Gewohntes Bild bei den VfB-Frauen, die schon 30 Saisontore bejubeln konnten. Foto: Baumann

Die Frauen des VfB Stuttgart befinden sich erneut auf Aufstiegskurs. Gelingt der erneute Durchmarsch muss vor allem eine wichtige Frage beantwortet werden.

Zugegeben: Der VfR Warbeyen war nicht die allerhöchste Hürde, die die Frauen des VfB Stuttgart in dieser Saison überspringen mussten. Der Club aus dem Stadtteil von Kleve in Nordrhein-Westfalen ist aktuell Letzter der zweiten Liga, das 7:2 der Stuttgarterinnen war also beinahe standesgemäß. Und doch könnte diesem Sieg irgendwann historische Bedeutung beigemessen werden.

 

Denn an diesem 9. Spieltag dieser Zweitligasaison haben die VfB-Frauen erstmals die Tabellenführung übernommen. Das ist einerseits beachtlich, da die Mannschaft des Trainers Heiko Gerber als Aufsteiger ins Rennen gegangen ist. Andererseits untermauert diese Momentaufnahme nur die Ansprüche des VfB, auch mit seiner weiblichen Topmannschaft bald erstklassig zu sein. Und sie nährt vor der Partie beim SV Meppen (Sonntag, 11 Uhr) die Hoffnung, dass erneut der Durchmarsch gelingt – so, wie im vergangenen Jahr von der Ober- über die Regional- in die zweite Liga.

„Unsere Stärke bislang ist die Breite unseres Kaders. Die Liga ist ausgeglichen, viele Mannschaften haben eine gute erste Elf. Bislang können wir Ausfälle gut kompensieren“, sagt Sascha Glass, der beim VfB als General Manager den Frauenfußball verantwortet. Bestes Beispiel: Die bislang 30 Saisontore verteilen sich auf zwölf Torschützinnen.

Sascha Glass betont zwar auch: „Wir bekommen noch zu viele einfache Gegentore.“ Dennoch stärkt der bisherige Saisonverlauf den Glauben daran, dass auch die zweite Liga nur eine kurze Durchgangsstation sein wird. Der VfB hat schließlich noch kein Spiel verloren – und daher nun einige Denksportaufgaben vor sich.

Die VfB-Frauen haben sich gerade sportlich und organisatorisch in Liga zwei gut eingefunden. Schon stellt sich die Frage: Was wäre denn im Oberhaus anders? Die Antwort: eine ganze Menge.

Die Haupttribüne des Gazistadions auf der Waldau. Foto: Baumann

Was den Kader angeht, da sind sich Beobachter wie Experten sicher, könnte der VfB womöglich auch heute schon in Liga eins bestehen. Schließlich wurde das Aufgebot ja erst im vergangenen Sommer durch erstliga-erfahrene Spielerinnen ergänzt. „Wir wollen einerseits unseren Weg mit jungen Spielerinnen weitergehen“, sagt Sascha Glass, „unser Ziel ist aber eine gute Balance aus erfahrenen Spielerinnen und jungen Talenten.“ Organisatorisch sind da schon kniffligere Aufgaben zu lösen.

Die Statuten der ersten Liga verlangen jedenfalls ein deutlich höheres Maß an Professionalität im Umfeld der Mannschaft. Für viele Positionen sind hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihren Job in Vollzeit ausüben, dann vorgeschrieben. Auch hier ist der VfB im Vorteil gegenüber manch anderem Verein. Einerseits hat er schon wichtige Strukturen geschaffen – in Heiko Gerber ist ein Fußballlehrer Chefcoach, andere Hauptamtliche sind im Frauenbereich tätig. Zudem ist das Frauenteam Teil der VfB-AG, sodass manche Position über den professionellen Herrenbereich ohnehin abgedeckt ist. „Wir haben“, sagt Lisa Lang, die Managerin Sportorganisation Frauenfußball beim VfB, „die Anforderungen für die zweite Liga teils übererfüllt, weil wir rund um das Team schon jetzt professioneller arbeiten wollten.“

In Liga eins wäre dann aber noch mehr „zeitliche Verfügbarkeit“ der Beschäftigten gefordert. Die Aufmerksamkeit ist höher, die Spieltage sind von Freitag bis Montag gestreckt, neue Pflichtbereiche benötigen entsprechende Betreuung. Der größte Knackpunkt aber ist: die Spielstätte.

Das Stadion Festwiese ist keine Option

Aktuell spielen die VfB-Frauen auf dem Platz des PSV Stuttgart. „Das“, sagt Lisa Lang, „wäre in der ersten Liga nicht mehr möglich.“ Dort nämlich ist Folgendes vorgeschrieben: Mindestens 2000 Plätze, davon 300 Sitzplätze, von denen 150 überdacht sein müssen. Dazu braucht es einen Vip-Raum, mindestens zehn überdachte Medienplätze, einen Pressekonferenzraum und eine leistungsstarke Flutlichtanlage.

Beim VfB gibt es seit Jahren Überlegungen zu einem Neubau auf dem Vereinsgelände für das Frauenteam und die zweite Herrenmannschaft, die in der dritten Liga spielt. Aber: Da ist längst nichts spruchreif oder gar nahe der Umsetzung. Weshalb mutmaßlich auch für die Frauen nur zwei Optionen bleiben: die Wir-machen-Druck-Arena in Aspach, wo der VfB II und die SG Sonnenhof Großaspach spielen. Und das Gazistadion auf der Waldau, das sich die Stuttgarter Kickers und Stuttgart Surge zuletzt teilten.

Die kleine Arena unterm Fernsehturm (11 468 Plätze) wäre sowohl für den VfB II als auch für die VfB-Frauen wohl die ideale Übergangslösung. Allerdings haben die Kickers diese Woche schon Bedenken angemeldet. „Das Gazi-Stadion auf der Waldau ist die historische Heimat der Stuttgarter Kickers“, sagte Präsident Rainer Lorz gegenüber unserer Redaktion, „wir haben zwar Verständnis dafür, dass der VfB nach geeigneten Spielorten sucht, sehen aber die Waldau als festen Bestandteil der blauen Vereinsidentität.“

In den kommenden Monaten muss also um Lösungen gerungen werden, keine Option ist dabei das Stadion Festwiese. Ein bisschen Zeit bleibt allerdings noch: Die Bewerbungsunterlagen für die erste Liga der Frauen müssen erst am 15. März 2026 eingereicht werden.