Seit dem Hinspiel in der Relegation hat sich in der MHP-Arena noch einmal einiges getan. Zum Saisonauftakt werden die Veränderungen sichtbar. Der Architekt äußert sich zum Stand des Umbaus.
So ein Stadionbesuch ist ja zuvorderst ein visuelles Erlebnis. Es gibt viele Eindrücke, viel zu sehen, viel zu verarbeiten. Ein akustisches Erlebnis ist solch ein Besuch auch – und am kommenden Samstag in Stuttgart ein ganz neues.
Der VfB Stuttgart startet gegen den VfL Bochum in die neue Saison der Fußball-Bundesliga (15.30 Uhr/Liveticker). Und wer drin ist im Stadion, das fortan MHP-Arena heißt, wird den Stadionsprecher Holger Laser anders wahrnehmen als zuletzt. Denn: Die neue Beschallungsanlage ist über den Sommer eingebaut worden. „Die bisherige“, sagt Eberhard Becker, „war noch von 2006.“ Nun verspricht der Architekt des Büros asp Architekten „gute Sprachverständlichkeit und einen guten Sound“. Es ist beileibe nicht die einzige Änderung, die die Zuschauer am Samstag erwartet.
Nach dem letzten Spieltag der Saison 2021/2022 hat der Umbau der Haupttribüne begonnen, noch immer wird „auf Hochtouren“ (Becker) geackert, doch markiert der nun anstehende Saisonstart einen wichtigen Meilenstein. Und der Architekt klingt glücklich und auch ein wenig stolz, wenn er kurz vor dem Auftakt sagen kann: „Tatsächlich können die entsprechenden Bereiche wie geplant in Betrieb gehen.“ Selbstverständlich war das nicht.
Ein überraschend schlechter Baugrund bildete zu Beginn des Umbaus ein erstes Problem. „Bauen im Bestand ist eben immer eine Herausforderung“, sagt Becker. Danach lief es zwar gut weiter, die Teilnahme des VfB an der Relegation kostete dann aber wertvolle Zeit. Es waren nur ein paar Tage, aber „die haben schon wehgetan“. Der Zeitplan hielt dennoch Stand.
Teams ziehen sich noch in der Scharrena um
In der Sommerpause ist die Elektrik der Haupttribüne, auch jene der Flutlichtanlage „umgezogen“, wie der Architekt es nennt. Die Rohbauarbeiten im Innern sind abgeschlossen, die Sitze auf dem neuen Unterrang montiert. Die seitlichen Bereiche können schon wieder genutzt werden, ebenso alle Bereiche des Oberrangs. Die Stadionkapazität erhöht sich dadurch auf 56 589 Zuschauer in dieser Bundesliga-Hinrunde (später 60 000).
Auch in den Katakomben, die komplett neu gestaltet werden, geht es voran. Estricharbeiten sind bereits teilweise abgeschlossen, Verglasungen angebracht. Und „die neuen Umkleidekabinen für die Mannschaften kann man schon erahnen“, sagt Eberhard Becker, „der Ausbau läuft auf Hochtouren.“ Bis Ende des Jahres werden sich die Teams aber noch in der Scharrena umziehen müssen, auch der Pressebereich wird weiterhin dort untergebracht sein. Der Businessbereich ist weiterhin in das Zelt auf der anderen Straßenseite ausgelagert.
Von außen gibt es derweil einiges Neues zu sehen. Die Zugangsbereiche sind neu gestaltet und mit modernen Drehkreuzen ausgestattet. Und die meisten provisorischen Stahltreppen sind verschwunden – zugunsten der markanten Freitreppen, über die man in die Ebene 1, aber auch auf den Oberrang gelangt. An diesen Aufgängen wurde bis zuletzt gearbeitet. Sichtbar montiert ist auch schon der große Schriftzug des neuen Namensgebers der Arena, das MHP-Logo.
Das Zwischenziel ist also erreicht worden, bis zu 300 Menschen gleichzeitig waren im vergangenen Jahr dafür auf der Baustelle tätig. Und immer wieder musste das Stadion zwischendurch so hergerichtet werden, dass Bundesliga-Heimspiele darin stattfinden konnten. „Das hat die Baufirma super hinbekommen, großes Kompliment“, sagt Eberhard Becker, der noch einmal betont: „Es ist ein Mammutprojekt.“ Und bleibt es.
Ende Januar soll alles fertig sein
Das letzte Vorrundenspiel des VfB findet Anfang 2024 auswärts in Mönchengladbach statt, das erste Rückrundenspiel in Bochum. Frühestens am 26. Januar spielen die Stuttgarter dann im neuen Jahr erstmals zuhause – und dann soll der Umbau komplett abgeschlossen sein. Im Sommer finden dann fünf EM-Spiele in Stuttgart statt.
Nach der Partie am kommenden Samstag gehen die Arbeiten also weiter. Nicht irgendwie, wie Eberhard Becker betont, sondern „mit Vollgas“.