Tanguy Coulibaly (links) und Enzo Millot haben sich zuletzt im Training aufgedrängt. Foto: Baumann

Nach schwierigen Wochen machen die beiden jungen Franzosen beim VfB auf sich aufmerksam – und könnten dem Stuttgarter Angriffsspiel mehr Variabilität verliehen. Trainer Bruno Labbadia lobt und mahnt zugleich.

Es ist noch gar nicht so lange her, da hatten Tanguy Coulibaly und Enzo Millot beim VfB Stuttgart einen schweren Stand. Beide Offensivspieler bekamen im Januar von ihren Vorgesetzten deutliche Ansagen – öffentlich und unmissverständlich. Zuerst Coulibaly, der im Trainingslager nach einem Disput mit Trainer Bruno Labbadia vorzeitig in die Kabine musste. „Ab und an ist es wichtig, klar die Richtung vorzugeben“, sagte Sportdirektor Fabian Wohlgemuth seinerzeit. Wenig später handelte sich dann Millot einen verbalen Rüffel von Labbadia ein. „Bei ihm passen momentan die Trainingsleistungen nicht zu dem, was wir brauchen“, kritisierte der Coach. Nicht einmal einen Kaderplatz hatte er damals für den 20-Jährigen.

 

Jetzt, einige Wochen später, hat sich die Lage verändert. Ein wenig zumindest. Sowohl Coulibaly als auch Millot bekamen beim 3:0 gegen den 1. FC Köln ihre Chance – und nutzten sie. Coulibaly beschenkte sich an seinem 22. Geburtstag mit einem Tor kurz nach seiner Einwechslung selbst (74.), Millot überzeugte in seiner kurzen Einsatzzeit ab der 80. Minute mit ballgewandten Aktionen und einer Passquote von 100 Prozent. Fast hätte auch er sich noch mit einem Treffer nach Vorlage von Coulibaly belohnt (86.). Vom Trainer gab es im Anschluss ein explizites Lob für das Duo aus der zweiten Reihe. „Sie haben aufgeschlossen“, sagte Labbadia, „das war in den letzten beiden Wochen einfach zu spüren, die beiden haben Druck gemacht.“

Beide Profis ließen ihr Können schon aufblitzen – aber nicht regelmäßig

Dass Coulibaly und Millot das Zeug für regelmäßige Bundesliga-Einsätze haben, davon sind sie beim VfB schon eine ganze Weile überzeugt. Beide kamen als typische Transfers des Ex-Sportdirektors Sven Mislintat nach Stuttgart, dessen Faible für Talente aus Frankreich den Kader noch immer prägt. Coulibaly stieß 2019 aus der A-Jugend von Paris Saint-Germain zum VfB, Millot zwei Jahre später von AS Monaco.

Das Potenzial der beiden blitzte seitdem immer mal wieder auf. Coulibaly machte insbesondere Ende 2020 Furore: als Torschütze gegen den FC Bayern und beim fulminanten 5:1 bei Borussia Dortmund. Dauerhaft aber brachte er solche Leistungen nicht auf den Platz. Zu verschnörkelt, zu ineffektiv im Eins-gegen-eins, nicht fleißig genug im Rückwärtsgang – die Liste der Kritikpunkte ist lang. Coulibaly schien in einer Sackgasse, versehen mit dem unschmeichelhaften Stempel des ewigen Talents.

Auch bei Millot war Labbadia zunächst gar nicht einverstanden mit den Trainingsleistungen, seit einigen Wochen haben sich diese verbessert. Wie der Trainer das findet, kann man sich denken: „Das ist gut. Wir haben jetzt mehr Alternativen dadurch.“

Labbadia: „Entscheidend wird bei beiden sein: Bleiben sie dran?“

Tatsächlich könnten Coulibaly und Millot dem Stuttgarter Spiel zusätzliche Optionen geben, die so bislang nicht in Hülle und Fülle vorhanden waren. Coulibaly als Linksfuß auf dem offensiven Flügel, der auch von der rechten Seite ins Zentrum ziehen kann. Wie bei seinem Tor gegen die Kölner. Und Millot etwas weiter im Zentrum als Techniker, der mit präzisen Pässen auch gegen tief verteidigende Gegner freie Räume und Mitspieler findet. Vor allem in seinen Startelfeinsätzen im vergangenen Herbst unter Interimstrainer Michael Wimmer hatte sich diese Fähigkeit als wertvolle Ergänzung zum schnellen Umschaltspiel erwiesen, für das Silas Katompa und Co. stehen.

Ob Coulibaly und Millot im wichtigen Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 an diesem Samstag (18.30 Uhr) weitere Einsatzzeit bekommen, ist allerdings längst noch nicht ausgemacht. Der Schlüssel, betont Labbadia, sei die tägliche Trainingsleistung. „Entscheidend wird bei beiden sein: Bleiben sie dran?“ Für Coulibaly stellt sich diese Frage mit einer etwas höheren Dringlichkeit: Sein Arbeitspapier endet im Sommer, schon in den vergangenen Transferperioden wären die Stuttgarter dem Vernehmen nach bei einem entsprechenden Angebot gesprächsbereit gewesen. Es kam nicht – und Coulibaly blieb. Für eine Vertragsverlängerung über die laufende Saison hinaus aber dürfte er noch viele weitere Auftritte wie zuletzt gegen die Kölner benötigen. Und konstant gute Trainingsleistungen.

Wenn diese ausbleiben? Dann wird Labbadia bei Coulibaly und Millot ziemlich sicher als Quälgeist und Antreiber auf der Matte stehen. „Mit beiden habe ich ja schon öfters Gespräche geführt“, sagt der Trainer, „gerade bei solchen Leuten lasse ich nicht nach, sondern versuche immer wieder dranzubleiben.“ Fürs Erste hat es gefruchtet.