Der VfB Stuttgart und der FC Bayern standen sich bisher in zwei Finalspielen um den DFB-Pokal gegenüber. Die klare Erkenntnis: Der VfB hat reichlich Verbesserungspotenzial.
Es ist kein großer Fußball-Sachverstand nötig, um vorherzusagen, dass der VfB Stuttgart im Pokalfinale am 23. Mai gegen den FC Bayern der klare Außenseiter sein wird. Das lehrt die aktuelle Saison, in der die Münchner durch einen 4:2-Sieg gegen den VfB bereits vier Spieltage vor Schluss Meister wurden (mit nun schon 109 erzielten Treffern) und ins Halbfinale der Champions League eingezogen sind. Und diese Erkenntnis unterstreicht auch ein Blick in die Vergangenheit.
Bisher bestritten der VfB und der FCB in Berlin zwei Endspiele um den DFB-Pokal gegeneinander – beide gewannen die Bayern. Oder anders ausgedrückt: Für das Team aus Stuttgart bietet sich in vier Wochen die perfekte Möglichkeit, die Bilanz gegen den großen Konkurrenten aus München aufzubessern.
VfB-Torhüter Armin Jäger hält einen Elfmeter
Das erste Finale, in dem sich die beiden Clubs trafen, fand am 3. Mai 1986 statt. Eine Woche zuvor hatten Doppeltorschütze Karl Allgöwer und der VfB durch einen 2:1-Sieg gegen Werder Bremen dem FC Bayern doch noch zur schon verloren geglaubten Meisterschaft verholfen, die Dankbarkeit dafür hielt sich allerdings in Grenzen. Nach jeweils zwei Toren von Roland Wohlfarth und Michael Rummenigge führte der Favorit, obwohl Lothar Matthäus mit einem Elfmeter an Torhüter Armin Jäger gescheitert war (56.), 20 Minuten vor dem Ende mit 4:0. Für den VfB betrieben Guido Buchwald (75.) und Jürgen Klinsmann (85.) anschließend Ergebniskosmetik. Dazwischen lag der dritte Treffer von Roland Wohlfarth (78.). Das 2:5 bedeutete die erste Niederlage des VfB in einem Pokalfinale (nach den beiden Siegen 1954 und 1958), und auch Roland Wohlfarth schrieb Geschichte: Er ist bis heute der einzige Bayern-Stürmer, der in einem Pokalendspiel drei Tore erzielt hat.
Knapp zwei Monate nach der Partie in Berlin standen einige Kicker aus Stuttgart und München dann erneut in einem Finale gemeinsam auf dem Feld – diesmal im Trikot der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Mexiko. Karlheinz Förster (VfB), Norbert Eder, Lothar Matthäus und Dieter Hoeneß (alle FCB) verloren gegen die argentinische Elf, in der Superstar Diego Maradona Regie führte, mit 2:3. Zum WM-Kader von Teamchef Franz Beckenbauer gehörten damals auch Karl Allgöwer (VfB) und Klaus Augenthaler (FCB).
Am 1. Juni 2013 waren die Rollen in Berlin noch klarer verteilt als 27 Jahre zuvor. Vor dem Pokalendspiel gegen den VfB Stuttgart hatte der FC Bayern schon die Meisterschaft und die Champions League gewonnen, nun wollte Trainer Jupp Heynckes mit seinem Starensemble das Triple perfekt machen. Es entwickelte sich ein Offensivspektakel auf Augenhöhe, in dem beide Mannschaften am Ende auf 17 Torschüsse kamen. Die besten Spieler beim VfB in diesem Pokalfinale waren Keeper Sven Ulreich (heute Ersatztorhüter beim FC Bayern) und Martin Harnik.
Obwohl Ulreich eine starke Partie machte, sah der Favorit aus München nach Treffern von Thomas Müller (37./Foulelfmeter) und dem ehemaligen VfB-Torjäger Mario Gomez (48./61.) nach einer guten Stunde schon wie der sichere Sieger aus. Doch der Außenseiter schlug zurück. Nach einem Doppelpack von Martin Harnik (71./80.) zum 2:3 war die Partie plötzlich wieder offen – der Ausgleich gelang dem von Bruno Labbadia trainierten Außenseiter allerdings nicht mehr. Weshalb die Bilanz des VfB in Pokalendspielen gegen den FCB durchaus ausbaufähig ist. Vielleicht ändert sich das ja am 23. Mai – beim dritten Aufeinandertreffen in Berlin.