingslagers zu beseitigen. Noch während die Spieler des VfB Stuttgart am Freitagvormittag die letzte Übungseinheit auf dem Rasen hinter sich bringen, werden drum herum bereits Fahnen eingerollt, Werbebanner abgehängt, technische Gerätschaften deinstalliert und Metallboxen voller Trainingsutensilien in Kleintransporter gewuchtet. Der Busfahrer des VfB, die Medienleute, die Zeugwarte und Physiotherapeuten – sie alle beteiligen sich an den Aufräumarbeiten, für die sich auch Günter Schäfer nicht zu fein ist. „Bei uns packen alle mit an“, sagt der Teammanager, „so geht es am schnellsten.“

 

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Günter Schäfer (59), VfB-Abwehrlegende mit dunkelrotem Herzen, ist auch dieses Jahr der Organisationschef des Trainingscamps – und damit für möglichst reibungslose Abläufe zuständig. Wann der Bus abfährt und die Rasenplätze gewässert werden, welches Restaurant kurzfristig reserviert werden soll und wo die Besprechungen stattfinden, all das fällt in seinen Verantwortungsbereich. Nicht der einfachste Job in einem Tross, der 65 Menschen umfasst. Weniger als die Hälfte von ihnen sind Spieler.

Mislintat: „Optimal aufgestellt“

Wie sehr sich die Zeiten geändert haben, weiß kaum einer besser als Günter Schäfer. Gut kann er sich an sein erstes Trainingslager als Jungprofi erinnern, im Sommer 1980 am Schluchsee, als Schäfer 18 und die Reisegruppe sehr überschaubar war. Zu ihr gehörten neben der Mannschaft nur Trainer Jürgen Sundermann, Assistent Helmut Dietterle, die Masseure François Caneri und Jörg Braun sowie Mannschaftsbetreuer Richard Steimle. Eine völlig andere Fußballwelt.

Mit Bundestrainer Jürgen Klinsmann begann von 2004 an nach Vorbild des US-Sports die Spezialisierung der Betreuerstäbe im deutschen Fußball, die anschließend von Pionieren wie Ralf Rangnick, Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel immer weiter verfeinert wurde. Längst sind Trainer im Profifußball zu einer Art Supervisor geworden, die sich mit großen Stäben von Experten umgeben, die auf ihren Spezialgebieten naturgemäß über fundierteres Wissen verfügen.

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Auch beim VfB ist das Team hinter dem Team sukzessive gewachsen, seit Sven Mislintat das Amt des Sportdirektors übernommen hat. „Je größer das Budget ist, desto mehr Spezialisierung ist möglich“, sagt Mislintat und findet: „Gemessen am Preis-Leistungs-Verhältnis sind wir optimal aufgestellt.“ Zu dem von Chefcoach Pellegrino Matarazzo angeführten Trainerteam gehören in Michael Wimmer, Michael Kammermeyer und Peter Perchtold drei Co-Trainer mit unterschiedlichen Schwerpunkten, der neue Torwarttrainer Steffen Krebs, der Uwe Gospodarek ersetzt hat, die Athletiktrainer Matthias Schiffers, Martin Franz und Oliver Bartlett sowie die Analysten Marcus Fregin und Martin Lesser. Hinzu kommen drei Ärzte verschiedener Fachgebiete, zwei Physiotherapeuten und ein Osteopath, ein Psychologe, ein Sportwissenschaftler, drei Zeugwarte und ein sechsköpfiges Presseteam, das in Kitzbühel für die mediale Rundumversorgung auf allen Kanälen sorgt. Nicht zu vergessen Günther Schäfer und Peter Reichert, ein weiteres VfB-Urgestein, das ebenfalls als Teammanager fungiert und als Simultandolmetscher der Französisch sprechenden VfB-Profis im Einsatz ist.

Kein eigener Ernährungsberater

Bei der Zahl der Mitarbeiter rund um eine Fußballmannschaft gibt es nach oben kaum mehr Grenzen. Andere, größere Clubs beschäftigen weitere Spezialisten unterschiedlichster Fachrichtungen – Ernährungsberater etwa, Yogalehrer oder Neurowissenschaftler. Ein schmaler Grat, wie Sven Mislintat meint: „Man muss auch immer aufpassen, dass das Team homogen bleibt und nicht zu groß wird.“ Eine Ernährungsexpertin wie Mona Nemmer, die Pep Guardiola einst zum FC Bayern geholt hat und die inzwischen beim FC Liverpool den Titel „Head of Nutrition“ trägt, hätte zwar auch der Sportdirektor gerne in seinen Reihen – doch kann man eben nicht alles haben. Den Bereich der Ernährungsberatung deckt beim VfB zur allgemeinen Zufriedenheit der Mannschaftsarzt Heiko Striegel mit ab.

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Dass auch gesundes Essen die Leistungsfähigkeit von Fußballern steigern kann – das gehört zu den vielen Dingen, über die man sich in den aktiven Zeiten Günther Schäfers noch sehr wenig Gedanken gemacht hat. Im Mannschaftshotel des VfB am Schluchsee soll das Speiseangebot vor mehr als vierzig Jahren recht deftig gewesen sein.