Beide Daumen hoch: Die Bilanz des VfB-Trainers Sebastian Hoeneß gegen Borussia Dortmund kann sich sehen lassen. Foto: Pressefoto Baumann

Trotz zuletzt fünf Siegen über den BVB hält VfB-Trainer Hoeneß den Ball flach. Ein Spiel in Dortmund wie am Samstag gehöre zum „Anspruchsvollsten, was es in der Liga gibt.“

Es ist am Ende ein ganz sauber gemähtes Wiesle gewesen, das der VfB bei seinem letzten Auftritt im Signal-Iduna-Park von Dortmund zurückließ. Mit 2:1 hatten die Mannen von Trainer Sebastian Hoeneß am 8. Februar vor mit 81 365 Zuschauern rappenvoller Hütte gewonnen. Es war damals ein glanzvoller Sieg des Stuttgarter Kollektivs bei der Borussia, in welchem ein Rädchen fast perfekt ins andere griff.

 

Die Innenverteidiger Ramon Hendriks und Jeff Chabot etwa, sie nahmen den BVB-Torjäger Serhou Guirassy fast komplett aus dem Spiel; Chabot traf obendrein mit seinem ersten Bundesligator überhaupt zum 2:0 (60.). Und zehn Minuten zuvor, da hatte der unter dem Zorn der VfB-Fangemeinde zum BVB abgewanderte Ex-Kapitän Waldemar Anton per Eigentor die Stuttgarter Führung besorgt. Vom mitgereisten Anhang im Gästeblock gab es dafür hämischen Applaus – und die Dortmunder Fans auf der „Süd“, der größten Stehplatztribüne der Welt, sie waren ganz baff.

Die Bilanz des VfB-Trainers Hoeneß gegen den BVB, sie blieb somit bis heute eine lupenreine: Fünf Siege in Serie hat es gegen die Dortmunder zuletzt gegeben: 2:1, 5:1, 1:0, 2:0 und 2:1 lauteten die Ergebnisse. Vier Siege stammen aus der Bundesliga, während der 2:0-Erfolg aus dem Achtelfinale des DFB-Pokals der Saison 2023/24 stammt.

Dazu gesellt sich zu Beginn der Serie ein 3:3 vom April 2023 – das war, als Sebastian Hoeneß beim VfB gerade begonnen hatte. Dann kam der Umschwung. Der 43-Jährige hat also mit den Cannstattern noch nicht gegen die Schwarz-Gelben verloren. Sein Lieblingsgegner also? „Ich wusste nicht, dass meine Bilanz gegen Dortmund so gut ist. Ich hatte natürlich ein gutes Gefühl, doch an jedes Spiel muss man wieder neu und differenziert herangehen“, sagt der Coach vor dem Duell des Bundesliga-Vierten beim punktgleichen Dritten (beide 21 Zähler nach zehn Spieltagen) aus Westfalen.

„In Dortmund zu spielen, das ist mit das Anspruchsvollste, was du als Mannschaft bekommen kannst in der Bundesliga. Du musst ganz fokussiert sein, die absolute Bereitschaft haben“, ergänzt Hoeneß: „Und es ist ein Spiel, in dem du im besten Fall auf allen Positionen bei hundert Prozent bist.“

Bisher haben die Stuttgarter ja mit dem latenten Vorwurf zu kämpfen, gegen die Topclubs der Liga, sämtliche Teams auf den Plätzen 1 bis 8 der Tabelle, noch nichts geholt zu haben. Doch das kann man ihnen nur sehr bedingt vorwerfen. Schließlich haben sie den Spielplan nicht gemacht. Der sieht erst jetzt en bloc die Duelle mit dem BVB, dem FC Bayern, Bremen, Hoffenheim, Leverkusen und Frankfurt vor.

Eine Partie gegen einen Champions-League-Anwärter hat es allerdings bereits gegeben. Das war das Spiel auswärts bei RB Leipzig, als man 1:3 verlor – und trotz einem in vielen Bereichen ordentlichen Auftritt ohne Punkte vom Feld ging. Das soll sich nun in Dortmund ändern: „Unser Spiel in Leipzig war über weite Strecken ganz gut“, sagt Hoeneß: „Wir waren aber hier und da nicht bei hundert Prozent.“ Man müsse daher in Dortmund effizient mit den eigenen Chancen umgehen . „Vielleicht mal in Führung gehen.“ Das war in Leipzig nicht gelungen. „Wir wollen da einen Schritt weiter sein“, sagt Hoeneß.

Schließlich sind die Vorzeichen beim BVB aktuell andere als beim 2:1-Erfolg vom Februar. Trotz der Unruhe, die der Nationalspieler Karim Adeyemi aufgrund seiner Verurteilung zu 450 000 Euro Geldstrafe wegen unerlaubten Waffenbesitzes ins Team getragen hat. Sportlich haben die Dortmunder zuletzt stabil abgeliefert – beim FC Bayern (1:2) haben sie die bisher einzige Saisonniederlage bezogen: „Im Februar war es das erste Spiel von Niko (Kovac, Anm. d. Red.) als Trainer des BVB. Sie waren da in einer schwierigen Situation. Doch er hat es geschafft, es wieder komplett ins Rollen zu bringen. Mit absoluten Spitzenspielern. Aber auch der Spirit im Team ist da – die Mannschaft ist bereit zu marschieren“, sagt Hoeneß.

Doch der VfB darf durchaus selbstbewusst anreisen: Nach zuletzt sechs Siegen aus sieben Spielen in der Liga steht man als Vierter auf einem Champions-League-Platz. Nach dem Länderspielblock hat der Coach seine Spieler allerdings lange nicht alle beisammen gehabt, wird daher in Sachen Aufstellung einiges kurzfristig entscheiden. Doch vieles spricht dafür, dass etwa der Ex-Dortmunder Dan-Axel Zagadou in seinem alten Revier in der Startelf steht – und es dann mit seinem Kumpel aus Stuttgarter Tagen, Serhou Guirassy, zu tun bekommt.

Nicht nur Hoeneß freut sich daher auf dieses Spitzenspiel. „Ich spiele gerne gegen Dortmund“, sagt der 43-Jährige, „weil es ein Messen mit einer Mannschaft ist, die einfach spitze ist.“ Vom Begriff Lieblingsgegner will der Stuttgarter Trainer dabei aber nichts wissen.