Die Unterschriften unter die Investorenverträge sind getätigt, letzte Details des Porsche-Deals aber immer noch nicht geklärt. Sie entscheiden am Ende darüber, in welcher Höhe sich der Sportwagenhersteller beim VfB Stuttgart beteiligt.
Lange hat es sich hingezogen, nun steht der Einstieg von Investor Porsche beim VfB Stuttgart kurz vor dem Abschluss. Die Verträge sind frisch unterschrieben, auch die formale Zustimmung der beiden bisherigen Investoren Mercedes und Jako ist erfolgt. Mercedes hält aktuell noch 11,61 Prozent der Anteile, Ausrüster Jako 1,16 Prozent. Porsche erwirbt in einem ersten Schritt fünf Prozent der Aktien, die weitere Aufstockung soll im kommenden Jahr erfolgen. Durch den Anteilserwerb des Sportwagenherstellers verringern sich die Mercedes-Anteile minimal – beide Autobauer sollen künftig in gleichem Maße beteiligt sein.
Das nun erfolgte so genannte Signing bedeutet einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum Porsche-Einstieg. In einem ersten Schritt erhält der Fußball-Bundesligist rund 20 Millionen Euro von seinem Investor. Die zweite Tranche in ähnlicher Höhe soll im kommenden Jahr fließen.
Weder Porsche noch der VfB wollten den Vertragsabschluss offiziell bestätigen. Man sei „voll im Zeitplan“, hieß es. Der Abschluss des Fusionskontrollverfahrens durch das Kartellamt gilt als Formsache. Spätestens Mitte November wird das Closing erwartet – dann ist der Deal endgültig vollzogen.
Ein wichtiges Detail gilt aber noch immer nicht als geklärt: Die Frage, ob Porsche als eigenständiges Unternehmen gesehen wird oder als Tochterunternehmen von VW. Hintergrund sind Regularien seitens der Deutschen Fußball Liga (DFL), die einen zu starken Einfluss von Investoren verhindern sollen. VW ist über die Tochtergesellschaft VW Group Services GmbH bekanntermaßen alleiniger Besitzer des VfL Wolfsburg; die VW-Tochter Audi mit 8,33 Prozent beim FC Bayern München beteiligt. Mehr als drei Beteiligungen ein und desselben Investors innerhalb des DFL-Bereichs der ersten und zweiten Liga sind nicht zulässig. Was zum Problem werden könnte, sollte Drittligist FC Ingolstadt irgendwann in die zweite Liga zurückkehren. Denn auch dort hält VW über Audi Anteile in Höhe von 19,94 Prozent.
VW-Tochter oder eigenständiger Investor? DFL prüft den Porsche-Fall noch immer
Sollte die DFL der Argumentation Porsches folgen, infolge des Börsengangs 2022 als eigenständiges Unternehmen zu gelten, wären alle Beteiligten fein raus. Noch fehlt das grüne Licht der DFL. Es entscheidet am Ende auch darüber, in welchem Umfang genau die Porsche-Anteile beim VfB liegen werden. Denn mit mehr als zehn Prozent darf niemand an mehr als einem Club beteiligt sein – ein Kriterium, das VW ja bereits mit dem VfL Wolfsburg erfüllt. Auch hier geht es also um die Frage, ob und inwieweit Porsche nach dem Börsengang als eigenständig gilt. Die Meinungen von Rechtsexperten gehen auseinander.
Letztlich würde sich der VfB aber auch mit einem Porsche-Einstieg von „nur“ 9,99 Prozent gut arrangieren können.