Die Mannschaft feiert mit den Fans vor dem Auswärtsblock – mit dem Finalshirt der organisierten Szene. Foto: AFP/Ronny Hartmann

Auch in Leipzig kann sich der VfB Stuttgart wieder einmal auf seine Anhänger verlassen. Das zeigte sich vor allem nach dem Abpfiff. In Berlin will man nun Maßstäbe setzen.

Es war ein Bild, das an Symbolkraft und Aussage kaum mehr überboten werden konnte. Während die Leipziger Mannschaft wie geprügelte Hunde eine „Ehrenrunde“ im Stadion drehen „durfte“ und ein lieblos bedrucktes Transparent vor sich hertrug, holten die Betreuer des VfB Stuttgart blitzschnell einen Karton aus den Katakomben.

 

Und als Leipzigs Kapitän Willy Orban einige Worte an die Heimfans richten wollte – aber kaum noch jemand in der Heimkurve stand, denn die Leute hatten das Stadion schon in der Schlussphase der Partie in Scharen verlassen – musste der Abwehrrecke seine Rede immer wieder unterbrechen. Weil der Jubel aus dem Stuttgarter Auswärtsblock so laut war, dass man Orbans Worte trotz auf die Stadionlautsprecher gelegtem Mikrofon kaum verstehen konnte.

Vor den gut 5000 mitgereisten Stuttgartern hüpfte die VfB-Mannschaft auf und ab, tollte herum wie ein Rudel junger Hunde. Nikolas Nartey, der nach fast zwei Jahren verletzungsbedingter Pause noch einmal einen Pflichtspieleinsatz feiern durfte, ehe er den Club verlassen wird und Dan-Axel Zagadou, der nach langen Monaten in der Reha erstmals wieder im Spieltagskader stand, wurden an den Zaun geschickt, durften sich Sonderapplaus abholen.

Mehr Symbolik geht kaum

Alle hatten sich das Shirt übergezogen, das Betreuer aus dem Karton gezogen hatten. Es war das Pokalshirt der organisierten Szene, mit dem Finalmotiv auf der Brust und der Rückennummer 12, die den berühmten „zwölften Mann“, also die Unterstützung der Fans verkörpert. Mehr Symbolik geht kaum. Auch der Club würdigte die Situation entsprechend, setzte mehrere Posts auf Social Media dazu ab.

Tausende dieser Shirts haben die Ultras in Eigenregie drucken lassen, die ersten 10 000 Stück wurden persönlich mit dem Sprinter beim Produzenten in Italien abgeholt. Und gute drei Dutzend davon hatten es zur Mannschaft geschafft, wo mit Fabian Bredlow ein Spieler engen Kontakt zur Szene hält.

Die drei VfB-Torschützen von Leipzig. Foto: imago/Jan Huebner

Es war wieder einmal ein Beweis dafür, wie eng die Bande zwischen Mannschaft und Anhängern ist. Immer wieder profitiert die Truppe davon, so auch in Leipzig, wo die Fans die Mannschaft durch die nicht ganz so gute Phase vor der Halbzeit trugen und so ihren Teil dazu beitrugen, dass der VfB die Partie drehen konnte. „Wir wussten, dass wir in der Bundesliga mit die krassesten Fans haben. Egal wie schlecht es während der Saison auch mal war: Die Kurve war immer da. Das war das Wichtigste“, gab Stürmer Deniz Undav nach dem Spiel zum Besten und feierte die Anhängerschaft richtiggehend ab.

„Es war unser Ziel, mit einem guten Gefühl nach Berlin zu fahren“, führte Undav weiter an. „Das war ein Charakter-Spiel, wir sind nach zwei Rückständen zurückgekommen. Ich weiß, dass noch viel mehr in der Mannschaft steckt.“ Mit Blick auf das Endspiel am kommenden Samstag verriet Undav, dass die Mannschaft weiter in Kontakt mit der Szene stehe. „Wir haben alle ein Ziel. Dafür werden wir alles geben und ich weiß, dass die Fans sich was Gutes ausgedacht haben.“

Es scheint also, als haben die Stuttgarter Fans für das Endspiel in Berlin eine besondere Aktion geplant. Wie so etwas dann aussehen kann, zeigten die befreundeten Anhänger aus Kaiserslautern im Pokalfinale 2024. Die riesige, die komplette Ostkurve des Berliner Olympiastadions überspannende Choreografie mit einem monströs großen roten Teufel als zentrales Motiv sucht seither ihresgleichen.