Der VfB Stuttgart ist noch in allen drei Wettbewerben aussichtsreich im Rennen. Foto: Baumann/Hansi Britsch

Sogar Platz sechs in der Bundesliga kann reichen: Welche Möglichkeiten die Stuttgarter haben, sich einen Startplatz in der Königsklasse 2026/27 zu sichern.

Deniz Undav ist zuletzt nach vorne geprescht. Ohne jeden Interpretationsspielraum. „Ich bin jetzt der Erste, der es sagt“, hatte der Stürmer des VfB Stuttgart jüngst am Rand des jährlichen Termins in der Vesperkirche betont: „Die Champions League ist das Ziel.“ Das hat der Bundesligist aus Bad Cannstatt auch in der eigenen Hand: Stand jetzt wäre man als Tabellenvierter sicher im wichtigsten europäischen Wettbewerb dabei, neun Spieltage stehen noch aus. Aber: Auch wenn der VfB in der Liga zurückfallen sollte, bedeutet das nicht das Ende aller Chancen. Insgesamt vier verschiedene Wege führen für die Stuttgarter in die Königsklasse. Ein Überblick.

 

Die Top-4-Platzierung Hier gibt es nichts zu rechnen und keine Konjunktive. Wird der VfB in der Bundesliga mindestens Vierter, ist er 2026/27 sicher in der Ligaphase der Königsklasse dabei. Die vier deutschen Startplätze sind dabei nicht für alle Zeit unumstößlich, sondern fußen auf der Fünfjahreswertung des europäischen Fußballverbands Uefa. Dort rangiert Deutschland derzeit auf Platz vier – würde man einen Rang abrutschen und von Frankreich überholt werden, hätte das nur noch drei fixe Startplätze zur Folge. Derzeit ist der Vorsprung auf die Ligue 1 aber recht komfortabel, sodass sich auch ab 2027 keine Änderungen andeuten.

Das Rennen um die vier Startplätze ist in der Bundesliga diese Saison so umkämpft wie selten. Derzeit rangieren der VfB und RB Leipzig mit jeweils 47 Punkten auf den Plätzen vier und fünf – halten sie diesen Schnitt, würde das am Saisonende 64 Zähler bedeuten. So viele waren seit Einführung der Drei-Punkte-Regel fast noch nie nötig: Der Durchschnitt aller Tabellenvierten liegt bei knapp 59 Punkten, der Allzeit-Rekord bei 65 Punkten.

Der zusätzliche Startplatz Seit die Königsklasse 2024 in einem neuen Modus ausgespielt wird, vergibt die Uefa Jahr für Jahr zwei Startplätze an die beiden Ligen, deren Teams in der vorangegangenen Saison international am besten abgeschnitten haben. Hier ist die Bundesliga derzeit aussichtsreich im Rennen und liegt hinter der enteilten englischen Premier League auf Rang zwei des Uefa-Rankings.

Sebastian Hoeneß und der VfB empfangen am Donnerstag in der Europa League den FC Porto. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Momentan würde also der Tabellenfünfte aus Deutschland auch in der Champions League spielen – aber: Der Vorsprung auf Spanien und Italien ist hauchdünn. Es wird daher in den kommenden Wochen auf internationaler Bühne auf jedes Ergebnis in den drei europäischen Wettbewerben ankommen, in denen noch fünf deutsche Mannschaften vertreten sind und Ranking-Punkte sammeln können: der FC Bayern und Bayer Leverkusen in der Champions League, der VfB und der SC Freiburg in der Europa League und der FSV Mainz 05 in der Conference League.

Der Fall Leverkusen Selbst als Sechster der Bundesliga könnte sich der VfB für die Champions League qualifizieren, sofern Deutschland sich den zusätzlichen fünften Startplatz sichert und zusätzlich Bayer Leverkusen mitspielt: Gewinnt die Werkself in dieser Saison die Königsklasse und beendet sie zudem die Saison in der Liga als Fünfter, würde auch der Sechste in der Champions League an den Start gehen. Der Hintergrund: Der Titelverteidiger ist in der Königsklasse in der darauffolgenden Saison in jedem Fall dabei, unabhängig von seiner Liga-Platzierung.

Im Juni 2024 wäre Eintracht Frankfurt als Sechster über diese Hintertüre beinahe in die Champions League eingezogen – wenn Borussia Dortmund seinerzeit das Endspiel gegen Real Madrid nicht verloren hätte. Klar ist aber auch: Diese Variante ist in diesem Jahr nicht sonderlich wahrscheinlich. Leverkusen zählt nicht zum engeren Favoritenkreis in der Königsklasse und hat im Achtelfinale mit Arsenal London einen der stärksten Gegner zugelost bekommen.

Die Europa League Komplett in der eigenen Hand hat der VfB den Einzug in die Champions League auch über die Europa League. Gewinnen die Stuttgarter den Wettbewerb in dieser Saison, sind sie 2026/27 sicher in der Königsklasse dabei. Diese Regelung wurde 2015 eingeführt infolge der damaligen Aufwertung der Europa League.

Das ist aber noch weit entfernt – und ein anspruchsvolles Unterfangen, wie der Blick auf den Turnierbaum zeigt: Auf dem Weg in ein mögliches Finale kann der VfB unter anderem auf die beiden englischen Erstligisten Nottingham Forest und Aston Villa treffen, die nominell jeweils über einen höheren Kaderwert verfügen. Und: Zunächst einmal wartet ja ein dicker Brocken im Achtelfinale, in dem an diesem Donnerstag (18.45 Uhr) vor heimischem Publikum das Hinspiel gegen den FC Porto steigt.