Mit Muskelkraft auf dem Gravelbike nach Berlin: die VfB-Freunde Tim Denneler (links), Marco Turzer (Mitte) und Jonas Eckensberger. Foto: Privat

Pokalfieber auf zwei Rädern: Diese Männer sind mit dem Fahrrad auf den Weg nach Berlin zum Finale – aus Liebe zum Club. Ein exklusiver Einblick.

120 Kilometer Fahrrad fahren pro Tag. Jeden Tag. Dieses Abenteuer teilen fünf Freunde, die gemeinsam als VfB-Fans nach Berlin radeln. Ziel ist das Finale des DFB-Pokals (Samstag, 20 Uhr/ZDF) gegen Arminia Bielefeld im Olympiastadion.

 

Während tausende Fans Bahn und Bus nutzen oder Fahrgemeinschaften bilden, haben sich diese fünf für eine andere, deutlich anstrengendere, aber auch leidenschaftlichere Anreise entschieden.

Aus Worten werden Taten

„Entstanden ist die Idee, als wir beim Viertelfinale gegen Augsburg im Stadion waren. Wir dachten: Wenn es der VfB wirklich ins Finale schafft, müssen wir nach Berlin hinradeln!“, erinnert sich Marco Turzer lachend. „Im Halbfinale gegen Leipzig waren wir wieder im Stadion, und plötzlich stand es 2:0 für unseren VfB. Wir dachten uns nur: Mist, das müssen wir jetzt auch durchziehen.“

Endgültig beschlossen wurde die Radtour in einer Gruppe bestehend aus Turzer und zwei seiner Freunde. Doch die Idee des Trios fand im Bekanntenkreis weiteren Zuspruch – aus ursprünglich drei wurden so fünf Radler. Die vollen 650 Kilometer von Stuttgart bis nach Berlin absolviert allerdings nur Jonas Eckensberger, der den Weg bis Nürnberg alleine zurückgelegt hat. Dort traf er zwei weitere Teammitglieder, die nach einer Feier in Nürnberg erst im Frankenland aufs Rad stiegen; zwei weitere Mitfahrer waren zum letzten Bundesliga-Spiel des VfB nach Leipzig gereist (3:2) – und treten seither mit der Gruppe in die Pedale.

Frühzeitiger Glaube ans Endspiel

Als der Finaleinzug des VfB feststand, hatten Turzer und Co. bereits seit zwei Monaten ihre Unterkunft in der Hauptstadt gebucht. „Wir haben einfach auf Verdacht an unseren Verein geglaubt. Das hat uns einiges an Kosten erspart“, sagt der gelernte Dienstleistungsmanager, dessen Hotelzimmer inzwischen im Preis um das Dreifache gestiegen ist.

Anspannung – oder sogar Angst – , die Strecke nicht bewältigen zu können, herrscht keine in der Gruppe. „Alle Jungs sind sportlich. Ankommen werden wir auf jeden Fall“, ist sich Turzer sicher. Er selbst hat die Welt des Radsports erst vor einem Jahr für sich entdeckt. Zurückgelegt wird die Strecke auf sogenannten Gravelbikes (engl.: Schotterräder). Aufgrund ihrer dicken, für Schotterpisten geeigneten Reifen sind diese auf glattem Asphalt etwas langsamer als herkömmliche Rennräder. In puncto Komfort übertrumpfen die Gravelbikes ihre Konkurrenten hingegen um ein Vielfaches. Außerdem ermöglichen sie es, auch unebenen Untergrund unbeschwert zu überqueren.

Allerdings ist Luxus im Radsattel keineswegs Trumpf – denn viel Proviant können die fünf Männer nicht mitnehmen. „Ein paar Energieriegel und Werkzeug für das Fahrrad. Mehr Extras passen in die Satteltaschen gar nicht rein. Wir machen unsere Essenspausen in Cafés und Restaurants, und abends suchen wir spontan eine Unterkunft. Dort können wir dann auch duschen.“ Unterwäsche, Socken, eine kurze und eine lange Hose, dazu ein Shirt, ein Pulli und eine Jacke gehören zur Ausrüstung. Der Rest der Kleidung bleibt daheim. „Während der Fahrt tragen wir unsere Fahrradklamotten. Und darüber ein VfB-Trikot. Um Präsenz zu zeigen.“

Live-Updates auf Instagram

Bleibt man im Plan, wird das Quintett bereits am Freitag im Herzen der Hauptstadt, auf dem Platz vor dem Brandenburger Tor, ankommen. Denn dort liegt das Ziel der Radreise. Auf ihrem Instagram-Kanal (@tourdepokalfinale) wird sich zeigen, ob dieser tatsächlich aufgeht. Die Männer posten tägliche Updates zu den Höhen und Tiefen ihrer Reise – für Familie, Freunde und Interessierte. Und als Erinnerung für sich selbst.

Am Sonntag geht es dann wieder zurück ins Ländle – diesmal per ICE. Einen Tag Pause nach dem Trubel der Reise – inklusive des Stadionbesuchs am Samstag – haben die Männer nicht. „Wir müssen am Montag alle wieder arbeiten. Mit der Bahn wird die Fahrt entspannt, aber wir werden alle brennenden Muskelkater in den Beinen haben“, erzählt Marco Turzer – und beendet die Einblicke in sein Radfahrerleben mit den Worten: „... und hoffentlich ein ordentliches Lächeln im Gesicht.“