Der VfB Stuttgart droht seine nächste Stütze zu verlieren. Kapitän Waldemar Anton wird intensiv umgarnt. Der Club sieht sich einer erneuten Champions-League-Falle gegenüber – nur ist sie anders gelagert als vor rund 15 Jahren.
Der VfB Stuttgart droht weitere seiner Achsenspieler zu verlieren. Nach dem Abgang von Hiroki Ito zu Bayern München war zwar die Vertragsverlängerung von Atakan Karazor ein wichtiges Signal, dieses droht allerdings zu verpuffen. Es sind vor allem Serhou Guirassy, Chris Führich und nicht zuletzt Kapitän Waldemar Anton, deren vertragliche Klauseln sie für den Markt attraktiv machen.
Abwehrchef Anton, der für rund 22,5 Millionen Euro den VfB verlassen kann, hat zwar noch vor wenigen Tagen jegliche Wechselspekulation heruntergespielt: „Das sind am Ende alles Gerüchte, sonst nichts. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Aber was ich sagen kann: Ich bin sehr, sehr glücklich in Stuttgart und superfroh, dort zu sein. Also ich bin nicht auf dem Absprung.“ Doch nun hat er nach Informationen unserer Redaktion ein attraktives Angebot von Bayer 04 Leverkusen vorliegen. Es winkt ein Vertrag über drei Jahre inklusive einer Verdopplung seines schon in Stuttgart stattlichen Gehalts. Sogar Trainer Xabi Alonso soll zweimal bei Anton telefonisch vorstellig geworden sein, um den Innenverteidiger von einem Wechsel zu überzeugen. Der Spanier bot Anton die Rolle des Abwehrchefs an, die in Leverkusen durch den bevorstehenden Abgang von Jonathan Tah zu Bayern München offen ist. Zudem soll es auch aus Dortmund und Liverpool Bestrebungen geben, Anton abzuwerben.
Noch hat Waldemar Anton keine finale Entscheidung getroffen
Zwar ist nach Informationen unserer Redaktion noch keine Entscheidung gefallen, den VfB zu verlassen. Doch der als extrem ehrgeizig geltende Anton ist angesichts der Optionen, die sich plötzlich für ihn auftun, ins Grübeln geraten. Schließlich hat Anton noch Ziele in seiner Karriere, die es zu erreichen gilt. Nämlich Titel zu gewinnen. Die Möglichkeiten hierfür sind in Stuttgart begrenzt, zumal der Kader sich wie beschrieben stark zu verändern droht. Dazu kommt, dass der VfB die Gehälter, die es anderswo zu verdienen gibt, schlicht nicht bieten kann.
Wenn man so will, ist der Club im Begriff, sich erneut mit einer Champions-League-Falle auseinandersetzen zu müssen. Nur ist die aktuelle völlig anders gelagert als vor rund 15 Jahren. Als der Begriff geprägt wurde, der heute ein geflügeltes Wort im VfB-Kontext darstellt, pumpten die damaligen Entscheider Unsummen in den Kader, gaben teuren Neuzugängen langfristige Verträge mit Millionengehältern. Ein Kostenapparat, der den Club irgendwann in die Knie zwang und letztlich zu einer Dekade des Niedergangs führte.
Jetzt sieht die Lage so aus, dass man zwar sportlich gesehen am Tisch mit den Großen sitzen und zumindest eine Saison Champions League spielen darf. Wirtschaftlich gesehen sitzt der Club jedoch weiterhin am Kindertischchen und kann die Avancen der Konkurrenz für seine Spieler nicht kontern.
Klauseln ermöglichen dem VfB marktübliche Ablösen
Doch immerhin: Man hat mit Klauseln vorgebaut. Klauseln, die zu einem Zeitpunkt verhandelt wurden, zu dem man die Entwicklung der vergangenen Saison, die schlussendlich zur Vizemeisterschaft führte, nicht en détail absehen konnte. Das gehört zur ganzen Wahrheit dazu – ebenso wie der Umstand, dass die genannten Spieler ohne Klauseln wohl kaum solch langfristigen Vertragsverlängerungen unterschrieben hätten.
So konnte der Club sich zumindest Ablösesummen in marktüblicher Höhe sichern, anstatt Schlüsselspieler ohne eine solche in ihr letztes Vertragsjahr gehen zu lassen. In den Verhandlungen um Anton, Führich, Ito und Co. hätte der Club so eine noch schlechtere Verhandlungsposition als sowieso schon gehabt. Nun kann er immerhin solide Ablösen generieren. Geld, das in frische Kräfte reinvestiert werden kann.