Wer ist am Ende obenauf? Lorenz Assignon (li.) und Josha Vagnoman sind beim VfB Konkurrenten auf der Position des Rechtsverteidigers. Foto: IMAGO/Sven Simon

Lorenz Assignon überzeugt beim VfB mit Offensivdrang – und liegt im Duell mit Josha Vagnoman derzeit vorne. Im Spiel beim FC Bayern dürfte aber mehr Defensivstärke gefordert sein.

Das Bild, welches sich die Sportjournalisten aus der Bretagne über den Rechtsverteidiger Lorenz Assignon von Stades Rennes gemacht haben, es ist ein fein beobachtetes – denn es besitzt bis heute weitgehend Gültigkeit: So stehe die Ampel mit Blick auf die erhobenen Spieldaten bei Assignon „überall auf Grün, wenn es um das Spiel nach vorne geht. Raumgewinn mit Ballbesitz, Passquote nach vorne, Anzahl der Ballkontakte – all das passt“, hieß es bereits vor einem Jahr über Assignon, der für Stade Rennes mit Ausnahme von zwei Gelbsperren sämtliche Spiele in der Ligue 1 bestritt.

 

Allerdings weise das Spiel des Franzosen im Rückwärtsgang auch Schwächen auf. „So ist seine Zweikampfquote defensiv ausbaufähig – oft bleiben hinter ihm Lücken im Defensivverbund“, so das Urteil der Franzosen, welches den VfB aber nicht abschreckte, Lorenz Assignon für zwölf Millionen Ablöse zu verpflichten – und mit einem Vertrag bis 2029 auszustatten. Schließlich hatte die Vorsaison den Stuttgartern gezeigt, dass man mit dem Trio Josha Vagnoman, Leonidas Stergiou und Pascal Stenzel hinten rechts nicht optimal aufgestellt war.

Es folgte eine VfB-Premierensaison mit einigen Höhen und zunächst eindeutig mehr Tiefen bei Assignon, der aber in den letzten Partien für jedermann ersichtlich den Turbo gezündet hat: Gegen den FC Augsburg (5:2), Borussia Dortmund (0:2) und den Hamburger SV (4:0) stand der schnelle Außenverteidiger mit Offensivdrang dreimal in Folge in der Startelf – das hat es für den 25-Jährigen aus dem südfranzösischen Grasse in der Bundesliga zuvor noch nicht gegeben.

Lorenz Assignon („Stuttgart ist die beste Option für meine Weiterentwicklung“) machte auf der rechten Seite ordentlich Dampf, setzte einen Gegenpunkt zum gerne mal linkslastigen VfB-Spiel – und zeigte gerade gegen Dortmund, dass ein System mit Dreierkette hinten drin und mit ihm als Schienenspieler auf der rechten Bahn das für ihn bevorzugte ist. Als gegen den BVB die beiden Gegentore fielen, war der Franzose bereits draußen. Und dennoch bleibt ein großes Manko: mit null Torvorlagen und null Toren in der Bundesliga bleibt seine Effizienz ein großes Thema.

Seit acht Spielen kaum Einsatzzeit

Dennoch hat Assignon im internen Duell mit Josha Vagnoman, der in Liga und Europa League zunächst regelmäßig auflief, zuletzt klar die Nase vorne. So hat Vagnoman seit der 1:2-Niederlage Anfang Februar auf St. Pauli in keinem der acht zurückliegenden Bundesligaspiele mehr als 13 Minuten gespielt. Auch wenn er zwischenzeitlich mit Oberschenkelproblemen ausfiel, so stellt die aktuell geringe Einsatzzeit im Duell mit Assignon für den Rechtsverteidiger auch ein Problem auf ganz anderer Ebene dar.

Schließlich wird der Bundestrainer Julian Nagelsmann am 12. Mai seinen Kader für die Fußball-WM bekannt geben – und Josha Vagnoman war in dieser Hinsicht zuletzt nicht chancenlos. Zur leichten Verwunderung vieler Fans und Experten stand der gebürtige Hamburger im deutschen Aufgebot für die März-Länderspiele in der Schweiz (4:3) sowie in Stuttgart gegen Ghana. In einem Kader also, der laut Nagelsmann bereits sehr große Ähnlichkeit mit dem WM-Aufgebot aufweise. Auch Vagnoman sei auf der Position des Rechtsverteidigers „in der Verlosung“.

Josha Vagnoman (hinten) verliert vor dem 1:1 den Zweikampf gegen Ghanas Derrick Köhn. Foto: Baumann/Volker Müller

Doch Werbung in eigener Sache konnte der 25-Jährige im DFB-Dress nicht betreiben: Beim 2:1-Sieg gegen Ghana in der 61. Minute für den VfB-Teamkollegen Angelo Stiller eingewechselt, machte er beim zwischenzeitlichen Ausgleich der Afrikaner durch Abdul Fatawu keine gute Figur, weil er zuvor den entscheidenden Zweikampf gegen Ghanas Derrick Köhn von Union Berlin verlor. Viel zu ungestüm war da der Einsatz Vagnomans in seinem zweiten A-Länderspiel. „Da ist er zu aggressiv auf den Ball gegangen, statt den Gegner abzulaufen“, kritisierte der Bundestrainer.

Bereits im März 2023 hatte Vagnoman unter dem Nagelsmann-Vorgänger Hansi Flick mit einem Kurzeinsatz in einem Test gegen Belgien (2:3) in der Nationalelf debütiert – sozusagen als erster VfB-Profi der Generation Aufschwung. Im internen Duell mit dem teuren Neuzugang Assignon hat er dann in dieser Runde als vermeintlicher Underdog lange sehr gut dagegengehalten. Doch die zuletzt rapide zurückgegangene Spielzeit könnte sich für den Defensivmann, der beim DFB einst sämtliche Junioren-Nationalteams durchlief, mit Blick auf die WM-Chancen zum großen Problem auswachsen.

Neue Chance für Vagnoman in München?

Allerdings ist der Profifußball ein schnelllebiges Geschäft. An diesem Sonntag (17.30 Uhr) steht das Gastspiel des VfB beim FC Bayern München an. Angesichts des 105-Tore-Rekordsturms des Meisters dürften im Team von Trainer Sebastian Hoeneß gerade in der Abwehr Defensivqualitäten gefragt sein. Das spricht eher gegen Assignon. Ob es allerdings gleichsam ein Indiz für einen Startelfeinsatz von Josha Vagnoman ist, bleibt abzuwarten.