VfB-Kapitän Christian Gentner: Panne zum Rückrundenstart Foto: Baumann

Drei Punkte zum Rückrundenauftakt gegen den FSV Mainz 05 waren fest eingeplant. Doch nach der 1:2-Pleite steht der VfB Stuttgart schon wieder unter Druck. Coach Thomas Schneider verspricht: „Gegen den FC Bayern werden wir unser gutes Gesicht zeigen.“ Und wenn nicht?

Drei Punkte zum Rückrundenauftakt gegen den FSV Mainz 05 waren fest eingeplant. Doch nach der 1:2-Pleite steht der VfB Stuttgart schon wieder unter Druck. Coach Thomas Schneider verspricht: „Gegen den FC Bayern werden wir unser gutes Gesicht zeigen.“ Und wenn nicht?

Stuttgart - Wenn die Ansprüche groß sind, die Leistungen aber dürftig, ist es meistens ganz hilfreich, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. So wie Moritz Leitner. „Wir brauchen keine Sprüche zu klopfen, wir müssen jetzt zeigen, dass wir was holen wollen“, beschrieb er nach dem 1:2 gegen den FSV Mainz 05 die neueste Erkenntnis. Schuldig blieb der VfB-Mittelfeldspieler aber die Antwort auf die Frage, warum seine Mannschaft nicht schon die Gelegenheit gegen den Tabellennachbarn genutzt hatte, um jenen Siegeswillen zu demonstrieren, den man sich zum Rückrundenstart so sehr erhoffte.

Ein Erfolg gegen den keinesfalls übermächtigen Gegner und Tabellennachbarn hätte jedenfalls dem Eindruck entgegengewirkt, dass die Macher beim VfB Stuttgart gern über etwas reden, was es noch immer nicht gibt: Fortschritte in der sportlichen Entwicklung.

Sportvorstand Fredi Bobic attestierte seiner Elf nach dem Pannenstart in die Rückrunde lediglich, dass ihr „ein bisschen die Gier“ gefehlt habe, das Spiel gewinnen zu wollen. Eine überaus gütige Diagnose, die vor dem ausverkauften Hinrunden-Nachholspiel gegen die Bayern an diesem Mittwoch (Mercedes-Benz-Arena, 20 Uhr/Sky) genügend Anlass zu der Sorge gibt, der ambitionierte Traditionsclub könnte bald noch näher an den Abgrund rücken, in den er jetzt schon blickt. Achtung, Absturzgefahr! Fragen nach derlei Risiken begegnet Fredi Bobic bis jetzt noch mit routinierter Lässigkeit: „Es ist klar, dass wir mehr Punkte machen müssen.“ Leicht wird das nicht.

Nach dem Kräftemessen mit den Bayern fährt die Elf von Coach Thomas Schneider zum Auswärtsspiel nach Leverkusen. Und gemessen an der Tatsache, dass dem VfB in dieser Saison bisher gerade mal zwei Heimsiege gegen Hoffenheim und Hannover gelangen, sind auch im anschließenden Heimspiel gegen den FC Augsburg keine Großtaten zu erwarten. Die Gäste in der Mercedes-Benz-Arena haben in dieser Saison verblüffend leichtes Spiel: Eine defensiv gut organisierte Elf mit Konter-Qualitäten reicht, um den VfB Stuttgart in Rat- und Hilflosigkeit zu stürzen. Stolpernd im Spielaufbau und berechenbar im Zuschnitt des Angriffsspiels, verliert sich die Mannschaft regelmäßig in der Enge des Raums.

Das ist weder schön noch erfolgreich und zwingt die weiß-roten Häuptlinge zu einer Dialektik, die zum x-ten Mal den Aufbruch propagiert, die wahre Misere aber vertuscht. Die Bilanz leuchtet rot, selbst treueste Fans wenden sich ernüchtert ab, gegen Mainz ­kamen nur noch 38 000. Und wer sich nach der Stimmung im Verein erkundigt, bekommt zur Antwort einen Fingerzeig zum Grau des wolkenverhangenen Himmels.

Das Pfeifkonzert nach der Niederlage gegen Mainz war ein erster Hinweis darauf, dass die Durchhalteparolen nicht mehr verfangen. Die Hoffnung, mit einer guten Rückrunde noch das Ticket fürs internationale Geschäft zu lösen, grenzt in den Augen vieler Fans an Selbstüberschätzung. Eine Haltung, in der sie sich in bester Gesellschaft wiederfinden: Vor dem Spiel, erzählte FSV-Präsident Harald Strutz, hätten einige VfB-Spieler einen Sieg gegen Mainz in den Status der Selbstverständlichkeit erhoben. „Aber die Zeiten, als wir gegen den VfB krasse Außenseiter waren, sind doch längst vorbei“, sagte der Chef der Rheinhessen mit Verweis auf die Tabelle. Dort, wo das Team von FSV-Trainer Thomas Tuchel jetzt steht, wollte sich eigentlich der VfB einnisten.

„Den Anschluss ans obere Tabellendrittel und die Europa League können wir erst einmal vergessen“, urteilt VfB-Coach Schneider. Die Sorge, seine Elf könnte bald schon in Abstiegsgefahr geraten, teilt er naturgemäß nicht. Viel lieber baut der junge Coach auf die Charakterfestigkeit seiner Profis. „Gegen die Bayern werden wir unser gutes Gesicht zeigen“, sagt Schneider, „das ist das, was die Zuschauer von uns erwarten.“

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