Beim VfB Stuttgart dürfen Geimpfte, Genesene und Getestete das Bundesliga-Auftaktspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth besuchen – von den 23 500 Tickets sind aber erst 17 000 verkauft. Woran liegt das?
Stuttgart - Jetzt ist er also gekommen, der Moment, den die Vereine der Fußball-Bundesliga so lange herbeigesehnt haben. Mit dem Beginn der neuen Saison, die an diesem Freitag (20.30 Uhr/Sat 1) mit dem Eröffnungsspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern München startet, dürfen auch wieder Zuschauer in die Stadien – nur in begrenztem Umfang zwar, aber immerhin. Knapp 150 000 Besucher sind in den neun Spielen erlaubt – fraglich allerdings, ob auch so viele kommen werden.
Mehr als zehn Monate sind vergangen, seit der VfB Stuttgart zum letzten Mal ein Bundesligaspiel vor heimischen Publikum bestreiten durfte: 9500 Zuschauer wollten am 3. Oktober 2020 das 1:1 gegen Bayer Leverkusen sehen. Nachdem das Team von Trainer Pellegrino Matarazzo zuletzt im Testspiel gegen den FC Barcelona (0:3) wieder ein Gefühl dafür bekam, wie es sich anfühlt, in der Mercedes-Benz-Arena vor besetzten Rängen zu spielen, kann sie jetzt auch wieder im Ernstfall auf die Unterstützung des eigenen Anhangs bauen. An diesem Samstag (15.30 Uhr) startet der VfB gegen die SpVgg Greuther Fürth in die neue Spielzeit – und gewährt bis zu 23 500 Zuschauern Einlass.
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Nach dem jüngsten Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz vom vergangenen Dienstag darf die Auslastung der Bundesligastadien bei maximal 50 Prozent der jeweiligen Höchstkapazität liegen, die Grenze von 25 000 Zuschauern aber nicht überschreiten. Das volle Kontingent schöpft am ersten Spieltag nur Borussia Dortmund im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt aus. Nur 10 700 Zuschauer lässt der FC Augsburg gegen die TSG Hoffenheim zu.
Dass es der VfB gegen den Aufsteiger aus Fürth dabei belässt, nur 23 500 der rund 60 000 Plätze in der Mercedes-Benz-Arena freizugeben, hängt damit zusammen, dass ein ausreichender Abstand zwischen den einzelnen Zuschauern sichergestellt werden soll. Stehplätze gibt es daher keine – in der Cannstatter Kurve kommen (wie bei internationalen Spielen) die normalerweise versteckten Variositze zum Einsatz.
Es sind noch viele Tickets für das Fürth-Spiel zu haben
Womöglich liegt es auch daran, dass bis Donnerstag erst 17 000 Eintrittskarten verkauft wurden. Tickets sind noch in fast allen Bereichen und Preiskategorien erhältlich – ausverkauft ist lediglich die Cannstatter Kurve. Doch gibt es gerade dort, aufseiten der organisierten Fans, noch Vorbehalte gegen die beschränkte Zulassung von Zuschauern. Viele verzichten vorerst freiwillig auf den Stadionbesuch – sei es aus Solidarität oder wegen des Fehlens der einst gewohnten Stadionatmosphäre. Klar ist, dass die Stimmung im Vergleich zu früher eher gedämpft sein wird. Auch der Vorsänger auf dem Stadionzaun nimmt seine Arbeit noch nicht wieder auf.
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Nicht nur in Stuttgart ist der Ansturm auf die Tickets bislang ausgeblieben. „Es ist ein ähnliches Phänomen zu beobachten wie vergangenen Spätsommer“, sagte der Würzburger Fanforscher Harald Lange dem „Münchner Merkur“: „Auch damals waren teilweise Zuschauer zugelassen, die Stadien aber nicht im Rahmen der Möglichkeiten ausverkauft. Die Clubs blieben teilweise auf ihren Tickets sitzen. Das könnte der Bundesliga auch jetzt wieder passieren, wie es in der zweiten und dritten Liga bereits der Fall ist.“
Wem der Zutritt ins Stadion gewährt wird, wird von den Clubs unterschiedlich gehandhabt. Der 1. FC Köln etwa vergibt seine 16 500 Tickets fürs Auftaktspiel gegen Hertha BSC bis auf ein kleines Kontingent für Getestete nur an Geimpfte oder Genesene.
2G oder 3G? Die Regelungen sind unterschiedlich
Zwar sei Impfen eine ganz persönliche Entscheidung, die es zu respektieren gelte, sagte der FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, „wir haben aber auch eine Verantwortung für die vielen, vielen FC-Fans, die geimpft sind“. Ähnlich will Borussia Dortmund verfahren. Ausgenommen sind Kinder und Menschen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden dürfen. In den nächsten Wochen könnte sich die 2G-Reglung auch an den anderen Bundesligastandorten durchsetzen. Vorerst aber halten sich die meisten Clubs an die großzügigeren Vorgaben der Politik und gehen nach dem 3G-Prinzip vor, lassen also auch Getestete ins Stadion.
So verfährt auch der VfB, der sich „im intensiven Austausch mit der DFL und mit den örtlichen Behörden“ befindet, wie ein Sprecher sagt. Der Nachweis, geimpft, genesen oder getestet zu sein, ist in digitaler Form am Eingang vorzulegen – „in absoluten Ausnahmefällen“, so teilen der Verein mit „können auch Papiernachweise erbracht werden“. Das Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes sei „von Betreten der Arena an bis zum Verlassen Pflicht“ – auf dem Sitzplatz freilich darf er abgezogen werden.