Maximilian Mittelstädt hat gleich mehrere Bestwerte inne – sowohl teamintern als auch im Bundesliga-Vergleich. Foto: Pressefoto Baumann/Volker Müller

Wie haben sich Ballbesitz und Passquote beim VfB im Vergleich zur Vorsaison verändert? Welche Stuttgarter Profis führen ligaweit Ranglisten an? Ein Blick in die Datenbanken nach dem ersten Saison-Halbjahr.

Tabellarisch überwintert der VfB Stuttgart als Zehnter im dicht gedrängten Mittelfeld, statistisch aber reiht sich das Team von Sebastian Hoeneß in mehreren Bereichen weiter oben oder auch unten ein. Ein Blick auf die auffälligen Fakten nach den bisherigen 15 Bundesliga-Spieltagen – und auf die Veränderungen im Vergleich zur Vorsaison.

 

Ballbesitz – Dass der VfB gerne den Ball hat, gilt unverändert: Durchschnittlich 57 Prozent bedeuten den exakt gleichen Wert wie in der vergangenen Spielzeit und momentan Rang vier in der Bundesliga. Auch die Passquote ist auf den ersten Blick mit 86,8 Prozent weiter hoch und nur um 1,6 Prozent niedriger als in der Vorsaison. Das klingt nach einer Kleinigkeit – aber: In dieser Statistik wirken sich schon Nuancen aus, die gesamte Bundesliga bewegt sich in einem engen Korridor zwischen 91 Prozent (FC Bayern) und 77 Prozent (VfL Bochum). Exemplarisch zeigt sich die etwas höhere Fehlpassquote am passsichersten Stuttgarter Angelo Stiller, der um zwei Punkte fiel auf 90,6 Prozent. In den Top 20 der Liga ist er damit aber immer noch – ebenso wie sein Mittelfeld-Nebenmann Atakan Karazor.

Offensive – Mit 29 Toren aus 15 Spielen weist der VfB einen absolut konkurrenzfähigen Wert auf – es hätten aber noch mehr Treffer sein können. Allein sieben Mal scheiterten die Stuttgarter am Aluminium (Platz 3 im Ligavergleich), kein Bundesliga-Profi traf häufiger Pfosten oder Latte als Chris Führich (drei Mal). Auch die Expected Goals – die Zahl der zu erwartenden Tore aufgrund der Chancenqualität – liegen mit 32 über den tatsächlich erzielten Treffern. Dennoch bilden knapp zwei Tore pro Spiel unter dem Strich einen guten Schnitt.

Defensive – In Summe ist die Zweikampf-Quote der VfB zwar stark mit 51,5 Prozent gewonnen direkten Duellen – Rang drei hinter dem FC Bayern und Bayer Leverkusen. Aber: Punktuelle Aussetzer und einfache Fehler laden die Gegner in dieser Saison immer wieder zum Toreschießen ein, was bereits zu 25 Gegentoren geführt hat. Hochgerechnet eine komplette Spielzeit würde das am Ende 57 Gegentreffern bedeuten – ohne Frage zu viel, um in interessante Tabellenregionen vorzustoßen.

Laufleistung – Hier bewegt sich der VfB wie in der Vorsaison in eher unteren Regionen. 114,6 Kilometer pro Spiel bedeuten Platz 13 und immerhin knapp sieben Kilometer weniger als die Laufkönige des FC St. Pauli. Aber: Etwas geringere Umfänge sind für Mannschaften mit Spielkontrolle und Ballbesitz hier keine Seltenheit, auch Borussia Dortmund reiht sich zum Beispiel bislang in dieser Statistik in der unteren Tabellenhälfte ein.

Nick Woltemade beendete die Stuttgarter Elfmeter-Flaute. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Flanken – Hereingaben von außen sind ein fester Bestandteil im Spiel des VfB, der in dieser Saison gut elf Mal pro Partie flankt und damit nur von der TSG Hoffenheim (12,3) knapp übertroffen wird. Maßgeblicher Stuttgarter Akteur ist hierbei ohne Frage Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt, der mit 53 Flanken aus dem Spiel heraus die Bundesliga-Rangliste anführt und bislang auch die meisten Stuttgarter Torvorlagen (4) in dieser Saison gegeben hat. Die Kehrseite: Das Flügelspiel ist linkslastig.

Elfmeter – Bereits vier Strafstöße bekam der VfB in dieser Saison zugesprochen – die zweitmeisten der Bundesliga nach dem FC Bayern. Während bei den Münchnern aber Harry Kane fünf von fünf verwandelte, entwickelte sich beim VfB das Flattern vom Elfmeterpunkt zum relevanten Manko. Nach drei verschossenen Elfmetern brach Nick Woltemade beim 1. FC Heidenheim (3:1) im letzten Auswärtsspiel des Jahres 2024 vorerst den Bann. Das Thema wird wohl weiter auf dem Tisch bleiben, da bei einem offensiv ausgerichteten Team wie dem VfB mit verhältnismäßig viel Präsenz in des Gegners Hälfte weitere Strafstöße zu erwarten sind: Schon in der Vorsaison bekamen die Stuttgarter acht Elfmeter und damit die zweitmeisten in der Liga zugesprochen.

Tempo – Der schnellste Stuttgarter in dieser Saison ist bislang ein Joker: Beim derzeit verletzten Justin Diehl wurden 36,08 km/h gemessen – was Platz 7 unter allen Bundesliga-Profis in dieser Saison bedeutet. Ganz oben thront der Heidenheimer Sirlord Conteh, dessen 36,82 km/h einen Bestwert seit Beginn der Datenaufzeichnung im Jahr 2011 darstellen. Das wird für Diehl womöglich schwierig zu erreichen sein, wohingegen sich der teaminterne Stuttgarter Bestwert der Vorsaison in Reichweite befindet. Den stellte Silas Katompa mit 36,15 km/h auf.